Bei Mercedes ist der Ring frei für die Revanche

Sport / 11.03.2015 • 19:24 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Verbremser, wie bei den Testfahrten in Barcelona, darf sich Lewis Hamilton im WM-Zweikampf mit Nico Rosberg nur wenige leisten. Foto: Reuters
Verbremser, wie bei den Testfahrten in Barcelona, darf sich Lewis Hamilton im WM-Zweikampf mit Nico Rosberg nur wenige leisten. Foto: Reuters

In der Formel 1 läuft im Kampf um den WM-Titel alles auf ein Silberpfeile-Duell hinaus.

Melbourne. Ring frei für die Revanche – Nico Rosberg brennt nach seinem Last-Minute-K.o. im Vorjahr auf Wiedergutmachung. „Ich bin voll motiviert, attackiere und will den Titel jetzt holen. Das ist mein Rematch“, sagte der 29-Jährige und kündigte seinem Mercedes-Rivalen Lewis Hamilton für die Formel-1-Saison erneut ein packendes Duell an: „Es wird wieder ein harter Kampf.“ Schon im Vorjahr lieferten sich Herausforderer und Platzhirsch einen spektakulären Showdown. Rosberg gegen Hamilton erinnerte phasenweise sogar an die legendären Duelle zwischen Ayrton Senna und Alain Prost. Die Silberpfeil-Rivalen fuhren so aggressiv Rad an Rad, als gönnten sie sich gegenseitig nicht einmal das Schwarze unter den Fingernägeln. Erst im letzten Rennen setzte sich Hamilton die Krone auf.

Stärker als jemals zuvor

„Nico hat mir das Leben echt schwer gemacht und wird es weiter tun“, sagt Hamilton und rechnet vor dem Saisonstart in Australien mit einer Neuauflage des Duells mit seinem alten Kumpel. Dabei verzichtet der Engländer auf das Statussymbol der Startnummer „1“ auf seinem Boliden. Stattdessen fährt Hamilton lieber weiter mit seiner Lieblingsnummer 44. „Aber das heißt nicht, dass ich nicht die Nummer eins bin. Ich bin stärker als jemals zuvor“, sagt er.

Das Verhältnis zwischen Rosberg und Hamilton, die sich schon seit ihren Kart-Anfängen kennen und in Monte Carlo im gleichen Apartmenthaus wohnen, ist durch den erbitterten Fight im Vorjahr deutlich abgekühlt. „Unterm Strich respektieren wir uns und finden immer einen Dialog. Es wird erneut schwierige Momente geben, es ist unvermeidlich zwischen uns“, sagte Rosberg: „Aber das bereinigen wir privat. Auch wenn es nicht mehr vorkommt, dass Lewis spontan bei uns auf einen Hamburger vorbeikommt.“

Hamilton gegen Rosberg reloaded – auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff rechnet nicht damit, dass sich das Duo im Krieg der Sterne irgendetwas schenkt. Es sei total illusorisch anzunehmen, dass es ein freundliches Schunkeln wird, sagte der Wiener und versprach den Fans einen fairen Kampf, ohne dass ein Fahrer eingebremst wird: „Es gibt bei uns keine Nummer eins. Beide haben den gleichen Status und die gleichen Chancen. So wie es vor einem Jahr auch war.“ Der neue Ferrari-Star Sebastian Vettel (27) wird wohl zunächst nur die Mercedes-Rücklichter sehen.

Der Ex-Weltmeister brennt auf sein erstes Rennen für seinen neuen Rennstall. Nach den ordentlichen Tests sei es beim Auftakt nun an der Zeit, auf der Strecke in Australien zu sehen, wie wettbewerbsfähig wir sind, sagte der Deutsche. Dann werden sich die Fragezeichen um „Eva“ lichten, wie Vettel seinen SF15-T taufte. Bei aller Euphorie über die deutsch-italienische Traumehe versuchte Vettel aber auch, die Erwartungen der Fans zu dämpfen. „Beim ersten Rennen wird es für alle schwierig sein, das perfekte Set-up zu finden, weil noch immer alles ziemlich neu ist.“ Auf dem Weg zurück an die Spitze will sich Vettel nicht mit Michael Schumacher vergleichen lassen: „Er ist natürlich allgegenwärtig. Aber ich bin Sebastian und nicht Michael.“

Ruhe und Weisheit

Ferrari-Boss Sergio Marchionne ist von Vettel überzeugt. „Er verbindet Ruhe mit Weisheit. Das sind seltene Qualitäten für einen jungen Menschen“, sagte Marchionne der Gazzetta dello Sport. Vettels Wechsel zu Ferrari habe sich auch positiv auf dessen Teamkollegen Kimi Räikkönen ausgewirkt. „Kimi ist wieder viel engagierter“, sagte Marchionne.

Bei Sauber hat Ex-Testfahrer Giedo van der Garde vor dem Gericht in Melbourne erfolgreich sein Cockpit eingeklagt, der Rennstall geht in die Berufung. Fortsetzung folgt.