Einblick in eine andere Welt

05.10.2015 • 19:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„run2gether“ ermöglichte den Start in Bregenz: Peter Wangari, Betreuer Dirk Baumann, Richard Kiprono Bett, Rennleiter Sparkasse 3-Länder-Marathon Günter Ernst und Moses Wamaitha (v. l.). Fotos: Hofmeister
„run2gether“ ermöglichte den Start in Bregenz: Peter Wangari, Betreuer Dirk Baumann, Richard Kiprono Bett, Rennleiter Sparkasse 3-Länder-Marathon Günter Ernst und Moses Wamaitha (v. l.). Fotos: Hofmeister

Laufen ist in Kenia ein Überlebenskampf und bietet Perspektive aus der Hoffnungslosigkeit.

Schwarzach. (VN-akp) Der Laufsport boomt in unseren Breitengraden. Während die Bewegung hierzulande eine Funktion der Gesundheitsvorsorge übernimmt, sind die Gründe in Kenia ganz andere. Laufen ist ein Überlebenskampf. Schnelle Zeiten bringen Geld und sichern die Versorgung der Großfamilie. Dirk Baumann aus Reutte in Tirol hat die drei Kenianer Peter Wangari (28), Richard Kiprono Bett (24) und Moses Wamaitha (17) bei ihrer Teilnahme am diesjährigen Sparkasse 3-Länder-Marathon ehrenamtlich betreut. Unter anderem besuchten sie die Volksschule Lochau für ein Training. „Sie sind sehr ehrliche und einfache Menschen. Es gibt keinen Fernseher, sie hören daheim Radio. Wir waren im Lindauer Eisstadion und haben einen Ausflug in den Bregenzerwald gemacht. Sie schwärmen von der großen Auswahl an Essen“, beschreibt Baumann.

Bei den Vegetariern stehen Reis, Kartoffeln oder Gemüse auf dem Speiseplan. „Sie essen große Portionen, weil sie nicht wissen, wann sie wieder so viel bekommen“, meint Baumann. Zu Hause wohnen sie in einfachen Holzhütten ohne fließendes Wasser. Meist wird ein kleines Stück Land betrieben. Wer etwas Geld hat, besitzt eine Kuh. „Die Leute sind sehr arm. Außer dem Laufen haben sie kaum eine Perspektive“, erläutert Baumann. „Es herrscht Arbeitslosigkeit, und Alkoholismus ist weit verbreitet.“

Laufen als Beruf

Hobbyläufer gibt es in Kenia keine. „Laufen ist dort ein Beruf“, erklärt der Betreuer und führt aus: „Manche haben das Glück, in eine Schule zu gehen. Der Weg dorthin wird laufend zurückgelegt. Aber die Kinder müssen früh für ihre Familien sorgen. Wer fünf Schuljahre absolvieren kann, hat Glück.“ Die Kenianer beim Sparkasse-Marathon gehören dem österreichischen Verein „run2gether“ an, den der Burgenländer Thomas Krejci vor fünf Jahren gegründet hat. Er betreibt ein Laufcamp mit 60 Athleten in Kiambogo auf 2400 Metern Höhe, rund 90 Autominuten von Nairobi entfernt. Nur wer bei nationalen Ausscheidungsrennen vorne dabei ist, schafft die Aufnahme. Dort werden die Läufer von einem Trainer betreut und zu den Marathons auf der ganzen Welt ausgeschickt. Zum Camp gehört auch eine kleine Schule.

Im Sommer verbringen die Mitteldistanz- und Bergläufer drei Monate in Kärnten. Auf der Turracher Höhe bietet „run2gether“ auf 2000 Metern Seehöhe Laufcamps für Hobbyläufer an. Jeder der zwanzig kenianischen Männer und fünf Frauen betreut einen Gast. „Sie laufen, essen, kochen und wohnen zusammen. So habe ich Moses kennengelernt. Er ist mir ans Herz gewachsen. Sein Vater ist gestorben, seine Mutter dem Alkohol verfallen. Er kümmert sich schon seit vielen Jahren um seine Großfamilie“, beschreibt Baumann das Leben des 17-Jährigen.

Durch das Höhentrainingslager wird das Camp in Kenia finanziert. Hinzu kommen Sponsorengelder, Mitgliedsbeiträge von „run2gether“ und Preisgelder. Ein Selbshilfeprojekt mit Laufen als Lebenschance.

Die kenianischen Läufer bei einem Besuch in der Volksschule Lochau.
Die kenianischen Läufer bei einem Besuch in der Volksschule Lochau.
Vor dem Laufen stand Aufwärmen auf dem Programm.
Vor dem Laufen stand Aufwärmen auf dem Programm.
Das gemeinsame Lauftraining machte allen viel Spaß.
Das gemeinsame Lauftraining machte allen viel Spaß.
Die Begegnung mit den Schülern war sehr herzlich.
Die Begegnung mit den Schülern war sehr herzlich.
Richard Bett (sitzend) erreichte den zweiten Rang in Bregenz. Foto: akp
Richard Bett (sitzend) erreichte den zweiten Rang in Bregenz. Foto: akp

Infos zum Projekt und Höhentraining für Läufer auf der Turracher Höhe unter www.run2gether.com