Red Bull droht erneut mit Ausstieg

23.09.2015 • 17:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Helmut Marko (r.) hält die Option eines Rücktritts von Red Bull weiterhin für möglich. Foto: Gepa
Helmut Marko (r.) hält die Option eines Rücktritts von Red Bull weiterhin für möglich. Foto: Gepa

Der Ausstieg von Red Bull sorgt vor dem Japan-GP für viel
Gesprächsstoff.

suzuka/Wien. Helmut Marko hat vor dem Japan-GP am Wochenende die Ausstiegsdrohungen von Red Bull aus der Formel-1 wiederholt. „Es gibt die Option. Ohne Motor, mit dem wir ganz vorne mitfahren können, hören wir besser auf“, sagte der Konsulent des austro-englischen Teams in einem Interview. Laut Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz könnte der Vorhang schon nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi fallen.

Red Bull hatte von 2010 bis 2013 mit dem deutschen Piloten Sebastian Vettel sowie Renault-Motoren vier Fahrer- und Konstrukteurs-Titel gewonnen. Seit dem Vorjahr ist man nach der Umstellung auf Turbo-Hybridmotoren wegen der Schwäche des französischen Motorenpartners aber arg ins Hinterreffen geraten und aktuell nur noch WM-Vierter hinter Mercedes, Ferrari und Williams. Erst kürzlich wurde deshalb das vorzeitige Ende der eigentlich bis inklusive 2016 geplant gewesenen Zusammenarbeit mit Renault bekannt gegeben.

Keine guten Aussichten

„Renault konnte uns keinen Motor mehr geben, mit dem wir vorne an der Spitze mitfahren können. Auch für 2016 war nicht zu erkennen, dass sie (Renault, Anm.) mit Mercedes oder Ferrari auf Augenhöhe sind“, sagte Red-Bull-Motorsportberater Marko zu diesem Schritt, der sich schon seit dem Jahresbeginn abgezeichnet hatte. „Wir sind Kunden. Niemand mag Geld für ein inferiores Produkt ausgeben. Also war es Zeit für eine Entscheidung“, lautete die Erklärung des 72-jährigen Österreichers. Marko bestätigte in dem Interview auch, dass ein lange im Raum gestandener Motorendeal mit Mercedes geplatzt sei, weil die derzeit tonangebenden Deutschen zu viel Konkurrenz gefürchtet hätten. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hatte sich zwar lange Zeit gesprächsbereit gezeigt, ist nun aber offenbar gleicher Meinung wie Weltmeister Lewis Hamilton, der von Beginn an strikt dagegen gewesen war. Man will bei Mercedes lieber weiterhin unabhängige Privatteams ausrüsten und kein vierfaches Weltmeisterteam. Damit bliebe Red Bull wohl nur noch Ferrari, um die Übergangsphase bis zu einem möglichen Formel-1-Eintritt einer Volkswagen-Marke (Audi) mit einem konkurrenzfähigem Motor zu überbrücken. Marko würde prinzipiell das Dazustoßen eines weiteren Motorenherstellers natürlich begrüßen. „Ich glaube aber nicht, dass man bei VW ein fertiges Motoren-Konzept in der Lade hat. Es gibt Gerüchte, aber das ist derzeit alles Kaffeesudlesen.“

Geld ist nicht das Problem

Auch die Konstruktion des Autos rund um einen neuen Antriebsstrang sei weder technisch noch finanziell ein Problem für Red Bull, betonte der ehemalige Le-Mans-Sieger Marko. Bis hier Klarheit herrscht, bleibt laut dem Red-Bull-Motorsportberater aber ein kompletter Ausstieg eine Option. „Jetzt kommen mit Suzuka, Sotschi, Austin und Brasilien Power-Strecken, wir haben nicht die geringste Chance“, fürchtet Marko, der dieses Wochenende in Suzuka bestenfalls mit Platz vier seines Teams rechnet.

Ohne Motor, mit dem wir vorne mitfahren, hören wir auf.

helmut marko

Formel 1

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