„WM in Katar nicht im Sommer!“

Sport / 18.11.2014 • 21:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Corrected by Zoli

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Lassaad Chabbi, Fußballtrainer in Katar, über Mentalität und Träume im WM-Land.

Schwarzach. Klimawechsel im Hause Chabbi. Regen und Schnee in Vorarlberg statt Sonne und angenehme 26 Grad in Katar. Während im WM-Land 2022 der Klubfußball wegen des Asien-Cups für Nationalteams ruht, erholt sich der gebürtige Tunesier in seiner Heimat. Trotz seiner afrikanischen Wurzeln fühlt sich der 53-jährige Fußballtrainer als Österreicher. Kein Wunder, ist Chabbi, er kam 1986 nach Vorarlberg, nunmehr schon seit 1991 im Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft.

Seit Jänner arbeitet und lebt er in Katar, wo er Kotrainer des Cupsiegers El-Jaish Sports Club ist. Die VN nutzten den Heimaturlaub des UEFA-A-Lizenzbesitzers, um mehr über Katar zu erfahren.

» Katar Stars League? Es spielen 14 Mannschaften. Der Meister und der Zweitplatzierte sowie der Sieger im Prinz-Cup spielen in der Asien-Champions-League. Wir haben in der Vorsaison den ersten Titel (Anm. d. Red.: Katar-Cup) für den Klub geholt und sind Zweiter geworden. Im Februar beginnt die Champions League für uns. Heuer lief es anfangs nicht gut. Niederlagen werden nicht so gerne gesehen (schmunzelt), aber wir haben die Kurve gekriegt. Derzeit liegen wir auf Platz vier. Gespielt wird in neun Stadien, nicht alle Klubs haben ein eigenes. Der Verband regelt, wo die Spiele stattfinden.

El-Jaish Sports Club: Scheich Jawhan, der Bruder des Prinzen, ist der Klubchef. Zu Saisonbeginn hatten wir noch keine Legionäre. Dann kamen der Ghanaer Mohammed Muntari, die Brasilianer Romarinho und Lucas Mendes sowie Südkoreas WM-Spieler Seul-Ki Go zu uns. Der Scheich erwartet einen Titel, am wichtigsten wäre der Prinz-Cup. Da gibt es für die beiden Finalisten Rolex-Uhren für alle (lacht).

» Kritik an der WM 2022? Ich kann nur eines sagen: Dieses Ereignis ist ganz wichtig für die arabische Welt. Bis auf Australien gab es schon überall WM-Endrunden. Katar wird zeigen, dass die arabische Welt eine WM veranstalten kann, da bin ich mir sicher. Katar ist ein fußball verrücktes Land. Nur in Europa will das niemand verstehen. Was ist nicht verstehe ist: 2010 die WM in Südafrika, alle sprachen davor von Kriminalität und Menschenrechte. 2012 die EM, es wurde nur über Kriminalität in der Ukraine gesprochen. 2014 die WM in Brasilien, was war? Stadien, Kriminalität usw. 2016 die EM in Frankreich – da höre ich keine Diskussionen. 2018 die WM in Russland. Alle reden von Putin, den Menschenrechten und der Kriminalität. 2020 EM in zwölf Ländern und das Halbfinale und das Endspiel in London. Wie sollen da die Fans ihren Teams folgen, wenn sie einmal in Dublin und dann in Rom spielen? 2022 die WM in Katar, und es gibt nur ein Thema: Menschenrechte!

» Menschenrechte? Aus eigener Erfahrung kann ich nur eines sagen: Die Leute hier sind sehr nett, das Leben ist fast wie in Europa. Natürlich ist es nicht Österreich sondern Katar, und der Zugang zu Regeln und Ordnung ein wenig anders. Aber ich musste mich auch anpassen, als ich nach Österreich kam, in Katar ist es nicht anders. Ich gehe mit offenen Augen durch die Stadt, und was sehe ich? Überall bauen Firmen aus Deutschland, China, Japan oder anderen Länder. Hier in Katar kann auch meine Frau noch um Mitternacht alleine auf die Straße gehen. Ich verstehe auch die Meldungen bezüglich Stadionbauten nicht. Es werden noch keine Stadien gebaut für die WM, die sind noch in Planung

Wie gesagt, die WM-Stadien sind noch in Planung. Von den bestehenden ist eines klimatisiert. Es ist unglaublich. Wenn es außen 40 Grad hat, dann spielen wir im Stadion bei 20 Grad.

Hitze? Im Mai und Juni kann nicht gespielt werden, da hat es 50 Grad. Für mich wäre November und Dezember der beste WM-Termin.

Im Fußball gewinnt nicht immer der Stärkere. Bei Altach gegen Salzburg gewann der Intelligentere.

lassaad Chabbi
Lassaad Chabbi vor dem Hauptquartier des Fußballverbandes Usbekistan.
Lassaad Chabbi vor dem Hauptquartier des Fußballverbandes Usbekistan.
Lassaad Chabbi (links) mit Konditionstrainer Khalil Jbabli.
Lassaad Chabbi (links) mit Konditionstrainer Khalil Jbabli.
Lassaad Chabbi bei einer Pressekonferenz vor dem Spiel.
Lassaad Chabbi bei einer Pressekonferenz vor dem Spiel.
Mit der Privatmaschine des Scheichs ging es zu den Asienspielen (links Trainer Nabil Maaloul).
Mit der Privatmaschine des Scheichs ging es zu den Asienspielen (links Trainer Nabil Maaloul).
Besuch aus Vorarlberg: Kurt Bitriol mit Lassaad Chabbi. Fotos: Privat/6
Besuch aus Vorarlberg: Kurt Bitriol mit Lassaad Chabbi. Fotos: Privat/6