Kein Schuldbewusstsein: „Blattini“ macht weiter

Sport / 29.09.2015 • 23:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Das FIFA-Kasperle-Theater geht weiter. Ex-Vize Warner lebenslang gesperrt, Schweiz liefert Li aus.

Zürich. Der höchst umstrittene FIFA-Boss Joseph S. Blatter will weitermachen. Auch UEFA-Präsident Michel Platini ist sich keiner Schuld bewusst. Blatters Fußball-Imperium zerfällt jeden Tag ein bisschen mehr, der 79-Jährige aber sitzt den ungeheuerlichen Skandal einfach aus. Nach der Rücktrittsverweigerung des Schweizers liegt die Zukunft des höchst bröckelnden Weltverbandes allein in den Händen der Ethikjäger und Justizbehörden – und die arbeiten die Skandal-Schlüsselfiguren langsam ab. So traf es nun Jack Warner: Der frühere FIFA-Vizepräsident wurde lebenslang aus dem Verkehr gezogen.

Klare Stellungnahme

„In seinen Ämtern als Fußballfunktionär war er ein Drahtzieher von Systemen, die die Gewährung, Annahme und den Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen beinhalteten, sowie andere Systeme zur Bereicherung“, begründete die FIFA-Ethikkommission die Sperre für alle fußballrelevanten Tätigkeiten. Warner (72), ehemaliger Chef des Kontinentalverbandes CONCACAF kämpft derzeit in seinem Heimatland gegen eine Auslieferung in die USA, wo ihn ein Prozess erwartet. Sein Name tauchte auch im Strafverfahren gegen Blatter auf.

Vergeblich gekämpft hat Eduardo Li. Der Ex-Präsident des costa-ricanischen Fußballverbandes, der im Mai mit sechs anderen hochrangigen Funktionären auf Antrag der US-Staatsanwaltschaft in Zürich verhaftet worden war, wird von der Schweiz an die Vereinigen Staaten ausgeliefert – als vierter FIFA-Funktionär. Li bleiben 30 Tage, um den Auslieferungsbeschluss anzufechten. Ihm wird vorgeworfen, beim Verkauf von Marketingrechten für die Qualifikationsspiele der WM 2018 an eine US-amerikanische Firma Bestechungsgelder angenommen zu haben.

Verteidigigunsstrategie

Dem FIFA-Boss wird vorgeworfen mit Warner, damals Präsident des karibischen Verbandes KFU und bis 2011 im FIFA-Exekutivkomitee, im Jahr 2005 einen für die FIFA ungünstigen Vertrag abgeschlossen zu haben. Es geht um Beträge in zweistelliger Millionenhöhe – die vermeintlich in Warners Taschen flossen. Trotz des Verdachts gegen Blatter sprach die Ethikkommission aber keine Suspendierung gegen den 79-Jährigen und UEFA-Präsident Michel Platini (60), der sich ebenfalls keiner Schuld bewusst ist, aus. Nun folgen Anhörungen und Verhandlungen, ob und wann Hans-Joachim Eckert, der deutsche Richter in der FIFA-Ethikkommission, Sanktionen verhängt, ist offen. Bis dahin bleibt alles, wie es ist.

Platini bekräftigte, das Geld rechtmäßig als Honorar für eine Tätigkeit „zwischen 1998 und 2002 als Angestellter der FIFA“ erhalten zu haben. Die bei der FIFA erzielten Einkommen „habe ich den zuständigen Behörden vollumfänglich und wie gesetzlich vorgeschrieben deklariert“, schrieb der UEFA-Chef in einem Brief an seine Verbände, die ihn geschlossen bei der noch nicht gecancelten FIFA-Wahl am 26. Februar 2016, die aktuell zur Farce zu werden droht, unterstützen sollen.

Die Verteidigungsstrategie dabei ist die gleiche wie beim FIFA-Präsidenten. „Nichts Illegales oder Unzulässiges“ habe Blatter getan, sagte dieser laut seinem Anwalt den Mitarbeitern in der FIFA-Zentrale. Die Schweizer Behörden hingegen betrachten Platini in der aktuellen Affäre offenbar doch nicht nur als reine Auskunftspersonen. „Wir haben gegen ihn ermittelt, zwischen Zeuge und angeklagter Person“, sagte der oberste Staatsanwalt Michael Lauber. Selbst eine Hausdurchsuchung bei der UEFA sei möglich.