Montpellier im Kopf und Vorarlberg im Herzen

21.10.2015 • 18:50 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Familie Schneider (v. l.), Nathan, Philip, Elodie und Estelle, fühlt sich sichtlich wohl in Montpellier.  Foto: privat
Die Familie Schneider (v. l.), Nathan, Philip, Elodie und Estelle, fühlt sich sichtlich wohl in Montpellier. Foto: privat

Volleyball-Legionär Philip Schneider vor seiner zehnten Pro-
A-Saison in Frankreich.

Montpellier. Philip Schneider ist Vorarlbergs einziger aktueller Legionär in Sachen Volleyball. Der 34-jährige Röthner startet in den Diensten von Montpellier am Samstag in seine zehnte Saison in der französischen Pro-A-Liga und hat sich in einer der besten Ligen Europas längst mehr als etabliert. Begonnen hat die Karriere von Schneider vor genau 20 Jahren. Bei einem Besuch in einem Einkaufszentrun fiel der Zweimetermann dem damaligen SSK-Feldkirch- und heutigen VC-Dornbirn-Trainer Ludwig Horvath auf und ein unverbindliches Training wurde vereinbart. „Ich habe davor ein bisschen Tennis und Fußball gespielt und nicht gedacht, dass ich einmal Profisportler werde“, erinnert sich der gelernte Bankkaufmann. Die rasante Entwicklung des absoluten Spätstarters machte die Volleyball-Laufbahn von Schneider zu einer Bilderbuchkarriere. 2001 feierte Schneider sein Debüt im ÖVV-Herrenteam und 2005 folgte der Schritt ins Ausland. „Ich habe damals eigentlich keine andere Wahl gehabt“, sagt Schneider. Die Tiroler wollten den Vertrag zu den geforderten Konditionen nicht verlängern, also packte der damals 24-Jährige seine Sachen – und kam doch noch einmal ins Grübeln. Denn an der italienisch-französischen Grenze meldete sich plötzlich Ex-Coach Emanuele Zanini mit einem Angebot aus der italienischen Serie A. Doch Schneider blieb standhaft. „Ich hatte Avignon schon mein Wort gegeben, und obwohl ich noch keinen Vertrag unterschrieben hatte und das Angebot absolut verlockend war, hielt ich mein Wort und wechselte zu Avignon“, erklärt Schneider.

Montpellier als Glücksgriff

Ein in jeder Hinsicht entscheidender Schritt. Denn in Frankreich hat der passionierte Angler sein Glück gefunden. Abgesehen von der Saison 2008/09, die er bei ÖVV-
Serienmeister Wien verbrachte, spielt er seitdem in der angesehenen französischen Liga. Zunächst eine Saison bei Avignon, anschließend zwei Jahre bei Cannes, ehe es ihn 2009 nach Montpellier zog. Eigentlich kein Wunder, kommt doch auch Elodie, seit 2008 die Ehefrau von Philip, aus der Umgebung der Metropole an der französischen Mittelmeerküste. In Montpellier finden die Schneiders perfekte Bedingungen, um Sport und Familie perfekt zu verbinden „Die Meisterschaft ist irrsinnig ausgeglichen und jede Partie ist eine ständige Herausforderung auf höchstem Niveau. Die Pro-A-Liga in Frankreich zählt zu den leistungskräftigsten Ligen in Europa und wir haben letzte Saison als Zehnter denkbar knapp den Einzug in die K.-o.-Phase verpasst“, betont der Röthner.

In Montpellier genießt Schneider nicht nur wegen seines Alters eine Sonderstellung. Die vorbildliche Ein­stellung und der bedingungslose Einsatz haben dazu geführt, dass der Mittelblocker bereits die dritte Saison als Kapitän die „Blues“ anführt. Kein Wunder, hat Schneider doch in den letzten sechs Saisonen als einziger Montpellier-Akteur kein Spiel verpasst. Daneben sind es aber auch die perfekten Bedingungen für die Familie, die den zweifachen Vater ins Schwärmen bringen. „Mein Sohn Nathan wurde in Cannes geboren und wir haben gesehen, wie schwer das Familienleben fernab der Heimat ist. Hier in Montpellier wohnt die Familie meiner Frau in unmittelbarer Nähe und dies erleichtert das Leben wesentlich.“

Obwohl Frankreich längst zur Lieblingsdestination geworden ist, lässt sich Schneider, dessen Vertrag bei Montpellier zum Ende der Saison ausläuft, für die Zeit nach seiner aktiven Karriere nicht festlegen. „Sofern ich verletzungsfrei bleibe, möchte ich schon noch zwei bis drei Jahre spielen. Was danach kommt, steht in den Sternen.“

Obwohl er nun schon seit zehn Jahren in Frankreich lebt, will Schneider eine Rückkehr ins Ländle nicht ausschließen. „Mein Leben spielt sich in Montpellier ab, doch im Herzen bin ich immer noch ein Vorarlberger. Letztmals war ich zu meinem 30er im Ländle. Heuer haben wir einen Monat Ligapause und es ist geplant, dass wir heuer Weihnachten in Röthis feiern“, blickt Schneider freudig voraus.

Ich habe den Wechsel nach Frankreich noch keine Sekunde bereut und hoffe, es wird immer so sein.

Philip Schneider
Volleyball-Export Philip Schneider startet mit Montpellier in seine zehnte Saison in der französischen Pro-A-Liga. Foto: Jérémie GUILLAUME
Volleyball-Export Philip Schneider startet mit Montpellier in seine zehnte Saison in der französischen Pro-A-Liga. Foto: Jérémie GUILLAUME

Zur Person

Philip Schneider

Der 34-jährige Röthner spielt die siebte Saison bei Montpellier und ist seit zwei Jahren Kaptän des französischen Pro-A-Klubs.

Geboren: 23. Dezember 1981 in Röthis

Ausbildung: gelernter Bankkaufmann

Familie: verheiratet seit Juli 2008 mit Elodie, Sohn Nathan ( 8 Jahre), Tochter Estelle (4,5)

Bisherige Vereine: SSK Feldkirch (1997 bis 2000), PL Salzburg (2000 bis 03), Volleyballteam Tirol (2003 bis 05), Avignon Volleyball (2005/06), Doha (4 Wochen), AC Cannes (2006 bis 08), hot­volleys Wien (2008/09), seit 2009 Montpellier UC

Größte Erfolge: Top 6 Champions League und Franzöischer Cupsieger mit Cannes; Österreichischer Meister und Cupsieger 2004/05; Cupsieger und Vizemeister 2003/04; ehemaliger Kapitän (über 125 Länderspiele) im ÖVV-Herren-Nationalteam.