Weniger Demokratie, mehr Diktatur

Sport / 22.05.2015 • 20:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eingeschränkter Fahrbetrieb im Regen von Monaco – auch Lewis Hamilton blieb lieber in der Box. Foto: Reuters
Eingeschränkter Fahrbetrieb im Regen von Monaco – auch Lewis Hamilton blieb lieber in der Box. Foto: Reuters

Alles soll besser werden in der Formel 1. Bisher ist aber alles kaum mehr als heiße Luft.

Monaco. Die Formel 1 dreht sich im Kreis. Während die Strategiegruppe Vorschläge für Änderungen in ferner Zukunft präsentiert und die Fahrervereinigung GPDA mit einer weltweiten Umfrage die Fans ins Boot holen will, stehen in Monaco die Motoren still. 57 Minuten schauen die zahlenden Zuschauer an der Strecke und im TV beim freien Training in die Röhre – weil es regnet.

Formel 1 wird „runtergeredet“

Natürlich gab es gute Gründe, bei diesen Bedingungen die Boliden in der Garage zu lassen. Aber es zeigte auch das ganze Dilemma der Formel 1 in diesen Tagen: Man kann mit den besten Absichten das Falsche tun. Entsprechend geladen war Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff auf der FIA-Pressekonferenz im Fürstentum. „Egal, mit welchen Vorschlägen wir kommen, das ist alles Scheiße“, sagte der Wiener, der es leid ist, dass sein Sport „runtergeredet wird“. Damit meint Wolff aber nicht nur die Medien, in denen die Vorschläge der Strategiegruppe – wie schnellere Autos, breitere Reifen oder die Wiedereinführung der Tankstopps – auf ein sehr geteiltes Echo stießen, sondern auch seine Kollegen im Paddock. Robert Fernley, der Vize-Teamchef bei Force India, hatte zuvor der Strategiegruppe wegen „18 Monaten, in denen wir uns auf keine Form der Kostenkontrolle einigen konnten“ quasi ihre Daseinsberechtigung abgesprochen und in seinem Ruf nach weniger Demokratie und mehr Diktatur die guten alten Zeiten beschworen: „Zu den Zeiten von Max (Mosley, ehemaliger FIA-Präsident) und Bernie (Ecclestone, d. Red.) hätte es das nicht gegeben. Ich denke nicht, dass die Teams bestimmen sollten, in welche Richtung die Formel 1 geht. Den Teams sollte gesagt werden, wohin sich die Formel 1 bewegt.“

Die Regeln sind „Müll“

Chef-Promoter Bernie Eccle­stone klagt seit Langem über die festgefahrenen Machtstrukturen und würde lieber heute als morgen zum alten System zurückkehren. „Im Krankenhaus gibt es vor einer notwendigen Amputation auch kein Meeting“, hatte der 84-Jährige gesagt und die aktuellen Regeln gleich mal als „Müll“ bezeichnet.

Nach dem Training am Donnerstag in Monaco könnte eine konkrete Fan-Forderung in etwa so lauten: Wenn ich bezahlt habe, will ich die Autos auch fahren sehen. Selbst wenn es regnet. Dafür braucht man weder eine Umfrage noch ein Strategie-Meeting.

Die Interessen gehen meist dahin, was einem selbst hilft.

Sebastian Vettel