Zwei Himmelstürmer mit dem Ziel Rio

29.10.2015 • 19:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Elisabeth Baldauf (l.) und David Obernosterer dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf eine Teilnahme an den olympischen Sommerspielen 2016 in Rio machen. Foto: Privat
Elisabeth Baldauf (l.) und David Obernosterer dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf eine Teilnahme an den olympischen Sommerspielen 2016 in Rio machen. Foto: Privat

Badminton-Duo Baldauf und Obernosterer hat in der Olympia-Quali bereits fünf Mal die Erde umflogen.

Schwarzach. (VN-jd) Flugangst darf man keine haben – schon gar nicht, wenn man Badmintonspieler ist und sich die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro als Ziel gesetzt hat. Die 25-jährige Elisabeth Baldauf aus Egg und der um ein Jahr ältere Schwarzacher David Obernosterer ordnen ihrem großen sportlichen Ziel derzeit praktisch ihr gesamtes Leben unter. Seit Beginn der Qualifikationsphase am 1. Mai leben die beiden HSLZ-Leistungssportler nahezu ausschließlich aus der Reisetasche.

Zwölf Tage im Flugzeug

Beeindruckend dabei die Zahlen, die sie vorweisen können. In den letzten sechs Monaten hat das Badminton-Duo nicht weniger als 72 Flüge absolviert, bis auf Australien alle weiteren Erdteile bereist, unglaubliche 287 Stunden (rund zwölf Tage) im Flugzeug verbracht und dabei nicht weniger als 196.000 Flugkilometer (entspricht knapp fünf Mal dem Erdumfang) zwischen den einzelnen Destinationen zurückgelegt.

Doch nicht nur diese Zahlen abseits der Badmintonfeldes, auch die für einen Olympiastartplatz maßgebende Platzierung in der Weltrangliste stellt unter Beweis, dass sich sowohl Baldauf als auch Obernosterer berechtigte Hoffnungen auf eine Teilnahme an den Sommerspielen 2016 in Brasilien machen dürfen. Baldauf nimmt aktuell mit 18.706 Punkten den 43. Rang in der BWF-Rangliste ein und liegt in der bereinigten Wertung auf Platz 27. Da bis auf einige Ausnahmen pro Nation nur ein Sportler pro Bewerb bei Olympia startberechtigt ist, hätte Baldauf bei Halbzeit der bis 1. Mai 2016 dauernden Qualifikationsphase ihr Rio-Ticket fix in der Tasche. „Natürlich ist es eine sehr erfreuliche Bestandsaufnahme. Doch noch warten sechs Monate harte Arbeit. Ich glaube, ich kann mich erst wirklich grenzenlos freuen, wenn ich nach dem letzten Turnier die Rangliste sehe und ich es geschafft habe. Und dann wird es sicher noch einige Zeit gehen und ich werde mich mehrfach zwicken müssen, um das Ganze zu realisieren. Eine Teilnahme bei Olympia ist seit meinem Karrierestart das große sportliche Ziel. Vor knapp zwei Jahren habe ich mich dazu entschlossen, es zu versuchen, alle Vor- und Nachteile abgewogen und bin ein sehr zielorientierter Mensch. Jetzt bin ich bei Halbzeit auf einem sehr guten Weg, doch noch lange nicht am Ziel“, betont die sympathische Bregenzerwälderin.

Konkurrenz im eigenen Lager

Während Baldauf aus nationaler Sicht keine Konkurrenz hat und als einzige ÖBV-Spielerin das Projekt Olympia 2016 in Angriff nimmt, muss Obernosterer neben der internationalen auch die österreichweite Hürde überspringen. Mit dem 25-jährige Luka Wraber aus Wr. Neustadt strebt ein zweiter ÖBV-Akteur eine Olympia-Teilnahme an. Im Moment liefern sich Wraber und Obernosterer ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen um den Rio-Startplatz. Wraber hat 20.288 BWF-Punkte zu Buche stehen und nimmt in der Rangliste Platz 36 bzw. in der bereinigten Wertung Rang 21 ein. Obernosterer hält bei 19.379 Zählern und ist auf Platz 41 klassiert. „Es ist ein offenes Rennen zwischen Luka und mir. Im Prinzip haben beide die gleichen Chancen, in Rio dabei zu sein. Da nur die zehn besten Ergebnisse in die Wertung kommen wird es darauf ankommen, wer bei einem hoch dotierten Turnier mehr Punkte holt als der andere.“

Nach einer kraftraubenden Südamerikatour laden Baldauf und Obernosterer aktuell ihre Akkus bei einer dreiwöchigen Turnierpause in Wien auf. Weiter geht die Punktejagd Ende November beim Olympia-Testevent in Rio, anschließend geht es bis 21. Dezember noch zu Turnieren in die USA und nach Mexiko. „Ich hoffe, der Testevent im November ist nicht die einzige Stippvisite in Rio, und Lisi und ich steigen nächsten Sommer wieder in ein Flugzeug Richtung Brasilien“, betont Obernosterer zweckoptimistisch.

Als ich die Anzahl der Flüge und Flugkilometer gesehen habe, ist mir kurz der Atem weggeblieben.

David Obernosterer