23 Sekunden fehlten fürs Rio-Ticket

24.09.2015 • 18:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Matthias Brändle gelang mit dem 16. Rang im WM-Zeitfahren ein nächster Fingerzeig in Richtung Weltspitze. Foto: Bettinn Photos
Matthias Brändle gelang mit dem 16. Rang im WM-Zeitfahren ein nächster Fingerzeig in Richtung Weltspitze. Foto: Bettinn Photos

Matthias Brändle verfehlte direkten Olympia-Startplatz um drei Ränge.

Richmond. Der bärenstarke Auftritt von Matthias Brändle mit dem 16. Endrang im Zeitfahren bei der Straßenrad-WM im amerikanischen Richmond (Virginia) sorgte für viel Verwirrung in der nationalen Radszene. Etliche Onlineportale Österreichs berichteten darüber, dass der 25-jährige Hohenemser damit einen der Startplätze für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro geholt hat. Brändle musste daraufhin die zahlreichen SMS-Glückwünsche aus der Heimat schweren Herzens richtigstellen.

Trainer sorgte für Verwirrung

Der Traum und die Realität waren durch den Wimpernschlag von knapp 23 Sekunden getrennt. Mit seiner Zeit von 1:04,29,33 Stunden (Schnitt 49,755 km/h) nach 53,5 Kilometern belegte Brändle den 16. Rang. Da Italien, Polen und Australien mit je zwei Fahrern vor Brändle klassiert waren, aber nur ein Aktiver pro Nation gewertet wird, fehlten Brändle drei Positionen. Den zehnten und letzten Rio-Startplatz holte der US-Amerikaner Tylor Pinney als Gesamt-Zwölfter mit einer Zeit von 1:04:06,44 Stunden (Schnitt 50,072 km/h). „Verantwortlich für die Verwirrung war eine Falschmeldung von Nationaltrainer Franz Hartl an den ÖRV-Presseverantwortlichen“, stellte Brändle im Telefonat mit den VN klar.

Bei der detaillierten Durchsicht der vom Weltradsportverband (UCI) veröffentlichen Qualifikationsrichtlinien stellte sich schnell der Irrtum heraus. „Der Nationaltrainer hatte sich in den Zeilen geirrt und die UCI-Nationenwertung, bei der die Top-15-Plätze je einen Starterplatz haben, und die WM-Wertung, wo dagegen nur die Top Ten qualifiziert sind, verwechselt.“

Der Hohenemser zeigte sich aber als fairer Sportler und betonte, dass er bei seiner Fahrt absolut das Maximum gegeben hat und die fehlenden 23 Sekunden außerhalb seiner Möglichkeiten waren. „Die Auswertung meines Computers hat ergeben, dass ich rund 20 Watt mehr als bei meinem WM-Einsatz 2014 in Ponferrada getreten habe. Es war ein richtig starkes Rennen von mir“, betonte Brändle stolz.

Die Tatsache, dass acht Kilometer vor dem Ziel die Schaltung seiner Zeitfahrmaschine streikte und Brändle deshalb auf dem leicht ansteigenden Schlussabschnitt nicht mehr in einen leichteren Gang zurückschalten konnte, hatte laut eigenen Aussagen keine entscheidende Auswirkung. „Zu diesem Zeitpunkt hat mich der 1:30 Minuten hinter mir gestartete Italiener Adriano Malori, der Vizeweltmeister wurde, gerade eingeholt. Zu Beginn konnte ich sein Tempo mitgehen, doch beim ersten Anstieg musste ich abreißen lassen. Doch ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich Malori, der rund zwei Minuten schneller war als ich und einen Schnitt von 51,423 km/h fuhr, bis zum Ziel hätte halten können“, erklärte Brändle.

Trotz der kurzfristigen Enttäuschung lenkte der IAM-Cycling-Fahrer am Ende der kräfteraubenden und erfolgreichen Saison seinen Blick nach vorne. „Ich habe heuer den Traum der ersten Tour-de-France-Teilnahme verwirklicht und jetzt bei der WM mit einem absoluten Topresultat aufgezeigt. Natürlich wäre der Olympia-Startplatz das Tüpfchen auf dem i gewesen. Doch vielleicht gelingt es mir ja noch, dass ich mir diesen Traum in Verlauf meiner Karriere auch noch erfülle.“

Ich weiß nicht, ob ich Malori ohne Defekt an der Schaltung bis zur Ziellinie hätte halten können.

Matthias Brändle

Rad

Die Qualifikationsrichtlinien des Weltradsportverbands UCI für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio

Zeitfahren Männer

Quotenplätze Gesamt 40

» WM 2015 Plätze 1 bis 10*

» UCI-Nationenwertung Plätze 1 bis 15*

» Europa Tour Plätze 1 bis 6

» Afrika Tour Plätze 1 und 2

» Amerika Tour Plätze 1 bis 4

» Asien Tour Plätze 1 und 2

» Ozeanien Tour Platz 1

Erklärung: *… Maximal 1 Fahrer pro Nation