Blatter klebt auf FIFA-Thron

28.09.2015 • 18:04 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
UEFA-Präsident Michel Platini (r.) gilt als persönlicher Freund von DFB-Chef Wolfgang Niersbach (l.). Foto: apa
UEFA-Präsident Michel Platini (r.) gilt als persönlicher Freund von DFB-Chef Wolfgang Niersbach (l.). Foto: apa

Der Schweizer denkt nicht an vorzeitigen Rücktritt, Michel Platini wendet sich mit Brief an die Öffentlichkeit.

Frankfurt/Main. Der einst allmächtige Joseph S. Blatter klebt auch nach der Eröffnung des Strafverfahrens gegen seine Person weiter auf seinem Thron, doch der Ruf nach Wolfgang Niersbach wird schon wieder laut. Nach dem neuerlichen FIFA-Skandal um den Noch-Präsidenten und den Fragezeichen hinter dem potenziellen Nachfolger Michel Platini wird DFB-Präsident Niersbach zum wiederholten Mal als möglicher neuer Boss des Fußball-Weltverbandes gehandelt. „Wolfgang Niersbach wäre natürlich ein geeigneter Kandidat als FIFA-Präsident“, sagte DFB-Vize Rolf Hocke: „Denn erstens ist er unbelastet, weil er erst seit Kurzem der FIFA-Exekutive angehört, zweitens stehen seine Kompetenzen außer Frage und drittens ist er Chef des weltweit größten Nationalverbandes.“

Rede an die Mitarbeiter

Blatter will indes seinen Platz noch immer nicht räumen. Er wolle Präsident bleiben, betonte der 79-jährige Schweizer in einer Rede vor den FIFA-Mitarbeitern in Zürich und beteuerte seine Unschuld. Der ebenfalls ins Zwielicht geratene UEFA-Chef Platini rief indes wegen der umstrittenen Annahme von zwei Millionen Franken die FIFA-Ethikkommission an. Blatter informierte die FIFA-Beschäftigten, dass er mit den Behörden kooperiere, wiederholte, dass er nichts Illegales oder Unzulässiges gemacht habe, berichtete Blatters US-Anwalt Richard Cullen. Zudem stellte der taumelnde FIFA-Boss nach Angaben seines Rechtsbeistands klar, dass die Zahlung von zwei Millionen Franken an Platini legitim sei. Der jetzige Chef der Europäischen Fußball-Union (UEFA) habe ein wertvolles Beschäftigungsverhältnis mit der FIFA als Berater des Präsidenten ab 1998 gehabt, berichtete Cullen. Blatter erklärte den Ermittlern, dass die Zahlungen eine zulässige Vergütung und nicht mehr waren und sie ordnungsgemäß innerhalb der FIFA abgerechnet wurden.

Brief von Michel Platini

Platini teilte ebenfalls am Montag mit, dass er in der Sache seine Anhörung durch die Ethikkommission beantragt habe. „Dieses Einkommen habe ich den zuständigen Behörden vollumfänglich und wie gesetzlich vorgesehen deklariert“, hieß es in einem Schreiben des Franzosen. Platini erklärte erneut, den Betrag von zwei Millionen Schweizer Franken als Angestellter der FIFA von 1998 und 2002 verdient zu haben. „ (…) und nachdem erste Teilbeträge bezahlt worden waren, erfolgte im Februar 2011 die Auszahlung des ausstehenden Betrags in der Höhe von zwei Millionen Franken“, schrieb Platini.

Platini-Freund Niersbach war vor dreieinhalb Monaten schon einmal als Anwärter auf die Blatter-Nachfolge gehandelt worden, da sich sein Zehn-Punkte-Programm zur FIFA-Reform wie das Wahlprogramm eines Präsidentschaftskandidaten gelesen hatte. Niersbach wollte das nach eigenen Angaben allerdings nicht so verstanden wissen. Der Deutsche, ein ehemaliger Journalist, ist seit dem 2. März 2012 Präsident des Deutschen Fußball-Bundes DFB, wo er auf Theo Zwanziger folgte

Auch Windtner für Neuanfang

Auch ÖFB-Präsident Leo Windtner plädiert für einen Neuanfang beim Weltverband. „Bis zum Kongress am 26. Februar muss es geschafft werden, dass Transparenz und Integrität bei der FIFA einkehren, mit einem komplett neuen Stab an Personen. Ansonsten gewinnt man das Vertrauen nicht zurück“, sagte Windtner. Für FIFA-Boss Blatter gelte nach wie vor die Unschuldsvermutung, betonte der Oberösterreicher. „Aber gewisse Dinge, die zuletzt aufgetaucht sind, überraschen nicht nur – sie heben so manchen aus dem Sessel.“

Trotz der Zahlung von zwei Millionen Franken an Michel Platini hält Windtner den aktuellen UEFA-Präsidenten nach wie vor für den geeignetsten Blatter-Nachfolger. „Aber es liegt jetzt an ihm, unklare Dinge klarzustellen, um für die Wahl eine klare Sicht zu geben, die sich alle Delegierten wünschen.“ Für künftige Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees wünscht sich Windtner einen sogenannten „Integritätscheck“. „Dabei sollen zum Beispiel mögliche Geschäftsbeziehungen geprüft werden, und zwar nach den Compliance-Regeln, wie man sie aus Europa und Amerika kennt.“