Ganze 6290 Kilometer Leerlauf

Sport / 26.10.2015 • 21:43 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
SCRA-Kapitän Philipp Netzer gegen Mattersburgs Offensivmann Thomas Röcher (vorne). Foto: gepa
SCRA-Kapitän Philipp Netzer gegen Mattersburgs Offensivmann Thomas Röcher (vorne). Foto: gepa

Altach plagt die chronische Auswärtsschwäche, mit schuld sind die Reisestrapazen.

Mattersburg, Altach. Es ist eine Zahl, bei der es jedem Reisemuffel die Haare aufstellt. 7230 Kilometer hat der SCR Cashpoint Altach heuer für seine Bundesliga-Auswärtsfahrten bereits abgespult – das entspricht in etwa der Distanz nach Peking (Luftlinie). Hart ausgedrückt waren 6290 davon leere Kilometer. Denn in sieben Gastspielen gab es nur einen einzigen Sieg (2:0 in Wolfsberg). Kein Klub reist mehr, stöhnt Sportdirektor Georg Zellhofer: „Über die ganze Saison ist das gegenüber den anderen Klubs ein Nachteil, weil du danach zwei Tage zur Regeneration brauchst.“ So auch nach dem Spiel in Mattersburg. 1418 Reisekilometer für null Punkte – die VN dokumentieren die Strapazen für das Spiel im Burgenland:

Freitag, 16.30 Uhr, Abfahrt in Altach (km 0): Treffpunkt in Altach. Der Team-Bus wurde bereits nach dem Vormittagstraining mit allen Sachen und dem Teammanager Mario Mayer vorausgeschickt. Für die Spieler geht es in einem anderen Bus von Altach zum Flughafen Altenrhein.

Freitag, 17.50 Uhr, Flug nach Wien (km 25): Der Klub leistet sich diesmal die Anreise mit Flugzeug, um die Strapazen zu minimieren. Weil es ein normaler Linienflug ist, ist das Essen nicht immer sportlergerecht. Diesmal gibt es Weißwürste, Weißbier und Brezen. Die Spieler essen nur die Brezen. Im Flieger trifft man oft auf Lokalpolitiker und allerlei Prominenz. Diesmal ist SPÖ-Landeschef Ritsch mit an Bord.

Freitag, 20 Uhr, Ankunft Eisenstadt (km 721): Um 18.50 Uhr landet der Flieger in Wien Schwechat. Der Teambus kommt nach 46 weiteren Kilometern endlich im Hotel Burgenland in Eisenstadt an. Nach dem Abendessen sind die zwei Physiotherapeuten im Dauereinsatz, sie kneten die Beine der Spieler fast bis Mitternacht fit.

Samstag, 14.30 Uhr, Ankunft Pappelstadion (km 740): Nach einem lockeren Spaziergang und einem kohlenhydratreichen Mittagessen geht es eineinhalb Stunden vor dem Match ins Stadion. Dressen und Schuhe wurden bereits in der Auswärtskabine bereit- gelegt. Eine zehnminütige Ansprache von Damir Canadi, und ein ebenso knackiges Aufwärmprogramm später ist um 16 Uhr Ankick. Die Alt­acher präsentieren sich beim extrem heimstarken SV Mattersburg (nur Salzburg hat zu Hause bisher mehr Punkte geholt) bissiger als zuletzt, halten das Spiel lange offen. Leider sorgt Schiri Muckenhammer um 17.29 Uhr mit einer überharten Gelb-Roten Karte gegen Pöllhuber für die Vorentscheidung. Ein Platzfehler und ein abgefälschter Kopfball von Bürger besiegeln schließlich um 17.44 Uhr die Niederlage. „Wir sind aufgetreten, wie man das in Mattersburg muss. Beim 1:2 bleibt der Ball in einem Hügel stecken – ein infrastrukturelles Problem“, kritisierte Altach-Coach Damir Canadi bei der Pressekonferenz die noch fehlende Rasenheizung im Pappelstadion. Im Bus diskutieren die Spieler noch eine Stunde über das Match.

Samstag, 19.30 Uhr, Raststation Steinhäusl (km 830): Kurze Essenspause. Zurück im Bus wird Ablenkung gesucht. Andi Lukse guckt Flime und spielt Uno. Kapitän Netzer liefert sich lieber einen Sechser-Jass, normalerweise mit Lienhart und Aigner, die fehlen diesmal allerdings verletzt. In Salzburg gibt es eine einstündige Zwangspause für den Busfahrer. Danach geht das Licht aus. „Der Bus ist für Kurzstrecken okay, für lange Strecken weniger“, kritisiert Lukse. Manche versuchen im Gang liegend etwas Schlaf zu kriegen.

Sonntag 3.30 Uhr, Ankunft Schnabelholz (km 1480): Während in den Diskotheken langsam Sperrstunde ist, muss die Mannschaft des SCR Altach noch ihr Zeug zurück ins Stadion bringen. Immerhin drei Stunden früher als gewöhnlich. Wenn man am Samstag die 18.30-Uhr-Partie bestreitet, kommt man erst um sieben Uhr früh von den langen Ostreisen heim. Heuer blühen noch die mühsamen Fahrten zu Admira, Rapid und zweimal Austria (Cup und Liga). Vorher wartet das schwierige Match am Samstag (18.30 Uhr) gegen Salzburg – daheim. Damit können die Kilometerfresser der Liga wenigstens eine Woche durchschnaufen.

Beim Einladen sind alle gefragt, auch der Busfahrer. Stiplovsek
Beim Einladen sind alle gefragt, auch der Busfahrer. Stiplovsek
Gleich nach den Spielen geht es für die Akteure des Cashpoint SCR Altach wieder zurück ins Ländle, so wird die Nacht zum Tage. Foto: gepa
Gleich nach den Spielen geht es für die Akteure des Cashpoint SCR Altach wieder zurück ins Ländle, so wird die Nacht zum Tage. Foto: gepa