„Spitzensport ist ein Beruf“

30.10.2015 • 17:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sportservice-Geschäftsführer Sebastian Manhart .
Sportservice-Geschäftsführer Sebastian Manhart .

Geschäftsführer Sebastian Manhart wünscht sich mehr Akzeptanz von den heimischen Sportlern.

Dornbirn. (VN-akp) Sebastian Manhart im VN-Interview über den zu geringen Stellenwert von Sportlern und Trainern in der österreichischen Gesellschaft, Spitzensport in Vorarlberg und seine Bilanz der letzten zweieinhalb Jahre.

Was wurde seit Ihrem Eintritt 2013 bewegt?

sebastian manhart: Wir haben vieles neu strukturiert und Positionen neu besetzt. Das Arbeitsklima hat sich sehr gut entwickelt. Unsere Sportmedizin wurde als Ambulatorium nach dem Vorarlberger Krankenanstaltengesetz installiert und ist zu hundert Prozent handlungsfähig. Inhaltlich hat sich in der Trainerausbildung viel getan. Hochqualifizierte Trainer sind der Schlüssel für erfolgreichen Sport in Vorarlberg. Wir haben unter den Übungsleiter ein Einsteigerprodukt gestellt, und es gibt weiterführend die Instruktorausbildung. Wir wollen möglichst viele Ausbildungen bei uns in der Nähe anbieten.

Mit welchem Hintergrund?

manhart: Aufgrund des aktuellen Stellenwerts der Trainer. Sie bekommen viel zu wenig Anerkennung. Es ist doch genial, dass sich jemand um kein oder sehr wenig Geld um die Kinder anderer kümmert. Die Wertschätzung sollte viel größer sein. Wenn ich da in die Schweiz hinüber schaue, treibt es mir Tränen in die Augen.

Warum?

manhart: Die Trainerausbildung hat dort ein ganz anderes Standing als bei uns. Als ausgebildeter Trainer hat man eine Studienberechtigung, auch wenn man keine Matura hat. Das bietet Perspektiven. Aber das ist ein bundesweites Thema. In Österreich existiert das Berufsbild des Trainers nicht, jeder kann sich Trainer nennen. Mein Wunsch an die Bundespolitik ist die Etablierung eines Berufsbildes. Wenn die Trainerausbildung ein Baustein in der beruflichen Entwicklung ist, wäre der Anreiz viel größer, teurere und aufwendigere Ausbildungen zu machen. Und diese hochqualitative Ausbildung ist die Basis für den Spitzensport.

In Bezug auf das Sportkonzept 2009 bis 2015 – gibt es Spitzensport in Vorarlberg?

manhart: Eine Erfolgsmessung ist nicht möglich. Der Zeitraum bis 2015 ist viel zu kurz, man muss es über 20 Jahre betrachten. Dennoch hat sich in den letzten sechs Jahren viel entwickelt. Gerade im Nachwuchs sind wir um einiges besser aufgestellt als vor einigen Jahren.

Welche Aufgaben stehen nun an?

manhart: Die jungen Athleten ganz hinaufzubringen, ohne den dahinter nachrückenden Nachwuchs zu vernachlässigen. Mit der Pubertät, dem Schulabschluss bzw. Heeressport und dem Studium gibt es einige Bruchstellen. Da verlieren wir zu viele. Nach meinem Bauchgefühl wollen sich die Österreicher immer ein zweites Standbein schaffen. Bei unseren Rahmenbedingungen ist das nachvollziehbar.

Gibt es Lösungen?

manhart: Ein wesentlicher Faktor ist die Akzeptanz in der Wirtschaft. Ein Spitzensportler bringt ausgezeichnete persönliche Qualitäten mit. Das Standing eines Sportlers in anderen Ländern ist viel besser als bei uns. Auch ohne Olympiasieg ist man jemand. Schon rein aufgrund dessen, was der Athlet an Persönlichkeit mitbringt. Dazu braucht es das Hintergrundwissen, was ein Sportler alles in eine Karriere investiert, welche Eigenschaften er besitzt.

Zum Beispiel?

manhart: Ich meine nicht nur Zielorientierung, Disziplin und Konsequenz. Ein Spitzensportler ist nie ein Einzelkämpfer, er ist ein guter Organisator. Er hat immer ein Umfeld und ein Team um sich und muss dieses vielleicht sogar führen.

Was ist Ihr größtes Anliegen?

manhart: Die Akzeptanz von Sportlern und Trainern. Spitzensport ist ein Beruf, kein Hobby. Ein Athlet richtet sein ganzes Leben danach aus, trainiert täglich hart, verzichtet, überwindet Rückschläge. Er ordnet seinem Ziel alles unter, und doch fehlt ab und an das Glück für ein gutes Resultat. Manche abwertenden Kommentare über unsere Athleten ärgern mich.