Hamilton ist vor Finale unter Strom

Sport / 10.11.2014 • 22:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Foto-Finish um den Titel in der Formel-1-WM: In Abu Dhabi muss Niki Rosberg vor Lewis Hamilton sein. Foto: ap
Foto-Finish um den Titel in der Formel-1-WM: In Abu Dhabi muss Niki Rosberg vor Lewis Hamilton sein. Foto: ap

Den WM-Leader nervt das „Abu Double“ – Rosberg will Attacke fahren.

sÃo paulo. Nico Rosberg brennt schon jetzt auf den ultimativen Titel-Showdown. „Es zählt nur noch eins: volle Attacke“, sagte der Mercedes-Pilot nach seinem beeindruckenden Sieg in Brasilien und versprach seinem WM-Rivalen Lewis Hamilton einen packenden Fight für die endgültige Entscheidung in Abu Dhabi: „Ich werde bis zum letzten Meter alles geben und glaube noch immer zu 100 Prozent daran, dass ich es schaffen kann.“

Psychologisch gut gerüstet

Rosberg strotzt nach seinem fünften Saisonsieg nur so vor Selbstvertrauen und will Hamilton, den der Deutsche nur noch „Er“ oder den „Teamkollegen“ nennt, die Krone in der Formel 1 mit aller Macht im letzten Moment aus den Händen reißen. 17 Punkte beträgt sein Rückstand, doch Rosberg ist jetzt plötzlich wieder oben auf und scheint psychologisch für den Titel-Thriller bestens gerüstet: „Ich bin in Top-Form.“ Aber Hamilton hält weiter alle Trümpfe in der Hand: Nur der Engländer kann in zwei Wochen aus eigener Kraft Weltmeister werden. Schon ein zweiter Platz reicht ihm sicher zu seinem zweiten Titel nach 2008.

Rosberg hofft deshalb auf Schützenhilfe und besonders auf den starken Williams-Piloten Felipe Massa, der bei seinem Heimspiel in São Paulo Dritter wurde. „Ich muss Felipe motivieren und dafür sorgen, dass er bis Abu Dhabi eine super entspannte Zeit hat, ins Spa geht und so“, sagte Rosberg mit einem breiten Grinsen im Gesicht: „Er muss dort in magischer Form sein und Zweiter werden.“ Einen Scheck zur Extramotivation werde es aber nicht geben, sagte Rosberg.

Dass Rosberg überhaupt noch realistische Chancen auf den Titel hat, verdankt er den in Abu Dhabi erstmals vergebenen doppelten Punkten. Bei dem Wüstenrennen heimst der Sieger 50 statt 25 Zähler ein. Ohne das „Abu Double“ würde Hamilton nach zehn Saisonsiegen schon ein sechster Platz zum Titel reichen. Entsprechend stinkt dem Superstar die neue Regel. „Im letzten Rennen weiß man nie, was passiert“, sagte Hamilton, „aber ich weiß, dass ich richtig schnell bin.“

Die doppelten Punkte möge eigentlich keiner, verrät Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Trotzdem sagt der Österreicher diplomatisch: „Wer immer auch am Ende mehr Punkte hat, ist ein würdiger Champion.“

Angst vor Senna-Prost-Szenario

Wolff fürchtet sich eher vor einem anderen Horror-Szenario: Rosberg und Hamilton fahren sich in der Wüste gegenseitig in die Karre – wie damals die McLaren-Kollegen Ayrton Senna und Alain Prost. Die beiden Erzfeinde hatten sich 1989 verbissen bekriegt, und im entscheidenden letzten Saisonrennen kam es dann zum Unfall zwischen den Rivalen. Prost schied aus, Senna gewann das Rennen, wurde aber disqualifiziert. Prost war Champion, doch der Makel blieb. „Uns steht ein echter Thriller bevor“, sagte Wolff, „ich wünsche mir, dass sie sich nichts schenken und sich einen guten Fight liefern – und ein sauberes Rennen.“

Nur noch ein letztes Rennen: Rosberg muss alles auf eine Karte setzen, alles riskieren, Hamilton reicht ein zweiter Platz. Doch keiner will mehr zurückstecken. „Ich werde genau so hart pushen wie immer“, sagt Hamilton. „Volle Attacke“, sagt Rosberg: „Volle Attacke.“ Beim ultimativen Showdown fahren beide mit dem Messer zwischen den Zähnen.

In Abu Dhabi steht uns ein echter Thriller bevor.

Toto Wolff