Matt-Brüder im Herrenslalom

Sport / 13.02.2015 • 21:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gibt es vor lauter Freude wieder einen Purzelbaum im Ziel? Mario Matt will nach dem Olympiasieg auch bei der WM überraschen. Foto: ap
Gibt es vor lauter Freude wieder einen Purzelbaum im Ziel? Mario Matt will nach dem Olympiasieg auch bei der WM überraschen. Foto: ap

Mario Matt will trotz Seuchensaison so wie Reinfried Herbst um Medaille mitfahren.

VAil, Beaver Creek. Als Mario Matt 2001 in St. Anton zu WM-Gold im Slalom raste, stand sein damals siebenjähriger Bruder Michael inmitten der 50.000 Fans. 14 Jahre später gehen die Brüder morgen gemeinsam für Österreich in den WM-Slalom. Der amtierende Olympiasieger Mario startet nach seinem schweren Trainingssturz allerdings gehandicapt in die Jagd auf seine bereits dritte Slalom-WM-Goldene nach 2001 und 2007.

Der Slalom in Beaver Creek soll zum letzten großen Höhepunkt in Matts Karriere werden. Der Rücktritt mit Saisonende scheint wahrscheinlich, ein Antreten bei der WM in zwei Jahren in St. Moritz schließt der 35-Jährige zu hundert Prozent aus. Die Vorzeichen könnten allerdings kaum schlechter stehen. Matt „senior“ ist in den ersten fünf Saisonrennen immer ausgeschieden, danach folgten die Plätze 19, 12 und 19. In den USA angekommen, wurde der Flirscher zunächst von einer Grippe geschwächt. Danach folgte der wilde Trainingssturz, bei dem er sich eine Prellung im rechten Knöchel zuzog. Der 35-Jährige will alles unternehmen, um dabei zu sein, und zwar so fit wie möglich. Durch die Verletzung entgingen ihm aber genau jene zwei Trainingstage, die für die Materialabstimmung auf den US-Schnee geplant waren. „Natürlich ist das alles andere als positiv. Aber wenn ich halbwegs schmerzfrei in den Skischuh steigen kann und die Abstimmung treffe, dann weiß ich, dass ich es drauf habe. Mein Speed passt, auch wenn es die Ergebnisse in dieser Saison noch nicht gezeigt haben“, meinte Matt.

In Beaver Creek teilen sich die Matts im ÖSV-Teamhotel ein Appartement. Am Sonntag schnuppert Michael erstmals WM-Luft. „Eigentlich geht es wie bei jedem anderen Rennen Rot-Blau-Rot-Blau Richtung Ziel. Aber es ist eben kein Rennen wie jedes andere, eine gewisse Anspannung ist schon da“, gestand der 21-Jährige, der sich aber von seinem stets nervenstarken Bruder gute Tipps holen kann. „Ich werde keine Wunderdinge probieren, sondern mich auf das konzentrieren, was ich kann. Mein Ziel sind die Top-15“, meinte der Jüngste im ÖSV-Slalom-Quintett. Dass er zu den absolut Schnellsten zählen kann, bewies Michael Matt im Jänner mit seiner Bestzeit im zweiten Wengen-Durchgang.

WM-Abschied für Herbst

So wie Mario Matt bestreitet auch Reinfried Herbst am Sonntag das letzte WM-Rennen seiner Karriere. Und wie bei Matt ist auch beim Salzburger der bisherige Winter eher bescheiden verlaufen. Die Plätze 13 in Wengen und 15 in Adelboden waren für Herbst die bisherigen Höhepunkte. Der 36-Jährige weiß, dass diese Bilanz in früheren Jahren nie und nimmer für einen WM-Start gereicht hätte.

„Es gab Saisonen, da hast du trotz Stockerlplatz die WM nur im Fernsehen gesehen. Insofern ist diese WM ein Geschenk, das ich dankend annehme und nützen möchte. Ich habe eine kleine Chance, und die möchte ich am Schopf packen“, sagte Herbst, der 2006 Olympia-Silber im Slalom und 2009/10 den Slalom-Weltcup gewonnen hat.

Dass die allgemeine Erwartungshaltung bescheiden ist, stört Herbst überhaupt nicht. „Das ist aufgrund meiner jüngsten Ergebnisse logisch. Aber es waren immer wieder schnelle Schwünge dabei, und auf die zähle ich. Ich habe das Zeug, dass mir einer auskommt“, versicherte der Routinier aus Unken.

Ich habe eine kleine Chance, und die möchte ich am Schopf packen.

Reinfried Herbst

Ski-WM

Die bisherigen Ski-WM-Medaillen für Österreichs Herren im Slalom

Gold (14)

1933 Innsbruck: Toni Seelos

1935 Mürren: Toni Seelos

1936 Innsbruck: Rudolf Matt

1952 Oslo: Othmar Schneider

1956 Cortina: Toni Sailer

1958 Badgastein: Josl Rieder

1960 Squaw Valley: Ernst Hinterseer

1964 Innsbruck: Pepi Stiegler

1989 Vail: Rudi Nierlich

2001 St. Anton: Mario Matt

2005 Bormio: Benjamin Raich

2007 Aare: Mario Matt

2009 Val d‘Isere: Manfred Pranger

2013 Schladming: Marcel Hirscher

Silber (13)

1931 Mürren: Toni Seelos

1933 Innsbruck: Gustav Lantscher

1936 Innsbruck: Eberhard Kneissl

1937 Chamonix: Willi Walch

1958 Badgastein: Toni Sailer

1960 Squaw Valley: Hias Leitner

1968 Grenoble: Herbert Huber

1974 St. Moritz: David Zwilling

1987 C. Montana: Günther Mader

1991 Saalbach: Thomas Stangassinger

1996 S. Nevada: Mario Reiter

2001 St. Anton: Benjamin Raich

2005 Bormio: Rainer Schönfelder

Bronze (9)

1932 Cortina: Hans Hauser

1935 Mürren: Friedl Pfeifer

1954 Aare: Toni Spieß

1962 Chamonix: Gerhard Nenning

1968 Grenoble: Alfred Matt

1985 Bormio: Robert Zoller

1993 Morioka: Thomas Stangassinger

1999 Vail: Christian Mayer

2013 Schladming: Mario Matt