Am Abschlag alle Asse geschlagen

Sport / 14.10.2015 • 22:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach einer starken Saison hat Bernd Wiesberger die Europa-Tourkarteund einen Platz bei den Sommerspielen in Rio fix. Foto: gepa
Nach einer starken Saison hat Bernd Wiesberger die Europa-Tourkarte

und einen Platz bei den Sommerspielen in Rio fix. Foto: gepa

Bernd Wiesberger schaffte in Akron die längste Weite auf der US-PGA-Tour.

Wien. Mit einem „Geburtstagsgeschenk“ kommt Bernd Wiesberger zum Portugal Masters. Nach dem dieswöchigen Turnier an der Algarve folgt das hoch dotierte Saisonfinale der European Tour, unmittelbar davor ereilte den 30-jährigen Golfprofi eine bemerkenswerte Nachricht. Mit seinen 389,5 Metern beim Bridgestone Invitational in Ohio war Wiesberger der Spieler mit dem längsten Abschlag auf der US-PGA-Tour 2015.

Im besten Golf-Alter

Mit diesem 426-Yard-Kracher war der Longhitter aus dem Burgenland nicht nur die Nummer eins der Drive-Wertung auf der größten Profigolf-Tour der Welt. Er übertraf vergangenen August im Firestone CC auf der 16 der Schlussrunde auch den ebendort aufgestellten 2014er-„PGA-Weitschuss-Rekord“ von Bubba Watson um zwei Yards. Wiesberger hat damit eine weitere Duftspur auf der PGA-Tour hinterlassen, auf der er heuer so viele Auftritte wie noch kein Österreicher vor ihm absolviert hat. „Ich bin sieben, acht Mal über den Teich, es war ein Jahr der Extreme.“

Dass Wiesberger die volle Mitgliedschaft auf der PGA-Tour schafft und damit längere Zeit in Amerika verbringt, ist wohl nur eine Frage der Zeit. Tatsache ist, dass der auf Platz 27 der Weltrangliste vorgestoßene Oberwarter auch in seinem vierten Lebensjahrzehnt sehr große Ziele hat. Zudem kommt er ins offenbar beste Golf-Alter.„Statistisch gesehen sind die besten Jahre zwischen 30 und 40“, sagte Wiesberger unmittelbar nach seinem 30. Geburtstag (8. Oktober) beim „Final 5“ seines Sponsors Red Bull im heimatlichen Reiters GC von Bad Tatzmannsdorf. „Es verschiebt sich aber gerade in beide Richtungen. Wir haben die jüngste Nummer eins der Weltrangliste seit Tiger (Woods) und gleichzeitig Leute, die mit späten 40, Anfang 50 noch vorne mitspielen“, so Wiesberger.

Er steht im bisher besten Jahr seiner Karriere, Verbesserungspotenzial ist aber immer noch da. „Beim langen Spiel war ich einer der Besten“, weiß er. „Beim Spiel unter 100 Metern und rund ums Grün muss ich weiter arbeiten.“ Da ist einiges schon für die Zukunft in Bewegung gesetzt worden. So kann er nun etwa auf einem künstlichen Grün wetterunabhängig das Kurzspiel üben.

Keine Qualifikationssorgen

Schon jetzt kann Wiesberger 2016 – da steht auch Olympia in Rio auf dem Programm – deutlich besser planen als dieses Jahr, weil er praktisch alle derzeit möglichen Qualifikationskriterien erfüllt hat. Er wird deshalb im kommenden Jahr seine Turnierblöcke rund um die WGCs und Majors bilden.

Schlägt er sich zudem bei den kommenden vier und insgesamt über 30 Mill. Euro schweren ET-Finalturniere in der Türkei, in China (2) und dem großen Showdown im November in Dubai gut, sind nochmals Ranglisten-Verbesserungen und eine Jahresplanung mit noch weniger Reisestress möglich. US-Tourkarte hat er zwar (noch) keine, in Europa ist er aber allein dank seines Paris-Sieges bis 2018 fix dabei.

Mit Platz vier bei der „Dunhill Links“ hat Wiesberger zuletzt auch in der Ryder-Cup-Wertung gut angeschrieben. Als erster Österreicher an diesem legendären Team-Vergleich Europas mit den USA schon 2016 in Hazeltine (Minnesota) teilzunehmen, ist ein weiteres großes Ziel.

Für den Multi-Millionär sind Trophäen immer noch wichtiger als Preisgeld: „Geld entscheidet vorrangig über meine Platzierung im Race to Dubai.“ Und da liegt der Oberwarter mit 1,815 Mill. Euro Jahrespreisgeld auf Platz sieben. Mit einer guten Finalserie sind die Top-5 in der Jahreswertung möglich, dies ist auch Wiesbergers erklärtes Ziel. „Es wäre ein starkes Ende für 2015.“

Golf

Längste Abschläge auf der PGA-Tour

1. Bernd Wiesberger 426 Yard/389,5 Meter

2. Marc Leishman 410/375,0

3. Geoff Ogilvy 409/374,0

Jason Day 409/374,0

5. Dustin Johnson 406/371,0

6. Brendon Todd 404/369,0

7. Sergio Garcia 403/368,5

8. Camilo Villegas 402/367,5

8. Jason Day 402/ 367,5

8. Bubba Watson 402/ 367,5