Dritte Krönung der „All Blacks“

Sport / 01.11.2015 • 21:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dan Carter überragte im Finale. Er kickte mit 19 Punkten Neuseeland zum Titel.  Foto: ap
Dan Carter überragte im Finale. Er kickte mit 19 Punkten Neuseeland zum Titel. Foto: ap

Neuseeland holt sich im Finale in London gegen Erzrivalen
Australien den Titel.

lONDON. Unter all den euphorisierten Neuseeland-Fans im Londoner Rugby-Tempel Twickenham war Charlie Lines vermutlich der glücklichste. Strahlend posierte der 14-Jährige im Blitzlichtgewitter der Fotografenschar – in der Hand hielt er eine der Goldmedaillen, die sich die All Blacks durch das 34:17 (16:3) im Traumfinale gegen den Erzrivalen Australien verdient hatten.

Ein verdienter Sieger

Nach dem historischen dritten WM-Titel der Kiwis war Lines zu seinen Idolen auf den Rasen gestürmt, wo ihn ein Stadionordner in bester Rugby-Manier unsanft zu Boden riss. Sonny Bill Williams, einer von Neuseelands Final-helden, hatte die unwirkliche Szene beobachtet. Der 30-Jährige führte den jungen Anhänger zurück auf die Tribüne und schenkte ihm das kostbare Andenken. „Besser, sie hängt um seinen Hals als um meinen“, erklärte Williams später lapidar.

Nach sechs Wochen Rugby-Spektakel in England und Wales gibt es wohl kaum jemanden, der den Neuseeländern den Titel nicht gönnt. Der Topfavorit präsentierte sich von Beginn an in bestechender Form, löste seine Aufgaben in der Gruppenphase souverän und begeisterte in den K.o.-Duellen zunächst mit furioser Offensive gegen Frankreich und dann mit kompakter Defensive gegen das später drittplatzierte Südafrika.

Auch im Finale ließen die All Blacks bis auf eine kurze Schwächephase zu Beginn der zweiten Hälfte kaum einen Zweifel daran aufkommen, dass sie ihren Titel als erste Mannschaft überhaupt erfolgreich verteidigen würden. „Neuseeland ist der hochverdiente Sieger“, sagte Australiens Coach Michael Cheika: „Sie sind seit vielen Jahren das herausragende Team im Rugby-Sport.“

„Goldene Generation“ hört auf

Seit 2009 steht Neuseeland ununterbrochen an der Spitze der Weltrangliste. Mit dem Triumph von London hat sich die „Goldene Generation“ endgültig ein Denkmal gesetzt. Zwei der prägendsten Figuren dieser Zeit stehen vor dem Karriereende: Kapitän Richie McCaw (34) und Kicker Dan Carter (33), der im Endspiel noch einmal mit 19 Punkten glänzte. Nach dem Abschied dieser beiden Rugby-Legenden erwartet das Team ein radikaler Umbruch.