Die Macher des WM-Sommers 2006

Sport / 18.10.2015 • 22:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Enthüllungen um angebliche „schwarze Kassen“ setzt den DFB unter Erklärungsdruck.

Schwarzach. Der Deutsche Fußball-Bund setzt sich heftig zur Wehr. Wer aber sind die zentralen Figuren in der delikaten Angelegenheit?

Franz Beckenbauer: Seine Weltreisen als Chef der deutschen WM-Bewerbung sind längst legendär. Der Kaiser jettete schier unermüdlich um den Globus und war sogar in der Südsee charmant für die WM-Endrunde in Deutschland. Vor allem wegen dieser perfekt inszinierten PR-Tournee gilt Beckenbauer als der Mann, der die WM in seine Heimat holte. Es war seine Krönung als Sportfunktionär. Heute hat der 70-Jährige kein Spitzenamt mehr.

Wolfgang Niersbach: Als Mediendirektor und OK-Vize machte Niersbach Karriere beim DFB. „Von der ersten Minute an“ sei er bei der WM-Bewerbung dabei gewesen, versicherte der heutige Präsident des größten Sportfachverbandes der Welt gern. Ein Skandal um die Vergabe des Turniers käme ihm heute mindestens genauso ungelegen wie damals. Der DFB-Chef wäre damit wohl aus dem Rennen um die Chefposen bei FIFA und UEFA.

Fedor Radmann: Wo Beckenbauer bei seiner WM-Werbetour auftauchte, war Radman zumeist nicht weit. Der umtriebige Berater war hinter den Kulissen als Strippenzieher wohl eine entscheidende Figur vor der WM-Vergabe an Deutschland. Danach gehörte der gebürtige Berchtesgadener dem WM-OK-Team zunächst als Vizepräsident an, musste aber wegen seiner diversen Beraterverträge das Amt aufgeben. Mit wenig Glück engagierte er sich später als Geschäftsführer der Salzburg-Bewerbung um Winter-Olympia 2014 und Australiens Kandidatur um die WM 2022.

Theo Zwanziger: Der spätere DFB-Chef rückte für Radmann als Vizepräsident ins OK-Team nach. Dort war der Jurist für Finanzen, Personal und Recht verantwortlich. 2011 übernahm Zwanziger den Platz von Beckenbauer in der FIFA-Regierung. Mit seinem Nachfolger im DFB, Niersbach, hat Zwanziger sich inzwischen überworfen.

Horst R. Schmidt: Der damalige Generalsekretär war eine der zentralen Figuren für WM-Bewerbung und Organisation. Er galt als rechte Hand Beckenbauers, als Hirn der deutschen WM. Schon 1974 hatte er die Endrunde in Deutschland mitorganisiert, vor der WM 2010 holte ihn die FIFA als Nothelfer nach Südafrika. Als Ehrenmitglied des DFB wurde er 2013 in den Ruhestand verabschiedet.

Robert Louis-Dreyfus: Der frühere Adidas-Chef galt bi zu seinem Tod im Juli 2009 als eine der schillerndsten Figuren in der europäischen Sportszene. Der Franzose entstammt einer milliardenschweren Unternehmer-Familie und bezeichnete sich als „fussballverrückt“.