Konzentration auf das Wesentliche

Sport / 08.10.2015 • 22:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Unter Teamchef Marcel Koller ist Ramazan Özcan (Bild) zu einer fixen Größe im österreichischen Nationalteam gereift. Foto: apa
Unter Teamchef Marcel Koller ist Ramazan Özcan (Bild) zu einer fixen Größe im österreichischen Nationalteam gereift. Foto: apa

Ramazan Özcan flog gestern mit dem ÖFB-Team zum Quali-Spiel gegen Montenegro.

Wien-Podgorica. Sieben Spiele in der laufenden Saison der deutschen Bundesliga, davon fünf Mal ohne Gegentreffer geblieben und aktuell mit dem FC Ingolstadt auf Platz sechs in der Tabelle. „Eine Momentaufnahme“, sagt Ramazan Özcan mit einem durchaus warnenden Unterton. „Natürlich freue ich mich, aber es ist höchste Vorsicht geboten. Die Qualität in der Bundesliga ist brutal. Wir tun gut daran, die Kirche im Dorf zu lassen.“ Wichtig sei es, nach 34 Spieltagen die Nase über der Linie zu haben.

Für den inzwischen 31-jährigen Götzner sind diese Worte Inhalt seiner sportlichen Lebenseinstellung, die bei ihm auch für das Nationalteam gilt. Der Torhüter bleibt bescheiden und sagt: „Ich bin gerne da, zeige mich, biete mich an und bin da, wenn ich gebraucht werde.“ Keine Spur von Egoismus, vielmehr Teamgeist pur. Genau dies zeichnet das Team, nicht nur für Özcan, aus. Auch die Tatsache, dass Teamchef Marcel Koller und Tormanntrainer Klaus Lindenberger ihm zu Saisonbeginn, als in Ingolstadt noch die Torhüter-Rochade aktuell war, den Rücken stärkten. „Klar, das tut gut. Aber ich versuche sowieso, mich auf meine Leistung zu konzentrieren.“

Die Qualität ist enorm

Im Team herrsche auch angesichts der geschafften Qualifikation eine hohe Konzentration. Das Ziel sei es, das Länderspieljahr ungeschlagen zu überstehen und Punkte einzufahren. „Was wir bislang geschafft haben ist sensationell“, weiß Özcan. Jetzt gelte es, die gezeigten Leistungen zu bestätigen.

Dies gelte natürlich für die Situation seines Klubs. Vergleichsmöglichkeiten hat er zur Genüge, ist es doch seine zweite Bundesliga-Saison. Sieben Jahre ist es nun schon her, seit er mit Hoffenheim den Aufstieg schaffte und acht Partien in der obersten deutschen Liga absolvierte. Der Unterschied zu damals? „Die Qualität hat sich enorm gesteigert. Aber auch der mediale Druck ist heute riesengroß. Dazu kommt, dass die athletischen Voraussetzungen bei jedem Spieler besser sind.“ Also fühlt auch er sich fitter als 2008? „Ja, ich denke schon, dass ich noch einmal einen Riesenschritt nach vorne gemacht habe“, erklärt Özcan. Zugleich betont er, dass Fußball heute eine enorme Kopfsache geworden ist. Auch diesbezüglich hat der Vorarlberger an sich gearbeitet. „Ich wollte vermeiden, mir den Vorwurf machen zu müssen, nicht alles dafür getan zu haben.“

Speziell an sich gearbeitet

Dazu gehört laut Özcan auch die Fähigkeit, sich ganz auf sich konzentrieren zu können. „Du musst es schaffen, alles auszublenden, egal ob 50.000 gegen dich pfeifen, oder der Schiedsrichter eine gewisse Tendenz erkennen lässt.“ Vor der Saison hat er sich diesbezüglich Tipps geholt und speziell in diese Richtung gearbeitet. So war er, kurz vor dem Abflug mit der Mannschaft, auch schon voll fokussiert auf die Ziele im Spiel gegen Montenegro. „Wir wollen in Topf zwei bei der Gruppenauslosung für die EM-Endrunde. Deshalb brauchen wir zwei Punkte.

Es ist ein schmaler Grat, wichtig ist, dass wir nach dem 34. Spieltag die Nase über der Linie haben.

Ramazan Özcan