Protest ist eingegangen

Sport / 16.11.2014 • 22:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Auf klärende Worte von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter bezüglich des Untersuchungsberichts wartete man bislang vergeblich. Foto: Reuters
Auf klärende Worte von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter bezüglich des Untersuchungsberichts wartete man bislang vergeblich. Foto: Reuters

Keine Ruhe bei der FIFA: FBI verstärkt
Ermittlungen gegen den Weltverband.

Zürich. Michael J. Garcia macht Ernst: Der Chefermittler der FIFA-Ethikkommission kündigte beim Fußball-Weltverband vorschriftsgemäß seinen Einspruch gegen den Bericht über die Ergebnisse seiner Untersuchungen zum Korruptionsverdacht gegen die WM-Ausrichter Russland (2018) und Katar (2022) an.

Den Eingang dieser Mitteilung hat nun die FIFA offiziell bestätigt. Laut den FIFA-Disziplinarstatuten muss der ehemalige US-Bundesanwalt seinen Widerspruch innerhalb von sieben Tagen schriftlich begründet beim Verband einreichen. Sollte dann die Berufungskommission Garcias Einspruch zurückweisen, könnte der US-Amerikaner den internationalen Sportgerichtshof CAS anrufen.

Der Druck auf die FIFA steigt

Derweil verstärkt sich der internationale Druck auf den Fußball-Weltverband und vor allem gegen dessen Präsident Joseph S. Blatter – auch auf politischer Ebene. Das Londoner Finanzblatt „Financial Times“ zitierte einen hohen EU-Offiziellen, der einen „massiven Vertrauensverlust“ beklagte und besonders mit wettbewerbsrechtlichen Konsequenzen für die FIFA in der Bewertung ihrer Vermarktungsaktivitäten drohte: Angesichts der Entwicklungen würde hinsichtlich von FIFA-Belangen „jede Regierung und Regulierungsbehörde natürlich neu überlegen, wie bestehende Vorschriften angewendet werden können. Die Leute verlieren die Geduld“.

Für die FIFA ist ein gutes Verhältnis zur Europäischen Union von großer Bedeutung. Ohne Einverständnis der EU ist der Verkauf von TV-Rechten auch für WM-Turniere in seiner derzeitigen Form nicht möglich.

FBI ermittelt nun

In den USA will angeblich auch die Bundespolizei FBI ihre Ermittlungen wegen Korruptionsverdacht gegen die FIFA verstärken. In erster Instanz strebe man den Zugriff auf den Bericht von FIFA-Sonderermittler Garcia an. Im Zuge dessen wurde nun auch bekannt, dass ein ehemaliger Spitzenfunktionär der FIFA die FBI-Beamten mit Insiderinformationen versorgt haben soll.

Seitens des Weltverbandes haben nun Anti-Korruptions-Ermittler der Ethikkommission erneut Deutschands Ikone Franz Beckenbauer ins Visier genommen. So wurden angeblich die Untersuchungen in Bezug auf den „Kaiser“ wegen einer Katar-Reise im Oktober 2009 ausgeweitet. Der 69-Jährige hatte 14 Monate vor Katars Wahl zum WM-Gastgeber 2022 mit dem Sportberater Fedor Radmann das Emirat besucht. Letzterer arbeitete damals für Katars Rivale Australien. Die Verbindung zu Beckenbauer habe durch eine Absprache bestanden, wonach Australien dem Deutschen Fußball-Bund für die Frauen-WM 2011 den Vortritt lässt und im Gegenzug Unterstützung bei seiner Kandidatur für das Männer-Turnier 2022 bekommt.

Es ist an der Zeit, dass die FIFA alle Karten auf den Tisch legt.

Tibor Navracsics, EU-Komm.
Mersiades (Bild) und Almajid sprachen auch von Bedrohungen.
Mersiades (Bild) und Almajid sprachen auch von Bedrohungen.