DFB schaltet auf Angriffsmodus

18.10.2015 • 20:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Zumindest dunkle Schatten auf das Sommermärchen 2006 haben die Anschuldigungen durch den „Spiegel“ geworfen. Foto: ap
Zumindest dunkle Schatten auf das Sommermärchen 2006 haben die Anschuldigungen durch den „Spiegel“ geworfen. Foto: ap

Nach den Korruptionsvorwürfen bei der Vergabe der WM 2006 sind Niersbach und Co. in die Offensive gegangen.

Schwarzach. Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach bestreiten den angeblichen Stimmenkauf, Fedor Radmann würde sogar einen Eid schwören und Otto Schily sieht keine Hinweise auf Korruption: Die Verantwortlichen der Fußball-WM 2006 kämpfen vehement gegen den dunklen Schatten über dem Sommermärchen und schalten nach den im „Spiegel“ erhobenen schweren Anschuldigungen in den Angriffsmodus.

Rechtliche Schritte angekündigt

Am Sonntagnachmittag äußerte sich erstmals Lichtgestalt Beckenbauer zu den Vorwürfen, die WM 2006 sei gekauft worden. „Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren. Und ich bin sicher, dass dies auch kein anderes Mitglied des Bewerbungskomitees getan hat“, ließ Beckenbauer, damaliger Chef des Bewerbungs- und Organisationskomitees, über sein Management erklären.

DFB-Präsident Niersbach hatte zuvor rechtliche Schritte gegen den „Spiegel“ angekündigt und die Korruptionsvorwürfe ins Reich der Fabeln verwiesen. „Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine ‚schwarzen Kassen‘ beim DFB, dem Bewerbungskomitee oder dem späteren Organisationskomitee gegeben hat“, sagte der 64-Jährige und schloss den angeblichen Kauf von Stimmen der vier asiatischen Vertreter vor der WM-Vergabe am 6. Juli 2000 in Zürich aus: „Das kann ich allen Fußball-Fans versichern.“

Radmann will Eid schwören

Niersbach und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) haben Rechtsbeistand Christian Schertz mit dem Fall beauftragt. Laut Schertz sei das Hamburger Magazin „jeden Beweis für diese Kernbehauptung der Geschichte schuldig“ geblieben, so der DFB-Chef: „Wir haben ihn daher gebeten, gegen die insoweit nicht im Ansatz bewiesene und definitiv falsche Kernbehauptung des „Spiegel“, die WM 2006 sei mit Mitteln aus einer ‚schwarzen Kasse‘ beim DFB oder beim Organisationskomitee gekauft worden, alle denkbaren rechtlichen Schritte einzuleiten.“

Allerdings könnte auch der DFB ins Visier der Justiz geraten. Medien berichten, dass die Staatsanwaltschaft Frankfurt durch den Bericht alarmiert ist und nun „sorgfältig prüfe“, ob man ein Ermittlungsverfahren einleite. Für Niersbach habe der „Spiegel“ unterdessen keine Beweise genannt, sondern sich letztlich auf ein angebliches, von einer anonymen Quelle kolportiertes Zitat von Günter Netzer berufen, das dieser bereits im gleichen Artikel vehement bestritten habe. Niersbach versicherte: „Nochmal: Die WM war nicht gekauft.“ Die „graue Eminenz“ Radmann geht sogar noch einen Schritt weiter. „Das Bewerbungskomitee hat niemals irgendjemanden bestochen. Ich bin bereit, dies sogar zu beeiden“, sagte der ehemalige Vize-Präsident des WM-OK.

Zwanziger eine wichtige Person

Fraglich ist aber weiterhin, für welchen Zweck die Zahlung von 6,7 Mill. Euro vom DFB an den im Korruptionssumpf steckenden Weltverband FIFA verwendet wurde. „Dass es einen solchen Vorgang gibt, haben wir veröffentlicht. Ich habe diesen Sommer davon erfahren und eine interne Prüfung veranlasst“, erklärte Niersbach. Das Ergebnis der laufenden Prüfungen sei offen, „aber ich kann aufgrund der zeitlichen Abläufe dieses Zahlungsvorgangs schon jetzt definitiv ausschließen, dass die Zahlung in Zusammenhang mit der WM-Vergabe im Jahr 2000 steht“.

Der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily sieht derweil keine Hinweise auf Bestechung. „Als Mitglied des Organisationskomitees für die Fußball-WM habe ich zu keinem Zeitpunkt Informationen erhalten, die den „Verdacht ‚schwarzer Kassen‘ begründen“, sagte Schily und nahm den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger in die Pflicht: „Alle Zahlungen des DFB einschließlich der gesamten Buchhaltung wurden seinerzeit von dem damaligen Schatzmeister des DFB, Dr. Theo Zwanziger, sorgfältig geprüft“, so Schily.

Wenn es bei einer Zahlung des DFB an die FIFA Unklarheiten gebe, „gehört das zur Verantwortung der FIFA und liegt außerhalb der OK-Verantwortung. Da Dr. Theo Zwanziger als späteres Mitglied des Exekutivausschusses der FIFA sicherlich Zugang zu der Buchhaltung der FIFA hatte, kann er am ehesten dazu Auskunft geben.“