Suspendierter Platini sagt Termine ab

09.10.2015 • 19:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Die Fußball-Welt reagiert durch das entstandene Macht­vakuum mit Verun­sicherung.

Zürich. „Blattinis“ kindlicher Trotz: Joseph S. Blatter und Michel Platini klammern sich verzweifelt an den allerletzten, aber sehr brüchigen Strohhalm ihrer Macht. Trotz weltweiter Rücktrittsforderungen kündigten die gefallenen Präsidenten des Weltverbands FIFA sowie der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ihren Einspruch gegen die 90-Tage-Sperre durch die Ethikkommission an. Es ist ein formelles Manöver – kaum Aussicht auf Erfolg. „Mehr als vom Gefühl der Ungerechtigkeit oder einem Wunsch nach Rache bin ich angetrieben von einem tiefen Gefühl stillen Trotzes“, sagte Platini (60), der wie Blatter (79) seine Aufgaben niederlegen musste.

UEFA-Sitzung am 15. Oktober

Die Verbandszentralen in Zürich (FIFA) und Nyon (UEFA) sind Sperrgebiet, auch wenn der Europa-Verband die Notwendigkeit dafür, den „ranghöchsten verfügbaren“ Vize für die Übernahme von Platinis Amtsgeschäften zu berufen, bislang verneint. Wenn bei der Dringlichkeitssitzung des UEFA-Exekutivkomitees mit DFB-Boss Wolfgang Niersbach (64) am 15. Oktober über eine Zukunft nach dem Beben, nach Platini beraten wird, darf der Franzose nicht mit am Tisch sitzen.

„Bis dahin soll er Gelegenheit bekommen, Dinge ins Feld zu führen, die ihn entlasten“, sagte Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die Fälle von Blatter und Platini seien „differenziert zu sehen, weil Blatter von den Schweizer Behörden angeklagt wurde und Platini weiter als Auskunftsperson gilt“.

Blatter gab sich schweigsam

Blatter ließ wie in den vergangenen Tagen seinen Anwalt sprechen: Richard Cullen (USA) bestätigte den am Donnerstag eingereichten Einspruch. Über den muss nun die FIFA-Berufungskommission unter dem Vorsitzenden Larry Mussenden befinden – die Einsprüche haben aber keinerlei aufschiebende Wirkung. Es bleibt dabei: Die mächtigsten Fußballverbände haben ihre Köpfe verloren.

Die Lage im Weltfußball, das entstandene Machtvakuum belastet und bleibt undurchsichtig. Kleinigkeiten werfen neue Fragen auf. Nachdem Blatters Anwälte unmittelbar nach dem Urteil der Ethikkommission vorgeworfen hatten, den Schweizer nicht vernommen und damit gegen die Statuten verstoßen zu haben, bestätigte die Kommission: Sowohl Blatter als auch Platini wurden bereits am 1. Oktober vernommen! Der UEFA-Boss sogar mehrere Stunden lang.

„Ich weise alle Anschuldigungen gegen meine Person, die erstaunlich vage sind, zurück“, sagte Platini: „Tatsächlich steht im Wortlaut der Anschuldigungen nur, dass ‚scheinbar‘ ein Verstoß gegen den FIFA-Ethikcode vorliegt, und dass eine Entscheidung hinsichtlich der Kernfragen der Angelegenheit nicht sofort erfolgen kann.“

Beide sind zusammen ins Visier der internen Ermittler geraten, weil im Schweizer Strafverfahren gegen Blatter eine dubiose Millionen-Zahlung an Platini aufgetaucht war. Die Ethiker vermuten nun Schmiergeld. Platini aber riecht ein politisches Manöver, um seine davor so gut wie gescheiterte Kandidatur für die Präsidenten-Wahl des Weltverbands noch zu verhindern.

„Trotz der absurden Beschaffenheit dieser Ereignisse, weigere ich mich, daran zu glauben, dass es sich um eine politische Entscheidung handelt, die eilig getroffen wurde, um einen lebenslangen Verehrer des Fußballs in ein schlechtes Licht zu rücken oder meine Kandidatur für die FIFA-Präsidentschaft zu zerschmettern“, sagte er. Tatsächlich bleibt die Frage:

Wer soll Blatter bei der FIFA beerben? Interimspräsident Issa Hayatou (69) ist dem Vernehmen nach gesundheitlich sehr angeschlagen, der Südkoreaner Chung Mong Joon, der für sechs Jahre gesperrt wurde. Der 63-Jährige hat wie „Blattini“ Berufung eingelegt. Prinz Ali bin Al Hussein (39/Jordanien) will nochmal antreten und schließlich bleibt noch Niersbach, der sich bislang aber vornehm zurückhält.