Vettel will seinen Chef laufen lassen

08.10.2015 • 19:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hoffen in Sotschi auf den nächsten Höhenflug: Sebastian Vettel und Ferrari-Chef Maurizio Arrivabene. Foto: reuters
Hoffen in Sotschi auf den nächsten Höhenflug: Sebastian Vettel und Ferrari-Chef Maurizio Arrivabene. Foto: reuters

Mercedes möchte in Sotschi den Triumph in der Team-WM perfekt machen.

Sotschi. Nach einem Schuss Extra-Motivation muss Sebastian Vettel vor dem Großen Preis von Russland nicht lange suchen. Mit seinem vierten Saisonsieg könnte er den Mercedes-Silberpfeilen den vorzeitigen Triumph in der Team-WM verbauen, an Nico Rosberg im Klassement sogar vorbeiziehen – und seinen Ferrari-Chef würde er damit ganz nebenbei an eine launige Wette erinnern.

„Zwei Rennen zu gewinnen wäre schön“, hatte Maurizio Arrivabene vor der Saison verkündet, „drei wären perfekt, und bei vier Siegen laufe ich ohne Schuhe 100 km rauf nach Maranello.“ Zuletzt korrigierte der Italiener vorsichtshalber auf fünf Siege – der Rest dürfte Verhandlungssache sein. In der Zwickmühle steckt Arrivabene, weil eine derart rasante Entwicklung der Scuderia mit Vettel vor der Saison auch Optimisten nicht erwartet hatten. Die Marke, die vor acht Monaten noch für einen Witz herhielt, könnte nun am Sonntag (13 Uhr) im 15. Saisonrennen geknackt werden – und das ist gar nicht unrealistisch. Der Streckencharakter und die aktuelle Form sprechen durchaus für Vettel.

Wiederholung wäre fantastisch

Als Favoriten gehen dennoch Lewis Hamilton und Nico Rosberg auf den Kurs im Olympiapark von 2014. Holen die Silberpfeile drei Punkte mehr als Ferrari, dann steht der nächste Sieg in der Konstrukteurs-WM vier Rennen vor Schluss fest – am selben Ort und genau einen Tag früher als im Vorjahr. „Eine Wiederholung dieser Leistung wäre fantastisch“, sagt Mercedes-Sportchef Toto Wolff mit Blick auf den Doppelsieg von 2014. In der Teamwertung stellt sich angesichts des Mercedes-Vorsprungs zwar nur noch die Frage nach dem Wann, und dennoch wird diese zusätzliche Spannung derzeit gerne mitgenommen.

Denn in der Fahrer-WM war sie zuletzt verlorengegangen, 48 Punkte beträgt Hamiltons Vorsprung auf Rosberg. Gewänne der Deutsche alle verbleibenden Rennen, würden seinem Rivalen dennoch fünf zweite Plätze zur Titelverteidigung genügen. „Ich sehe den Abstand, ich sehe, dass nicht mehr viel Zeit bleibt“, sagte Rosberg: „Ich muss einfach die Rennen gewinnen und dann sehen, wie es läuft“ – und hoffen, dass aus einem Doppelsieg nichts wird. „Es gibt ja noch die Ferrari, es wäre wichtig für mich, wenn sie zwischen uns landen.“ Rosberg selbst glaubt weiter laut an die Möglichkeit, seinen ersten WM-Titel doch noch zu gewinnen, was soll er auch anderes tun. Eine deutlich komfortablere Situation genießt derzeit Vettel. Er hat die Erwartungen bislang mehr als erfüllt, er muss nicht mehr, er kann aber noch. Gerade am Schwarzen Meer spricht einiges dafür, dass die nächste Überraschung gegen Mercedes gelingt.

Erinnerung an Singapur

Ausrüster Pirelli stellt wieder die weichsten Reifen zur Verfügung, und das Layout der Strecke mit den langsamen, teilweise sogar eckigen Kurven erinnert an Singapur – den Ort von Vettels letztem Triumph. „Dort haben wir große Probleme gehabt“, sagt auch Rosberg, „es wird also nicht einfach.“