Zwiespältige Bilanz von Koller

Sport / 19.11.2014 • 19:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Sonderlob von ÖFB-Teamchef Marcel Koller gab es für Marko Arnautovic, der gegen Brasilien auf der linken Mittelfeldseite glänzte. Foto: gepa
Ein Sonderlob von ÖFB-Teamchef Marcel Koller gab es für Marko Arnautovic, der gegen Brasilien auf der linken Mittelfeldseite glänzte. Foto: gepa

Schweizer freute sich über Leistung, aber ärgerte sich über
Brasilien-Niederlage.

wien. Österreichs Teamchef Marcel Koller hat nach dem unglücklichen 1:2 in Wien gegen Brasilien eine zwiespältige Bilanz gezogen. Der Schweizer freute sich am Tag danach zwar über die ansprechende Darbietung seiner Mannschaft, ärgerte sich aber auch über das Ende der Erfolgsserie nach zuvor neun Partien ohne Niederlage. „Mit einem Unentschieden hätte ich leben können, das wäre auch verdient gewesen. Ich verliere extrem ungern“, sagte Koller. Immerhin spendete der neuerlich starke Auftritt von Christian Fuchs und Co. Trost. „Wir haben eine gute Leistung gegen ein Top-Team gebracht.“

Die Brasilianer brachten ihren sechsten Testspiel-Sieg in Folge auch mit der Unterstützung des Referees, Zeitschinderei und hartem Einsteigen über die Zeit. „Sie wollten eben auch gewinnen“, sagte Koller über die teilweise rüde Spielweise des Rekordweltmeisters. „Der Schiedsrichter hätte das vielleicht unterbinden können.“ Sonderlob vom Teamchef gab es nach dem Brasilien-Match für Marko Arnautovic und vor allem für den Torschützen und Abwehrorganisator Aleksandar Dragovic. „Er hat zu seiner Aggressivität, Präsenz und Zweikampfstärke auch noch Ruhe und Klarheit bekommen und ist trotzdem auf dem Boden geblieben“, meinte Koller.

Deutliche Fortschritte

Der 54-Jährige sprach aber auch von der gesamten Mannschaft in höchsten Tönen. „Es macht mich stolz, mit diesem Team zusammen zu sein. Erst am Montagabend haben wir im Training eine neue Idee eingeübt, und die Spieler haben das in der Partie eins zu eins umgesetzt. Das zeigt, dass sich Geduld und Konstanz lohnen.“ Trotz der guten Auftritte gegen Brasilien und davor gegen Russland war der ÖFB-Coach von einem anderen Match in diesem Jahr am meisten angetan. „Unser stärkstes Spiel 2014 war gegen Montenegro.“

Als schwächsten Auftritt bewertete der Nationaltrainer den 2:1-Sieg im Juni in Tschechien. „Aber das geht zum Teil auf meine Kappe, weil ich etwas anderes probieren wollte, das nicht funktioniert hat.“ Keine Kritik gab es wegen des mühevollen 2:1 in Moldawien. „Da hatten wir schwierige Bedingungen, und dort müssen andere Teams erst gewinnen.“ Generell zeigte sich Koller mit dem zu Ende gegangenen Länderspieljahr hoch zufrieden. „Ich freue mich über die guten Ergebnisse. Die Statistik (Anm.: vier Siege, drei Remis, eine Niederlage) ist sehr positiv und macht viel Mut.“

In den vergangenen Jahren seien deutliche Fortschritte geschafft worden. „Wenn man sich die WM-Qualifikation vergangener Tage und jetzt die EM-Qualifikation anschaut, sieht man, dass Selbstvertrauen und spielerische Qualität dazugekommen sind. Da kann man auch so ein Spiel wie gegen Brasilien gut gestalten“, betonte Koller.

Noch Luft nach oben

Der Schweizer fand noch weitere positive Aspekte: „Wir sind flexibler geworden und man hat auch gesehen, dass wir schwerwiegende Ausfälle kompensieren können“, erklärte Koller mit Hinweis auf die Verletzungen von David Alaba und Julian Baumgartlinger und ergänzte: „Die Leute können stolz sein auf dieses Team.“

Allerdings gibt es laut Koller in einigen Bereichen noch Luft nach oben. „Wir müssen die Laufwege in der Defensive verbessern. Ich wäre froh, wenn ich nicht mehr reinrufen müsste, dass der eine oder andere Spieler fünf bis zehn Meter mehr machen muss.“ Auch die Genauigkeit im Passspiel oder die Effizienz im Abschluss lässt noch zu wünschen übrig. „Bei der Chancenauswertung sind wir in der einen oder anderen Situation zu hektisch.“ In der kurzen Zeit, die ihm zur Vorbereitung auf Länderspiele zur Verfügung steht, könne er dieses Manko jedoch nicht beheben. „Da sind die Spieler dafür verantwortlich, sich bei ihren Klubs weiterzuent

wickeln“,

sagte Koller.

Es gibt keinen Grund, sich zurückzulehnen. Es geht weiter mit Spielerbeobachtungen sowie Analysen der nächsten Gegner.

Marcel koller
Analysierte auf seine Art: Marcel Koller. Foto: gepa
Analysierte auf seine Art: Marcel Koller. Foto: gepa