Das Ende! Blatter und auch Platini provisorisch gesperrt

08.10.2015 • 20:35 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Aus und vorbei für „Blattini“. FIFA-Chef Joseph S. Blatter (r.) nimmt seinen „Ziehsohn“ und UEFA-Boss Michel Platini mit in den Abgrund Foto: ap
Aus und vorbei für „Blattini“. FIFA-Chef Joseph S. Blatter (r.) nimmt seinen „Ziehsohn“ und UEFA-Boss Michel Platini mit in den Abgrund Foto: ap

Mit einem Schlag hat die Ethikkommission der FIFA die Präsidenten der beiden führenden Verbände vorläufig entmachtet.

Zürich. Es ist vorbei! Joseph S. Blatter ist am Ende, die von Korruption durchzogene FIFA-Festung ist gefallen: Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbands hat den FIFA-Präsidenten ebenso wie UEFA-Boss Michel Platini für 90 Tage provisorisch gesperrt. Die UEFA wollte es jedoch nicht wahrhaben, ging auf Konfrontationskurs und überließ dem Franzosen die Amtsgeschäfte.

„Die Ethikkommission sperrt mehrere Fußball-Offizielle“ stand über der knappen E-Mail, die um 12.23 Uhr die Fußball-Welt aus den Angeln hob. Bereits am Mittwochabend waren entsprechende erste Gerüchte aufgekommen. Blatter (79) soll sogar über den Strafantrag, dem der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert dann zustimmte, informiert gewesen sein. Dennoch erschien der Schweizer, gegen den seit dem 24. September in der Schweiz ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Untreue und ungetreuen Geschäftsbesorgung läuft, dem Vernehmen nach frühmorgens im Büro. Dort muss er nun seine Sachen packen.

Platini gibt sich kämpferisch

Blatter und Platini (60), Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA), dürfen während der Suspendierung, die um 45 Tage verlängert werden kann, keinerlei Aktivitäten im Fußball ausüben. „Präsident Blatter war enttäuscht, dass die Ethikkommission nicht dem Ethik- und Disziplinarcode gefolgt ist, welche die Möglichkeit einer Anhörung beinhalten“, teilten dessen Anwälte Lorenz Erni und Richard Cullen mit. Der 79-Jährige Blatter sei zuversichtlich, „Beweise“ präsentieren zu können, die „demonstrieren, dass er in keinerlei Fehlverhalten und Verbrechen involviert“ sei. Im Ethikcode (Artikel 84.2) steht allerdings ausdrücklich, das eine erste Entscheidung auch ohne Anhörung der Parteien fallen kann.

Platini will Einspruch einlegen und kann sich dabei auf die „volle Unterstützung“ seines Verbandes verlassen. Die UEFA erklärte, sie wolle Platini weiterhin die Amtsgeschäfte überlassen. Sie sehe „zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit“ einer Übergabe an den potenziellen Interimspräsidenten Angel Maria Villar Llona. Platini selbst zeigte sich in einer Mitteilung extrem kämpferisch. „Nichts wird mich dazu bringen, aufzugeben“, erklärte er. Die Entscheidung gegen ihn bezeichnete er als eine „Posse“, die Vorwürfe seien „erstaunlich vage“ und basierten „auf bloßen Vermutungen“. Und so erklärte er: „Ich möchte, dass alle wissen: Mehr als ein Gefühl der Ungerechtigkeit oder der Wunsch nach Rache treibt mich das Gefühl von Trotz an.“

Auch der bereits von der FIFA suspendierte Generalsekretär Jérôme Valcke (55) wurde für 90 Tage aus dem Verkehr gezogen. Für einen Einspruch bleiben allen Beschuldigten zwei Tage Zeit. Südkoreas ehemaliger FIFA-Vize-Präsident Chung Mong-Joon (63), für sechs Jahre gesperrt, kündigte an, „alle legalen juristischen Mittel“ einzuleiten und verglich die FIFA mit der „sinkenden Titanic“. Blatters Amtsgeschäfte übernimmt nun FIFA-Vize Issa Hayatou interimsweise, Platinis Aufgaben müsste gemäß den Statuten der Spanier Ángel María Villar übernehmen; beide haben allerdings auch keine weiße Weste.

Dubiose Zahlungen als Grund

Der FIFA drohen nun die schwersten Tage in ihrer 111-jährigen, zuletzt von zahlreichen Skandalen durchzogenen Geschichte. Am 26. Februar 2016 sollte bislang der Blatter-Nachfolger gewählt werden, am 26. Oktober läuft dafür die Bewerbungsfrist aus. Platini und Chung wollten auf den FIFA-Thron, das können sie nun vergessen.

„Heute morgen“, gab Platini bizarrerweise unmittelbar vor der Sperre bekannt, „habe ich die Briefe mit der Unterstützung, die ich für meine Kandidatur als FIFA-Präsident benötige, abgeschickt.“ Mit den UEFA-Mitgliedsverbänden habe er besprochen, weiter die Geschäfte des Kontinentalverbandes zu führen.

Den genauen Grund für die Kaltstellung von „Blattini“ nannte die Ethikkommission nicht, sie durfte wegen der antiquierten Statuten schlichtweg nicht. Es dürfte um die dubiose Millionen-Zahlung von Blatter an Platini gehen, die auch im Schweizer Strafverfahren eine Schlüsselrolle spielt. Der UEFA-Boss hat 2011 rund 1,83 Mill. Euro erhalten – für Dienste, die Platini von 1998 bis 2002 für Blatter geleistet hat. Alles sauber, sagten die Beschuldigten. Schmiergeld, die Ankläger.

Die Entscheiddung wurde getroffen, um einen lebenslangen Anhänger dieses Spiels zu beflecken.

Michel Platini