Vorwurf Bilanzfälschung

04.10.2015 • 21:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Die Millionen für UEFA-Chef Michel Platini sind angeblich nicht in den FIFA-Büchern vermerkt.

Zürich. Mit beispielloser Besessenheit riskiert FIFA-Boss Joseph S. Blatter im Kampf um seine Macht sogar Milliardenverluste für den schwer taumelnden Fußball-Weltverband. Die Brüskierung von gleich vier Top-Sponsoren (Coca-Cola, McDonald’s, Visa, Anheuser-Busch) durch seine arrogante Zurückweisung ihrer scharf formulierten Forderungen nach seinem Rücktritt gefährdet nun auch das finanzielle Fundament der FIFA nachhaltig.

So tolldreist ist Blatters Vorgehensweise auch noch unter dem Druck laufender Strafermittlungen, dass sich sogar der deutsche Bundesjustizminister Heiko Maas via Twitter mit ähnlichen Worten wie tags zuvor die FIFA-Sponsoren nochmals einschaltete: „Jeder Tag, an dem Blatter immer noch Präsident der FIFA bleibt, ist ein schlechter Tag für den Fußball.“ Ansonsten jedoch kamen aus Deutschland zunächst höchstens Allgemeinplätze zur Blatter-Problematik. „Wie in der Vergangenheit mehrfach betont, müssen bei der FIFA im Sinne des Fußballs grundlegende Veränderungen durchgeführt werden“, teilte der „ewige“ FIFA-Partner adidas (Herzogenaurach) lediglich mit. Zur heiklen Personalie Blatter indes will sich der Konzern derzeit nicht äußern.

Keine Belege gefunden

Dabei droht Blatter wegen der Millionenzahlung an den ebenfalls angezählten UEFA-Chef Michel Platini laut Schweizer Sonntagszeitung auch noch eine Anklage wegen Bilanzfälschung. Demnach sollen nach Erkenntnissen der FIFA-Ethikkommission die zwei Mill. Schweizer Franken für den Franzosen nicht in den FIFA-Büchern auftauchen. Zudem wären außer dem Vertrag mit Platini und Belegen für bis 2002 gezahlte 1,05 Mill. Schweizer Franken keine Dokumente oder Unterlagen zur Zusammenarbeit mit dem Ex-Superstar zu finden gewesen.

Seine realitätsfremde, gleichwohl weiter erstaunliche Chuzpe kann Blatter jedoch kaum vor dem Sturz bewahren. Denn zu erwarten ist, dass die Unternehmen, die teilweise seit Jahrzehnten Hunderte Millionen Dollar in die FIFA pumpen, sich mitnichten von dem 79-Jährigen vorführen lassen – und deswegen bald die Daumenschrauben weiter anziehen und mit Sperrung ihrer Geldhähne drohen.

Die Lage ist nicht rosig

Die Sprache des Geldes hat Blatter, der offenkundig um jeden Preis bis zur Ende Februar angesetzten Wahl eines Nachfolgers die FIFA-Fäden in der Hand behalten will, jedenfalls immer verstanden. Zumal die Lage nicht rosig ist: Durch ihre tiefe Glaubwürdigkeitskrise hat die FIFA von 14 Paketen ihrer beiden besten Sponsoren-Kategorien erst die Hälfte verkauft.

Außerdem drohen der FIFA, die 2014 in ihrem Vier-Jahres-Bericht über 1,4 Mrd. Euro an Sponsoren-Einnahmen auswies, weitere Quellen zu versiegen. Auf den südkoreanischen Auto-Konzern Hyundai (Kia), pikanterweise im Besitz der Familie von Blatters Nachfolge-Anwärter Chung Mong-Joon, kann Blatter nicht rechnen.

Fußball

Die Statements der FIFA-Sponsoren zur Personalie Joseph S. Blatter

» Coca-Cola: Zum Wohle des Spiels fordert die Firma Coca-Cola FIFA-Präsident Joseph Blatter auf, sofort zurückzutreten, so dass ein glaubwürdiger und anhaltender Reformprozess ernsthaft beginnen kann. Mit jedem Tag, der vergeht, werden das Bild und der Ruf der FIFA weiter befleckt.

» Anheuser-Busch: Nach den jüngsten Entwicklungen ist AB InBev der Überzeugung, dass es für Herrn Blatter angemessen wäre, zurückzutreten, da man der Meinung ist, dass seine anhaltende Präsenz ein Hindernis für den Reformprozess ist.

» VISA: „[…] Und angesichts der Ereignisse der letzten Woche ist es klar, dass es im Interesse der FIFA und des Sports am besten wäre, wenn Sepp Blatter sofort zurücktritt.

» McDonald‘s: „Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben den Ruf der FIFA und das Vertrauen in ihre Führung verschlechtert. Wir glauben, dass es im Interesse des Spiels wäre, wenn FIFA-Präsident Sepp Blatter sofort zurücktreten würde, so dass der Reformprozess mit der Glaubhaftigkeit geführt werden kann, die notwendig ist.

» Adidas: „Wie in der Vergangenheit mehrfach betont, müssen bei der FIFA im Sinne des Fußballs grundlegende Veränderungen durchgeführt werden. Daher muss der eingeleitete Reformprozess transparent und zügig fortgesetzt werden.

» Hyundai/Kia: „Wir bei Kia geben derzeit keinen Kommentar über Sepp Blatter oder unseren aktuellen Status als FIFA-Sponsor ab.