Alle für Platini – Europa fordert schnelle Urteile

Sport / 15.10.2015 • 21:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die UEFA stellt sich voll hinter ihren gefallenen Präsidenten, der braucht für seine FIFA-Pläne aber mehr Zeit.

Nyon. In der tiefsten Krise der Fußball-Geschichte stellt sich Europa blind hinter den gefallenen UEFA-Boss Michel Platini. Die 54 Verbände der Europäischen Fußball-Union (UEFA) sprachen dem Franzosen trotz der gravierenden Anschuldigungen und Bedenken des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) das Vertrauen aus – eine Kandidatur des 60-Jährigen bei der Präsidentenwahl des Weltverbands FIFA scheint aber trotzdem ausgeschlossen. Am Wahltermin (26. Februar 2016) wollen die sieben europäischen Vertreter im FIFA-Exekutivkomitee, das am 20. Oktober in Zürich tagt, nämlich nicht rütteln. Bis zum Bewerbungsschluss am 26. Oktober müsste Platini deshalb für Aufklärung sorgen, um den Integritätscheck der FIFA-Ethikkommission zu bestehen. Die Zeit wird kaum reichen.

Der Franzose war aufgrund einer bislang ungeklärten Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken (1,83 Millionen Euro), die Platini im Jahr 2011 von FIFA-Boss Joseph S. Blatter (79) angeblich für längst vergangene Beraterdienste erhalten hatte, für 90 Tage gesperrt worden. Die Entscheidung der Ethikkommission, die im gleichen Atemzug auch Blatter bis einschließlich 5. Jänner 2016 aus dem Verkehr gezogen hatte, hatte den Weltfußball ins Chaos gestürzt. Am Donnerstag informierten Platinis Anwälte über die „Fakten und Tatsachen der Geschäftsbeziehungen“ zwischen Platini und Blatter, berichtete Infantino: „Inklusive der Vergütung für die Jahre zwischen 1998 und 2002.“ Mehr Informationen drangen nicht nach außen, dem Vernehmen nach gaben sich aber viele Verbandsvertreter damit zufrieden. UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino bekräftigte zudem: „Wenn er seinen Namen reingewaschen hat, ist Michel Platini natürlich ein Kandidat für die FIFA-Wahl.“

Es ist also möglich, dass sich die Europäer rund um das FIFA-Exekutivtreffen noch auf einen Ersatz-Bewerber für Platini einigen. „Was immer in den nächsten Tagen passiert, wird diskutiert werden“, sagte Infantino. „Wenn jemand anders sich auftut, dann wird man sehen. Es ist jetzt zu früh, darüber etwas zu sagen.“

Unterstützung für Platini

„Wir unterstützen Platinis Recht auf einen gerechten Prozess, auf ein gerechtes Verfahren und sein Recht, seinen Namen reinzuwaschen“, sagte Infantino: „Wir appellieren eindringlich an alle Instanzen schnell zu arbeiten und sicherzustellen, dass es bis Mitte November eine abschließende Entscheidung gibt.“

Es gibt einen gemeinsamen Beschluss, Platini zu unterstützen.

Leo Windtner, ÖFB