Ganz allein unter den Männern . . .

Sport / 10.11.2014 • 22:26 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Hohenemserin Osmunde Dolischka schaffte es bis in die Formel 3. Fotos: Noger/3
Die Hohenemserin Osmunde Dolischka schaffte es bis in die Formel 3. Fotos: Noger/3

Frauen holen im Motorsport auf. Auch das Ländle hatte schon immer Rennamazonen.

Schwarzach. Mit Susie Wolff (Testfahrerin bei Williams) gibt es wieder eine Frau im Grand-Prix-Sport. Bei Sauber und bei Williams sind mit Monisha Kaltenborn und Claire Williams zwei Damen an der Spitze der Teamführungen. Bei Audi dirigiert die Renningenieurin Leena Gade das Fahrertrio Lotterer/Fässler/Tréluyer in der Sportwagen-WM zu Siegen. Die Frauen holen also auf, sowohl neben der Strecke, als auch auf der Piste, obwohl der Automobilrennsport eine klare Männerdomäne ist.

Alles begann mit Berty Vogel

Auch im Ländle gab und gibt es immer wieder ambitionierte Damen, die den Weg in die Welt des Rennsports fanden oder finden. Die erste Vorarlbergerin im Automobilrennsport war die Hohenemserin Berty Huber-Vogel. Berty war eine elegante, weltoffene Frau. Beim ersten Arlberg­rennen im Herbst 1927 zog es sie ins Fahrerlager, wo sie ihren späteren Mann, Hans Huber, kennen und lieben lernte. Hans Huber hatte in der Anton-Schneider-Straße in Dornbirn eine Vertretung für belgische FN-Autos und Motorräder. Mit einem FN bestritt er auch das Arlberg­rennen in der Klasse bis 1500 ccm und wurde Zweiter. Berty Vogel verstand es, sich in Szene zu setzen und gleich die richtigen Kontakte zu knüpfen. So war sie zum Beispiel in der damaligen „Allgemeinen Automobilzeitung“ (AAZ) im Arlberg-Rennbericht mit keinem Geringeren als dem Vorstand des Österreichischen Automobilclubs, Robert Mautner, abgebildet.

Beim zweiten Arlbergrennen, im Sommer 1928, saß Berty bereits im FN von Hans Huber hinter dem Volant. Hans, den Berty einen Monat später heiratete, trat nur mehr als Bewerber und Beifahrer auf. Mit einer beachtlichen Zeit brachte die Hohenemserin den FN sogar als Klassensieger ins Ziel. Der Renneinsatz am Arlberg war allerdings eine Eintagsfliege: Frau Huber-Vogel übernahm nach der Scheidung den elterlichen Betrieb, das Gasthaus „Freschen“ beim Hohenemser Bahnhof. Berty Vogel starb 1975 kinderlos und vermachte der Gemeinde das ganze Areal zweckgebunden für die Errichtung eines Altenwohnheimes, das auch gebaut wurde.

Lederhosen statt Rock

Hatten in der Zwischenkriegszeit schon männliche Autopioniere Probleme, anerkannt zu werden, so war es damals für radelnde oder gar motorisierte Frauen doppelt schwer, wenn sie „diesem modischen Sport“ frönten. Es galt einfach als unschicklich. In den 1930er-Jahren betraten mit der Bürserin Maria Wachter, der Harderin Berta Zwickle und der Schwarzacherin Louise Elsensohn jedoch plötzlich drei emanzipierte Frauen die Szene, die sich in Lederhosen zwängten und völlig ungeniert bei Motorradrennen starteten. Besonders die attraktive Maria Wachter sorgte für Schlagzeilen, weil sie mit ihrer Puch-Rennmaschine auch richtig schnell war und bei den Ländle-Bergrennen auf das Bödele, nach Bürserberg oder auf den Pfänder viele Spitzenresultate einfuhr. Beim international besetzten Lustenauer Straßenrundenrennen 1936 kämpfte sie – jetzt mit einer Norton – gegen 19 Männer und wurde großartige Achte. Berta Zwickle wiederum war ein absolutes Harder Dorf-Original. Das „Höllenweib“ holte sich mit einer Panther-Rennmaschine bei der Pfänder-Bergwertungsfahrt 1934 einen sechsten Klassenrang hinter so bekannten Namen wie Toni Untermarzoner, Konrad Amann, Herbert Kiene, Luis Scheck und Oskar Weiß. 1991 trat die mittlerweile 80-jährige Motorradveteranin sogar bei Vera Russwurms Samstagabend-Show „Familienfest“ mit ihrer Original-Ledermontur von 1932 und ihrer 350er-Victoria-Maschine (Bj. 1952) im TV auf. Sechs Jahre zuvor steuerte sie mit dieser Maschine noch am Dreikönigstag anlässlich des Bregenzer Skijörings im Bodenseestadion im Showprogramm den damaligen Bürgermeister Fritz Mayer im Beiwagen um den Rennkurs.

Viele weitere Lady-Kracher

In jüngerer Vergangenheit machten sich besonders die Satteinserin Irmgard Gabriel und die Hohenemserin Osmunde Dolischka einen Namen. Beiden Damen wurde ein runder, präziser Fahrstil attestiert und sie hatten sich mit Bravour gegen die Männer und deren Vorurteile durchsetzen können. Heute sagen sie: „Je professioneller die Männer, desto respektvoller waren sie.“ Irmgard Gabriel, die nach ihrer Rennkarriere 13 Jahre lang bei der Bergstation der Schnifisbergbahn das „Henslerstüble“ bewirtete, war in den 1970er-Jahren bei allen Auto-Skijörings im Land anzutreffen, wo sie Erfolge einheimste. 1982 gewann sie mit ihrem Renault 5 Alpine souverän die Damenwertung im Vorarlberger Autoslalom-Cup und wurde Zehnte in der Gesamtwertung bei über 200 männlichen Gegnern. „Ossi“ Dolischka schaffte es bis in die Formel 3, wo sie 1998 Gesamtdritte im nationalen F-3-Cup wurde. Drei Jahre zuvor gewann sie als erste Frau ein Formel-Ford-Rennen auf dem Ö-Ring in Zeltweg-Spielberg.

Aktuell begeistern u. a. die Dornbirnerin Johanna Amann (mit ihrem Renault-Clio bei Bergrennen) und die Feldkircher Dobler-Twins Jessica und Nadine mit ihrem Ford Fiesta bzw. Fiat Abarth in der Tiroler Automobilslalom-Meisterschaft. Und auch für weiblichen Nachwuchs ist schon gesorgt: Die neunjährige Tochter von Osmunde Dolischka, Jorden Dolischka, schaffte heuer als erstes Mädchen den Staatsmeistertitel in der Kart-Micro-Max-Klasse.

Attraktiv und schnell: Die Bürserin Maria Wachter, hier mit ihrer Puch bei der Bergwertungsfahrt von Frastanz-Amerlügen, 1933.
Attraktiv und schnell: Die Bürserin Maria Wachter, hier mit ihrer Puch bei der Bergwertungsfahrt von Frastanz-Amerlügen, 1933.
Die Hohenemserin Berty Vogel war die erste Ländle-Automobilrennfahrerin, hier beim Start zum Arlbergrennen 1928. Rennoverall und Helm gab es damals noch nicht.
Die Hohenemserin Berty Vogel war die erste Ländle-Automobilrennfahrerin, hier beim Start zum Arlbergrennen 1928. Rennoverall und Helm gab es damals noch nicht.