„Da ist Enttäuschung, fast Wut“

Sport / 12.05.2015 • 23:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lange Gesichter beim Team Österreich. Zuerst hatten Trainer Ratushny und die Spieler Manuel Ganahl, Thomas Raffl, Konstantin Komarek und Rafael Rotter ein 1:10 gegen Kanada zu verdauen, dann den Abstieg. Foto: Reuters
Lange Gesichter beim Team Österreich. Zuerst hatten Trainer Ratushny und die Spieler Manuel Ganahl, Thomas Raffl, Konstantin Komarek und Rafael Rotter ein 1:10 gegen Kanada zu verdauen, dann den Abstieg. Foto: Reuters

Lettland und Frankreich haben es sich „gerichtet“, Österreich steigt wieder ab.

Prag. (VN) Österreichs Eishockey-Nationalteam hat nach einem Abstiegskrimi bei der Eishockey-WM in Tschechien den Klassenerhalt auf dramatische Weise verpasst. Nach dem 1:10 gegen Turnierfavorit Kanada musste das Team von Dan Ratushny wenig später auf der Tribüne der Prager Arena mitansehen, wie Frankreich im entscheidenden Duell zum Gruppenabschluss gegen Lettland 3:2 nach Penaltyschießen gewann und sich beide Teams mit diesem Ergebnis retteten. Die Letten hatten dabei eine 2:0-Führung im letzten Drittel verspielt. Im Dreiervergleich zwischen den punktgleichen Teams aus Österreich, Frankreich und Lettland zogen Kapitän Thomas Raffl und Co. den Kürzeren. Mit fünf Punkten nach sieben Spielen schloss Österreich die Vorrundengruppe A als Schlusslicht ab und muss ein Jahr nach dem Aufstieg wieder den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit der ersten Division antreten.

„Ich finde kaum Worte“

Österreich muss trotz der Siege gegen die Schweiz (4:3 n. P) und Deutschland (2:3 n. P.) sowie dem Punktgewinn gegen Lettland (1:2 n. V.) gleich wieder absteigen. Ratushny vermochte seine Enttäuschung nicht zu verbergen. „Es ist sehr emotional, ich finde kaum Worte. Ich bin enttäuscht für die Spieler, sie haben in sechs Spielen alles gegeben, sie hätten sich einen erfolgreichen Ausgang der WM verdient. Wir haben uns das Spiel gemeinsam angeschaut, es war eine intensive Enttäuschung da, fast Wut. Es war das Gefühl da, wir können es nicht glauben.“ Seit der Einführung des neuen Modus mit zwei Achter-Gruppen haben stets zwei Siege bzw. fünf Punkte gereicht, mit zwei Ausnahmen: 2013 und 2015 erwischte es jeweils Österreich trotz zweier Siege. In der B-WM geht es nächstes Jahr damit gegen Mitabsteiger Slowenien, Italien, Polen, Japan und Südkorea.

Klar, dass jetzt Verschwörungstheorien Hochsaison haben. Das Schweizer Newsportal Watson – siehe Faksimile – hat es schon vorher gewusst: „Österreich wird um den Klassenerhalt betrogen.“ Auf der Facebookseite des Internationalen Verbandes forderten die Fans Konsequenzen. „Das war krasser Betrug“, schrieb Jim Thompson. „Wenn die IIHF die Glaubwürdigkeit behalten will, muss es eine Untersuchung geben.“ Präsident Rene Fasel sah auf der Tribüne ziemlich fassungslos dem Geschehen auf dem Eis zu.

Eine Nummer zu groß

Der eine Punkt, der nötig gewesen wäre, um aus eigener Kraft den Klassenerhalt zu schaffen, war für die Österreicher vor über 16.000 Zuschauer in der O2 Arena gegen die starken Kanadier völlig außer Reichweite. Raffl und Co. konnten die kanadische NHL-Auswahl nicht fordern. Der 24-fache Weltmeister feierte ohne Superstar Sidney Crosby locker seinen siebenten Sieg im siebenten WM-Spiel. Bemerkenswert bei den Ahornblättern: Sie kamen ohne eine einzige Strafminute davon, wohl ein Fall für das Buch der Rekorde.

IIHF-Chef Rene Fasel gefiel nicht, was Letten und Franzosen boten. ap
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Das Schweizer Internetportal „Watson“ ahnte, wie es für Österreich laufen könnte.
Das Schweizer Internetportal „Watson“ ahnte, wie es für Österreich laufen könnte.