Neuseeland und Australien im Duell der Erzrivalen um die Rugby-Krone

Sport / 30.10.2015 • 22:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Australiens Israel Folau versucht, den Neuseeländern Julian Savea (l.) und Ben Smith zu entkommen: Neuauflage heute im WM-Finale. Reuters
Australiens Israel Folau versucht, den Neuseeländern Julian Savea (l.) und Ben Smith zu entkommen: Neuauflage heute im WM-Finale. Reuters

Die zwei Supermächte des Sports kämpfen heute (17 Uhr) um ihren dritten WM-Titel.

London. Es ist ein Traumfinale. Neuseeland und Australien, Nummer eins und Nummer zwei der Rugby-Weltrangliste, die sich noch nie in einem WM-Endspiel gegenüberstanden. Schon wegen ihrer geografischen Nähe sind sie schärfste Rivalen, dazu kommt eine mehr als 100-jährige gemeinsame Rugbygeschichte. Der Gewinner holt als erstes Team einen dritten WM-Titel. „Das größte Spiel, das die Welt je gesehen hat“, nennt der „Independent“ das Finale heute.

Titelverteidiger als Favorit

Als Favoriten gehen die All Blacks aufs Feld. Sie könnten als erste Mannschaft in der 28-jährigen WM-Geschichte den Titel verteidigen, einige Champions von 2011 spielen noch mit. Für Kapitän Richie McCaw und mindestens vier weitere Spieler wird es wohl das Abschiedsmatch. Seit dem Triumph 2011 sind die Neuseeländer 53 Mal angetreten – und haben gerade mal drei Spiele verloren.

Dennoch gibt sich Australiens Coach Michael Cheika vor dem großen Tag entspannt. „Man fühlt nur Druck, wenn man nicht so gut wie möglich vorbereitet ist“, sagte der 48-Jährige, der die Wallabies seit letztem Jahr trainiert. Zur psychologischen Vorbereitung hat das australische Lager offenbar den Spitznamen All Blacks, der für die Rugby-Macht der Neuseeländer steht, zum Tabu erklärt. Sogar von offiziellen Seiten in sozialen Netzwerken sei die Bezeichnung verschwunden, will der „New Zealand Herald“ beobachtet haben.

Auf neuseeländischer Seite ist man sich keinesfalls sicher, den vergoldeten Webb Ellis Cup schon in der Tasche zu haben. „Wenn es ein Team gibt, das Neuseeland einen harten Kampf bieten kann, dann Australien, denn sie sind das einzige Team, das es dieses Jahr zu schlagen gilt“, sagt etwa All-Blacks-Legende Jonah Lomu. Trainer Steve Hansen hat eine schlicht klingende Strategie: „Wir haben einen Plan für das Spiel, nämlich Räume gewinnen und Versuche erzielen. Aber mir ist egal, was es für ein Spiel ist, so lange wir gewinnen.“

80.000 beim Showdown

Die Wege der Kontrahenten ins Finale unterschieden sich. Die All Blacks hatten eine leichte Gruppe, überrannten Frankreich im Viertelfinale und mussten nur gegen Südafrika kämpfen. Australien erwischte eine schwere Gruppe, brauchte im Viertelfinale gegen Schottland eine Fehlentscheidung des Unparteiischen und musste auch gegen Argentinien rackern.

80.000 Fans werden sich den Showdown im Twickenham-Stadion anschauen. Dass England in der Vorrunde gescheitert ist, hat die Stimmung ein wenig gedämpft. Trotzdem wechseln Finaltickets für Zehntausende Pfund den Besitzer.

Mir ist egal, was es für ein Spiel ist, so lange wir gewinnen.

Trainer Steve Hansen