Eine emotionale Reise zu Oma und Opa

Sport / 04.05.2015 • 22:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Pep Guardiola steht vor der Rückkehr in die Vergangenheit. Foto: gepa
Pep Guardiola steht vor der Rückkehr in die Vergangenheit. Foto: gepa

Vor allem für Guardiola wird das CL-Halbfinale beim FC Barcelona eine emotionale Reise in die Vergangenheit.

München. Pep Guardiola dürfte leichte Orientierungsprobleme haben. Der Weg in die Gästekabine im legendären Camp Nou und zur Trainerbank rechts vom Spielertunnel ist dem 44-Jährigen überhaupt nicht vertraut. Es wird für ihn in jeder Hinsicht eine ganz besondere Geschichte, wenn er morgen zum Champions-League-Halbfinale mit dem FC Bayern beim FC Barcelona antritt. Für den Katalanen, aber auch für Münchens Mittelfeldstar Thiago ist es eine emotionale Reise in die Vergangenheit.

Erfolgreichster Trainer

„Natürlich ist es etwas Besonderes. Es ist Barcelona, es ist mein Zuhause“, sagte Guardiola unmittelbar nach der Auslosung. Er sei einer von Barça, „und werde es immer bleiben“, hatte er zuvor schon betont. Der Trainer des deutschen Fußball-Rekordmeisters kehrt an jenen Ort zurück, wo er als Balljunge angefangen und als Jugendspieler eine großartige Karriere gestartet hat. 22 Jahre wirkte er bei Barça, war dort Kapitän und mit 14 Titeln der erfolgreichste Trainer der Klubhistorie. Noch heute ist er Volksheld. Als er im März bei einem Ligaspiel im Stadion saß, erhoben sich die Leute ehrfürchtig zu Ovationen.

Auch am Mittwoch wird Guardiola im Camp Nou, wo er am 5. Mai 2012 beim 4:0 gegen Espanyol Barcelona frenetisch verabschiedet worden war, freundlicher Applaus der Anhänger gewiss sein. „Wir werden Pep mit allen Ehren empfangen“, sagte Präsident Josep Maria Bartomeu. Doch Guardiola will sich von jeglichen Sentimentalitäten frei machen, auch wenn sogar seine zwölfjährige Tochter Maria den besonderen Wert der Reise nach Barcelona hervorgehoben hatte. „Gut. Dann kann ich ja Oma und Opa sehen“, antwortete sie ihrem Papa per SMS, als dieser den Halbfinal-Gegner übermittelt hatte.

Hochachtung bei Barça-Stars

Guardiola wird ab heute Mittag, wenn die Bayern am Flughafen El Prat landen, im Mittelpunkt stehen. Auf ihn werden sich alle stürzen. Ihm trauen sie in der alten Heimat auch heute noch alles zu. Trotz aller Verletzungssorgen der Bayern sagte Andrés Iniesta mit Hochachtung: „Gegen ein Team mit Guardiola als Trainer gibt es eigentlich kein gutes Ausgangsergebnis. Denn für Guardiola ist alles möglich.“ Der Bayern-Trainer meinte dennoch vor dem Abflug vorsichtig: „Barcelona ist im Moment besser als wir. Auch weil sie seit 15, 20 Jahren denselben Stil pflegen.“ Einen Stil, den er als Coach mit seiner Philosophie vom Ballbesitz-Fußball zwischen 2008 und 2012 perfektioniert hat.

Glücklich in München

Auch Thiago war bei Barcelona in den Genuss der Ideen von Guardiola gekommen – und ihm 2013 nach München gefolgt. Guardiolas Spruch „Thiago oder nix“ ist inzwischen legendär. 25 Millionen überwiesen die Bayern schließlich an Barcelona für einen Spieler, den keiner so richtig auf der Rechnung hatte. „Man gab mir bei Barça nicht das Gefühl, dass man an mich glaubte. In München habe ich das gefunden, was ich gesucht habe“, sagte der 24-Jährige unlängst.

Dennoch sei es für ihn „ein großartiges Gefühl“, in seine Heimat zurückzukehren, zumal er auf seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Rafinha trifft. „Wir haben immer zusammengespielt, jetzt spielen wir gegeneinander. Aber am Ende ist das nicht wichtig“, sagte er dazu, „ich muss mich gut vorbereiten, denn es spielt Bayern gegen Barça – das ist wichtig.“ Der Satz hätte auch von Guardiola sein können.

Ich bin einer von Barça und werde es immer bleiben.

Pep Guardiola

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