„Es war eine lange Meisternacht“

Sport / 18.05.2015 • 21:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ramazan Özcan mit dem Meisterteller, in der Mitte Lukas Hinterseer. gepa
Ramazan Özcan mit dem Meisterteller, in der Mitte Lukas Hinterseer. gepa

Nach dem Meistertitel ist für Ramazan Özcan vor dem EM-Quali-Spiel in Moskau.

Ingolstadt. Der Klub feiert erst seinen elften Geburtstag und freut sich schon auf die Bundesliga. Maßgeblichen Anteil daran hat mit Ramazan Özcan ein „kleiner Götzner Junge“, wie sich der Torhüter des FC Ingolstadt selbst bezeichnet. Die VN sprachen am Tag nach dem Meistercoup mit dem 30-jährigen Teamgoalie.

Gratulation zum Meistertitel und Bundesliga-Aufstieg. Wie war die Nacht?

Ramazan Özcan: Sehr kurz, ich weiß gar nicht, ob man Nacht dazu sagen kann (schmunzelt). Die Geschehnisse sind noch immer schwer in Worte zu fassen. Die Woche nach dem Bochum-Spiel war nicht nur für mich die schwierigste. Die Enttäuschung, es noch nicht geschafft zu haben, ist uns allen in den Knochen gesteckt. Überall in der Stadt wurden wir hinsichtlich Aufstieg angeprochen – wir Spieler haben da erstmals realisiert, wie viel wir zu verlieren hatten. Die Leute in der Stadt haben mitgefiebert und mit uns gelitten. Nach dem Abpfiff und mit dem Meisterteller in der Hand war dann nur noch Emotion pur. Gefreut hat mich, dass viele Vorarlberger im Stadion waren. Gut 30 Karten hatte ich im Vorfeld besorgen müssen.

Jetzt, da der Bundesliga-Aufstieg fixiert ist, wie groß ist die Zufriedenheit bei Ihnen darüber?

Özcan: Es liegt doch in der Natur des Menschen, nie zufrieden, geschweige denn dankbar zu sein. Ich kann sagen, ich bin heute einfach nur stolz und sehr dankbar. Einfach geil, was die Truppe in dieser Saison geleistet hat. Ich glaube, wir waren 27 oder 28 Runden in dieser Saison Tabellenführer, da ist der Druck zuletzt doch brutal groß geworden. Wenn uns nämlich jemand vor Saisonbeginn gesagt hätte, dass wir Vierter werden, hätten wir alle sofort unterschrieben. Man darf nicht vergessen, dass der Klub ja erst seit elf Jahren existiert.

Wie groß ist der Anteil von Trainer Ralph Hasenhüttl (47) an diesem Erfolg?

Özcan: Er hat mit Sicherheit den größten Anteil daran. Das sieht man schon allein daran, was er aus dem einen oder anderen Spieler herausgeholt hat. Er spielt nicht den Obermeister, lässt der Mannschaft extrem viel Spielraum, um sich zu entfalten. Wenn du als Trainer einen Klub auf Platz 18 übernimmst und ihn in der nächsten Saison zum Meistertitel führst – allein das spricht schon Bände.

Was glauben Sie, was können Sie mit Ingolstadt in der Bundesliga erreichen?

Özcan: Zehn Minuten nach dem Titelgewinn habe ich gesagt: Jetzt beginnt für uns der Abstiegskampf. Im Ernst: Es ist unglaublich, was wir mit unserem Etat (Anm. d. Red: 8,5 Mill. Euro) geschafft haben. Klar, Geld ist für den Erfolg wichtig. Aber ich sage immer: Jeder Verein kann nur Menschen und keine Maschinen verpflichten.