Es geht um die Zukunft von Platini

14.10.2015 • 18:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

UEFA-Exekutive diskutiert in Abwesenheit des Franzosen über die Vorwürfe gegen ihn.

Nyon. Wenn die Exekutiv-Mitglieder des Europäischen Fußballverbandes UEFA heute in Nyon zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen, steht diese ganz im Zeichen des jüngsten Bebens im Weltfußball. Aufklärungsbedarf gibt es auch hinsichtlich UEFA-Präsident Michel Platini, der von der Ethikkommission der FIFA für 90 Tage gesperrt wurde. Selbst DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, ein langjähriger Freund des Franzosen, fordert „Antworten auf die offenen Fragen“. Platini hatte für Dienste zwischen Jänner 1999 und Juni 2002 erst knapp neun Jahre später von Blatter zwei Millionen Schweizer Franken erhalten. Diese Vereinbarung soll nach Medienberichten auf eine mündliche Absprache und kein schriftliches Dokument zurückgehen.

Zumindest Zweifel an der sportpolitischen Zukunft von Platini sind somit angebracht, auch wenn alle vor der Sitzung auf die Unschuldsvermutung verwiesen. Die jüngsten Vorwürfe gegen den UEFA-Chef im FIFA-Korruptionsskandal haben dem Franzosen aber einen schweren Rucksack auferlegt, der „einen möglicherweise in die Knie zwingen kann“ (Niersbach). In Nyon soll nun vor allem ausgelotet werden, wie die europäischen Fußballverbände die Sachlage beurteilen. Erste Stimmen wurden bereits laut. Gut möglich also, dass die Exekutive von ihrem aktuellen Chef als Kandidaten für die Nachfolge des ebenfalls suspendierten FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter abrückt. Immerhin hat das dänische Exekutiv-Mitglied Allan Hansen bereits offen mit einem Vertrauensentzug gedroht.

Kritik von Johansson

Auch der inzwischen 85-jährige Lennart Johansson, über viele Jahre Präsident der UEFA, hat sich zu Wort gemeldet. Der Schwede setzt sich für den Deutschen Niersbach als neuen Boss der Europäischen Fußball-Union und Nachfolger von Michel Platini ein. Dem Franzosen, der ihn 2007 als UEFA-Präsidenten ablöste, wirft Johansson Bestechlichkeit vor. „Es muss so sein“, antwortete Johansson bei insideworldfootball.com auf die Frage, ob die zwei Millionen als Bestechungsgelder angesehen werden müssen: „Das ist exakt das, worauf es hindeutet. Warum sollte er zu diesem Zeitpunkt Geld erhalten haben, ohne dem UEFA-Exekutivkomitee darüber zu berichten?“

Platini hatte das Geld im Jahr 2011 erhalten, kurz bevor er auf eine Kampfkandidatur gegen Blatter um den FIFA-Chefposten verzichtete. Johansson erklärte, dass er weder als Exekutivmitglied bei der FIFA noch bei der UEFA von den Zahlungen an Platini gehört habe. Laut dem UEFA-Ehrenpräsidenten hätten weder Blatter noch Platini den Gremien davon berichtet.

Nach Ansicht von Johansson sollte Blatter aber noch nicht abgeschrieben werden: „Es ist eine Tragödie, wie der wichtigste Sport der Welt gerade geführt wird. Aber Sepp Blatter ist clever. Er wird alles versuchen, dass sein Nachfolger ein Mann seiner Wünsche ist. Dafür setzt er auch seine Unterstützer, die er vor allem in Afrika und Asien noch immer hat.“ Vielleicht auch deshalb hat mit Prinz Ali bin al-Hussein ein Nachfolgekandidat vor einer Verschiebung der Präsidentschaftswahl (26. Februar 2016) gewarnt.

Erneut eine Suspendierung

Durchgegriffen hat erneut die Ethikkommission des Weltverbandes. So wurde Lindile Kika für sechs Jahre suspendiert. Der ehemalige Funktionär des südafrikanischen Verbandes wurde in Zusammenhang mit Freundschaftsspielen vor der WM 2010 in Südafrika sanktioniert.

Vorsicht vor Sepp Blatter, er ist ein cleverer Mann.

Lennart Johansson