Austrias verlorene „Festung“

27.09.2015 • 20:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch Austria-Trainer Lassaad Chabbi ist derzeit ratlos. Foto: Gepa
Auch Austria-Trainer Lassaad Chabbi ist derzeit ratlos. Foto: Gepa

Vierte Heimniederlage im sechsten Spiel – Lustenauer zu Hause keine Macht mehr.

Lustenau. Erstmals in dieser Saison wirkte Lassaad Chabbi nach der 1:2-Heimniederlage gegen Kapfenberg ziemlich ratlos. Vor allem, dass es zu Hause die bereits vierte Niederlage im sechsten Spiel gab, setzte dem Trainer doch sichtlich zu. „Wir sind mit der Mission angetreten, den Fans zu Hause ein Fußballspektakel zu bieten. Ich möchte, dass die Zuschauer uns nach jedem Heimspiel applaudieren“, hat sich der Tunesier hohe Ziele gesetzt. Auch Präsident Hubert Nagel bekräftigte, dass die Austria wieder zur Heimmacht und das Reichshofstadion zur Festung werden soll.

Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Nur zum Auftakt gegen Wr. Neustadt (2:0) und gegen den LASK (2:1) konnte dieser Anspruch ergebnismäßig erfüllt werden. Doch warum? „Wüsste ich das, würde ich es sofort ändern“, zuckt Chabbi mit den Achseln. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als das Ganze zu analysieren und weiterzuarbeiten.“ Am Rotationsprinzip kann es jedenfalls nicht mehr liegen, denn der Trainer vertraute derselben Elf, die auswärts vier Punkte geholt hatte. Ist die Angst der Stürmer, die im eigenen Stadion noch ohne Torerfolg geblieben sind, vor dem Versagen zu Hause noch größer als auswärts? Routinier Thiago, der gegen Kapfenberg zwei Großchancen vergab, verneint. „Im Gegenteil. Es ist viel schöner, vor den eigenen Fans zu spielen. Das beflügelt zusätzlich. Die Atmosphäre im Reichshofstadion ist einzigartig.“

Zu wenig Ergebnisfußball

Vielleicht liegt eine Ursache darin, dass die Lustenauer zu Hause zu viel wollen und zu wenig Ergebnisfußball spielen. Ein Beispiel dafür war die Partie gegen Kapfenberg. Nach der schlechtesten Halbzeit der Saison steigerten sich die Chabbi-Schützlinge nach der Pause und kamen durch Julian Wießmeier in der 53. Minute zum Ausgleich. Die Gäste wären – laut Aussage von Trainer Kurt Russ – nach den letzten Schlappen durchaus mit einem Punkt zufrieden gewesen. In dieser Phase wäre es angebracht gewesen, das Spiel besser zu lesen und die Partie vorerst zu stabilisieren. Möglicherweise wäre das Match dann zwar etwas vor sich hingeplätschert, aber der Zweck hätte die Mittel geheiligt.

Stattdessen wurde weiter riskiert. Beispielsweise brachte die Auswechslung von Pius Grabher nach 61 Minuten das Mannschaftsgefüge durcheinander. Grabher hatte durch seine herrliche Vorarbeit das 1:1 eingeleitet und durch diese Aktion viel Selbstvertrauen

getankt. Trainer Chabbi rechtfertige

die Auswechslung

mit Grabhers hoher Fehlerquote in der ersten Halbzeit. Dass kurz nach dem Wechsel Emanuel Sakic ein schwerer Fehler passierte, passte zum Bild der bisherigen Saison. Immer wieder unterlaufen der Mannschaft Konzentrationsschwächen, die gnadenlos ausgenützt werden.

Fußball

Heimspiel-Bilanz des SC Austria Lustenau in den letzten fünf Saisonen

S U N T P

Saison 2003/04: 12 6 0 28: 8 42

Saison 2004/05: 10 8 0 31:14 38

Saison 2005/06: 11 6 1 33:14 39

Saison 2014/15: 5 4 9 27:32 19

Saison 2015/16: 2 0 4 6: 8 6