Der Druck auf Niersbach steigt

27.10.2015 • 21:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zwanziger konkretisiert Verdacht eines „Schmiergeldteppichs“ um die WM-Vergabe, Netzer droht mit Klage.

Schwarzach. In der immer bizarreren Sommermärchen-Affäre rückt wieder Wolfgang Niersbach voll in den Mittelpunkt. Der DFB-Präsident lässt den drängenden Bundestag auf Antworten warten und gerät durch eine Aussage seines Vorgängers Theo Zwanziger weiter unter Druck. „Es war 2002 kein Alleingang von Franz Beckenbauer, die Führungsspitze des OK war eingeweiht, also Wolfgang Niersbach, Horst R. Schmidt und Fedor Radmann“, sagte Zwanziger.

Als Kronzeugen verwendet der frühere Chef des Deutschen Fußball-Bundes den damaligen OK-Vorsitzenden Beckenbauer. Dieser hatte nach seiner Aussage vor den externen DFB-Ermittlern Fehler eingeräumt und das Verhalten anderer Beteiligter „teilweise als unsäglich“ bezeichnet. Niersbach, der vorerst der Einladung des Sportausschusses nicht folgt, behauptet bislang, vor 13 Jahren von einer Zahlung an die FIFA-Finanzkommission noch nichts gewusst zu haben.

Unterdessen schürte Zwanziger neue Spekulationen um einen Stimmenkauf vor der WM 2006. Der frühere Verbandschef konkretisierte seinen Verdacht eines „Schmiergeldteppichs“ und verweist auf eine mögliche Bestechung des FIFA-Funktionärs Charles Dempsey. Dies lässt sich aus einer Notiz ableiten, die Zwanziger in einem 2012 veröffentlichten Dokument aus dem Verfahren gegen den ehemaligen Rechtevermarkter ISL gemacht hat. In der Auflistung von Überweisungen, die sich in der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zug aus dem Jahr 2010 findet, steht neben einem Geldtransfer am 5. Juli 2000 über 250.000 US-Dollar die Bemerkung: „Dempsey!“ Dass der Neuseeländer bei der Vergabe einen Tag später in der letzten Runde keine Stimme abgegeben hatte, sicherte Deutschland im Duell mit Südafrika den WM-Zuschlag.

Eine neue Dimension erfährt die Affäre durch die nunmehrige Androhung von einer Klage von Günter Netzer gegen Zwanziger. Letzterer hatte berichtet, Netzer habe ihn über den Stimmenkauf unterrichtet. Doch nun droht der Ex-Nationalspieler, sollte Zwanziger keine Unterlassungserklärung unterschreiben, mit einer Klage.