Nach Sieg in Sotschi ist Hamilton dem Titel nahe

11.10.2015 • 20:39 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Solo für Lewis Hamilton. Der Brite steuerte im Olympia-Park von Sotschi einem ungefährdeten Sieg entgegen.  Foto: ap
Solo für Lewis Hamilton. Der Brite steuerte im Olympia-Park von Sotschi einem ungefährdeten Sieg entgegen. Foto: ap

Bei Rosberg brach das Gaspedal. Vettel beim Russland-Grand-Prix und in der WM Zweiter.

Sotschi. Lewis Hamilton empfing Wangenküsse von Wladimir Putin, setzte eine Kosakenmütze auf und warf den russischen Siegerpokal wieder und wieder in die Höhe – der Titelverteidiger feierte, scherzte und sprach nach seinem Sieg in Sotschi und dem bitteren Aus von Pechvogel Nico Rosberg bereits wie der erneute Weltmeister. Er wusste, dass es die Vorentscheidung war.„Die letzten Runden habe ich einfach nur genossen, alles aufgesaugt“, sagte der Engländer: „Wer weiß, wie oft ich in meiner Karriere noch in dieser Situation sein werde.“ Es war der 42. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere, damit liegt er nun gemeinsam mit Vettel auf Rang drei hinter Michael Schumacher (91) und Alain Prost (51).

Pech mit der Technik

Nur ein defektes Gaspedal bei Rosberg hatte allerdings dafür gesorgt, dass Hamilton schon in zwei Wochen in Austin ein Sieg zum Triumph reichen könnte. Der Deutsche hatte noch einmal beherzt angegriffen, doch der Technikteufel raubte Rosberg auch die letzte echte Chance auf seinen ersten Titel. „Unglaublich, dass so etwas in dem Moment kommen muss“, sagte der Vize-Champion bei RTL: „In meiner ganzen Formel-1-Karriere ist sowas noch nie passiert.“

Dennoch reichte es zum Sieg in der Konstrukteurs-WM. Der Vize-Champion schwänzte die Mercedes-Party: „Das braucht noch etwas, bis die Freude darüber bei mir kommt“, sagte er betrübt. Rosberg verlor seinen Status als erster „Verfolger“ Hamiltons, diese Rolle hat nun Ferrari-Pilot Sebastian Vettel inne. Der Deutsche landete auf Rang zwei und hat 66 Zähler Rückstand. Gewinnt Hamilton am 25. Oktober in Austin und kommt Vettel nicht über Rang drei hinaus, dann ist der WM-Titel vergeben. Darüber dachte Vettel indes kaum nach. Er war wie aufgedreht, posierte mit Hamilton für ein Selfie und verriet den anwesenden Hostessen dessen Hotelzimmer-Nummer. „Es war ein Klassetag, das Auto wurde am Ende immer besser, ich habe mich einfach pudelwohl gefühlt“, sagte Vettel grinsend.

Während der launigen Pressekonferenz der ersten Drei, der Force-India-Pilot Sergio Perez komplettierte das Podest, war Rosberg derweil längst bereit für die Heimreise. Die streikende Technik bedeutete für ihn schier unfassbares Pech, nach einem hervorragenden Auftakt war das Rennen für ihn schon nach sieben Runden beendet gewesen. „Das Pedal war kaputt, es wurde echt gefährlich“, sagte der 30-Jährige: „Ich musste das Bein komplett anziehen, um überhaupt vom Gas zu kommen.“ Mit Nico Hülkenberg fiel ein weiterer deutscher Pilot aus, er musste nach einem Fahrfehler aufgeben.

Strafe für Raikkönen

Ganz vorne im Feld hatte sich die Spannung zum Start immer mehr gesteigert, Rosberg musste seine Führung ja verteidigen und brauchte gegen Hamilton zudem Unterstützung von der Konkurrenz. Und als die Ampeln ausgingen, sah es zunächst sehr gut aus. Rosberg legte einen hochkonzentrierten Auftakt hin und verteidigte seine Führung vor dem Rivalen bissig. Auch danach machte der Deutsche alles richtig, doch wenig später sendete er die Hiobsbotschaft in die Box. Das Pedal blockierte. Auf der Strecke hatte Hamilton nun alle Trümpfe in der Hand, sein Sieg geriet trotz zweier Safety-Car-Phasen nie in Gefahr. Die letzte Pointe setzte Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen. Mit einem missglückten Manöver verdarb Valtteri Bottas Rang drei und wurde dafür nachträglich von Platz fünf auf acht zurückversetzt.

Die letzten Runden habe ich einfach nur genossen.

Lewis Hamilton
Niki Hülkenberg (hinten) und Marcus Ericsson kamen sich gleich nach dem Start in die Quere.  Foto: ap
Niki Hülkenberg (hinten) und Marcus Ericsson kamen sich gleich nach dem Start in die Quere. Foto: ap
Für Romain Grosjean war nach einem heftigen Ausritt früh Endstation. Foto: ap
Für Romain Grosjean war nach einem heftigen Ausritt früh Endstation. Foto: ap