„Blattini“ kämpft um Comeback

Sport / 11.10.2015 • 20:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Einspruch von Blatter und Platini könnte für Verschiebung der FIFA-Wahlen sorgen.

Köln. Die Sperren für FIFA-Boss Joseph Blatter und UEFA-Chef Michel Platini halten die Fußball-Welt in Atem. Blatter demonstriert Machtwillen, Platini kämpft um seine Zukunft, und der Rest der Fußball-Welt sucht händeringend nach Auswegen aus der Krise: Im beispiellosen Machtvakuum nach der Kaltstellung von FIFA-Boss Blatter (Schweiz) und UEFA-Chef Platini (Frankreich) sind Taktik, Tricks und Täuschungen Trumpf. Dass Blatter nicht freiwillig auf die Rückkehr in sein Präsidentenbüro verzichten wird, war schon durch den umgehend eingelegten Einspruch des 79-Jährigen gegen die 90-tägige Suspendierung klar. Am Samstag reichte auch Platini im Kampf um seine Kandidatur für den FIFA-Chefsessel seinen angekündigten Protest bei der Berufungskommission des Weltverbandes ein.

Verschiebung der FIFA-Wahl

Am Wochenende geriet eine Verschiebung der FIFA-Wahl durch die eiligst einberufene Exekutive am 20. Oktober in den Fokus. Das Szenario wollte Präsident Wolfgang Niersbach vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) auch schon nicht mehr kategorisch ausschließen: „Wenn man wirklich an den Punkt käme, im Konjunktiv gesprochen, wir müssten eventuell noch einmal verschieben, dann kann das auf keinen Fall ein langes Hinausschieben sein, weil einfach Druck auf dem Kessel ist. Wir wissen von Behörden, dass die auch etwas erwarten.“

Das Manöver würde außer Blatter, der einen weiteren Aufschub für seinen Abschied von der großen Bühne bekommen könnte, besonders Platini nutzen. Der 60-Jährige hätte – seine Rehabilitierung ebenfalls vorausgesetzt – mehr Zeit für seinen geplanten Wahlkampf. Platinis Gefolgsleute wollen den einstigen Weltstar am liebsten an der FIFA-Spitze sehen. „Die Suspendierung ist unpassend und unangemessen. Die Unschuldsvermutung muss in Betracht gezogen werden. Herr Platini ist für kein Vergehen schuldig gesprochen worden, sodass seine Suspendierung die Integrität des Prozesses für die Wahl eines neuen FIFA-Präsidenten infrage stellt“, erklärte der CONMEBOL. Die FFF will trotz weiter mangelnder Erklärungen für die Millionen-Zahlung der FIFA an Platini angeblich versuchen, Platinis Suspendierung beim CAS als inhaltlich unbegründet und grundsätzlich schädigend für seinen eigenen Ruf anzufechten. Der Hintergedanke des gewagten Schachzuges: Im Eilverfahren könnte beim CAS eher eine Entscheidung fallen als im Berufungsverfahren bei der FIFA. Im Erfolgsfall würde Platini bei den Not-Konferenzen der UEFA-Exekutive am 15. Oktober und des FIFA-Vorstands wieder mit am Tisch sitzen.

Im Internet entmachtet

Der Schweizer musste nach seiner „Götterdämmerung“ auch im Internet von Insignien seiner Macht lassen. Bei seinem „twitter“-Account ist der bisherige Zusatz mit der englischsprachigen Nennung seiner Funktion („President of FIFA, world football´s governing body“) schon gestrichen. „Seine“ FIFA stellte außerdem im Menübereich „Der Präsident“ ein Porträt von Isaa Hayatou (Kamerun) mit der Überschrift „FIFA Interimspräsident“ ein – und den Text über Blatter offline.Derlei Details perlen jedoch an Blatter ab. „Mich kann man zerstören, mein Werk nicht“, sagte er.

Mich kann man zerstören. Mein Lebenswerk kann man aber nicht zerstören.

Joseph Blatter