Ein Meister der Machtspielchen

Sport / 27.10.2015 • 19:39 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bernie Ecclestone wird heute 85 Jahre alt – und die Formel-1-Spielwiese gehört ihm immer noch alleine. Foto: ap
Bernie Ecclestone wird heute 85 Jahre alt – und die Formel-1-Spielwiese gehört ihm immer noch alleine. Foto: ap

Formel-1-Pate Bernie Ecclestone wird 85
Jahre alt und einfach nicht müde.

London. Bernie Ecclestone liebt die ganz derben Scherze. In seinem Büro in Londons bester Lage hat er auf seinem Couchtisch eine Handgranate liegen. „Es war noch nicht der richtige Besucher da, um sie zu zünden“, sagte der Brite einmal und lächelte sein berühmtes Lächeln, das eine Mischung aus Überheblichkeit und Unantastbarkeit verrät. An dem umstrittenen Strippenzieher perlen alle Skandale ab – wie heißes Öl an einer Teflonpfanne.

Selbst die Anklage wegen Anstiftung zur Untreue und Bestechung vor der deutschen Justiz 2014 konnte ihm nichts anhaben. Ecclestone zahlte 100 Millionen, das Verfahren wurde eingestellt. Und der Brite hält in der Formel 1 weiter alle Fäden in der Hand. Heute wird er 85 Jahre alt, ist aber noch lange nicht müde: „Die Rente ist nichts für mich.“

Strippenzieher seit 1970

Seit fast 40 Jahren steht Ecclestone an der Spitze der Formel 1 und dabei mehr als einmal vor dem Gang ins Gefängnis. Aus seinen extravaganten Geschäftsmethoden hat der Ex-Gebrauchtwagenhändler, der schon in der Schule Bleistifte und Radiergummis verhökerte, nie einen Hehl gemacht. „Wir sind nicht so etwas wie die Mafia, wir sind die Mafia“, sagte der Formel-1-Pate einst. Er hält in der Rennserie seit den 1970er Jahren alle Fäden in der Hand und hat den PS-Zirkus seitdem in ein milliardenschweres Unternehmen und eine der profitabelsten Sportveranstaltungen der Welt verwandelt. Ein Rücktritt kam für ihn nie infrage.

Im Fahrerlager ist „Mr. E“ äußerst beliebt, er machte viele Menschen zu Millionären, fast alle schätzen ihn für seine Arbeit. Egal, ob peinliche Aussagen über Adolf Hitler und Saddam Hussein oder ein drohender Prozess, nachhaltig konnte ihm bisher kein Skandal schaden. Ecclestone lächelte alles weg. Er sitzt auf dem Thron und regiert sein Reich gerade so demokratisch, wie es sein muss, auch wenn alle die Nase über ihn und seine Ausführungen zur Weltpolitik rümpfen.

Die Formel 1 brauchte Ecclestone wie Ecclestone die Formel brauchte. Viele werfen ihm zwar vor, dass er beispielsweise den Markt der neuen Medien nicht nutzt oder die Formel 1 mit seinem aufgeblähten Kalender einer manchmal fast unzumutbaren Belastung aussetzt. Doch genau so generierte der „Herr der Räder“ stets frisches Geld und erschloss neue Märkte.

Rebellion bleibt aus

Sein legendärer Geschäftssinn hat der Formel 1 bisher um ein Vielfaches mehr genutzt als geschadet, deshalb blieb die große Rebellion bisher aus. Ecclestone ist und bleibt eben auch mit 85 ein Meister der Machtspielchen.

Die Rente ist nichts für mich.

Bernie Ecclestone
Mit Fabiana ist Ecclestone seit 2012 verheiratet. Foto: AP
Mit Fabiana ist Ecclestone seit 2012 verheiratet. Foto: AP
Flüstern mit Wladimir Putin: Demokratisches Denken ist Bernie Ecclestone zuwider. Foto: ap
Flüstern mit Wladimir Putin: Demokratisches Denken ist Bernie Ecclestone zuwider. Foto: ap

Stationen von Bernie Ecclestone

28. Oktober 1930: Bernard Charles Ecclestone wird in London geboren

1950: Start als Fahrer in einem Rahmenrennen eines Formel-1-Grand-Prix

1958: Im eigenen Wagen scheitert er bei den Qualifikationen für die Formel-1-Rennen in Monte Carlo und Silverstone

1958 bis 1959: Manager von Formel-1-Pilot Stuart Lewis-Evans (1959 verunglückt)

1966 bis 1970: Manager von Formel-1-Pilot Jochen Rindt (1970 tödlich verunglückt)

1971 bis 1987: Besitzer des Brabham-Rennstalls (Weltmeister 1983/Nelson Piquet)

1971: Ecclestone ist für den Zusammenschluss aller Formel-1-Teams verantwortlich (Formula One Constructors Association)

1977: Ecclestone kauft die Werberechte

1978: Ecclestone kauft die TV-Rechte

2000: Ecclestone verkauft drei Viertel der SLEC (die Kürzel stehen für seine damalige Frau Slavica Ecclestone) Holding Ltd. an EM.TV

2005/6: Verkauf der Formel 1 an den britischen CVC Capital Partners

seit 2006: Als Geschäftsführer Formel 1 von CVC eingesetzt