Torgarant und Teamleader

Sport / 02.11.2015 • 20:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Robert Weber ist mit 585 Länderspieltoren (Schnitt 4,3) der torgefährliste Akteur im ÖHB-Aufgebot in der WM-Qualifikation. Foto: GEPA
Robert Weber ist mit 585 Länderspieltoren (Schnitt 4,3) der torgefährliste Akteur im ÖHB-Aufgebot in der WM-Qualifikation. Foto: GEPA

Der Harder Robert Weber führt das Handball-Nationalteam in der WM-Qualifikation an.

Schwarzach. (VN-jd) Ehrenvolle Aufgabe für Robert Weber zum Auftakt der Qualifikation für die WM-Endrunde 2017 in Frankreich: Der am 25. November 30 Jahre alt werdende Harder wird Österreichs Handball-Männerteam als Kapitän aufs Feld führen, in den Spielen morgen (20.25 Uhr, live ORF Sport+) in Maria Enzersdorf gegen Rumänien bzw. am Samstag (16 Uhr MEZ) in Vantaa gegen Finnland.

Bereits bei den beiden EM-Qualifikationsspielen im Juni gegen Spanien (24:30) und in Deutschland (29:31) war der Magdeburg-Legionär Stellvertreter des eigentlichen ÖHB-Spielführers, Viktor Szylagyi, der zum Auftakt der WM-Quali abermals fehlt. „Es ist schon eine ganz besondere Ehre und Auszeichnung, Kapitän des Nationalteams zu sein“, betont der Linkshänder. Mit 138 Länderspielen ist Weber im aktuellen ÖHB-Aufgebot hinter Nikola Marinovic (154) der Akteur mit den zweitmeisten Teameinsätzen und führt mit 585 Treffern die Rangliste des 16-Mann-Kaders für die beiden Duelle gegen die Osteuropäer und Skandinavier an. „Eigentlich hat man im Handball den Part des Kapitäns beschnitten und die offiziellen Agenden reduzieren sich auf die Platzwahl und den Wimpeltausch. Die Aufgabe ist zwar ehrenvoll, aber keine zusätzliche Belastung,“ betont Weber. Mit dem Anpfiff will der Familienvater dann den Fokus auf jene Tätigkeit legen, die ihm in Magdeburg längst Kultstatus einbrachte und ihn zu einem der weltbesten rechten Flügelspieler machte. Mit 73 Saisontreffern (Schnitt 6,1) ist er in seiner siebten Saison im Trikot des Traditionsvereins von Sachsen-Anhalt auf dem besten Weg, Joel Abati in der ewigen Torschützenliste des SCM in der 1. deutschen Bundesliga abzulösen. Abati hat 1470, Weber aktuell 1420 Treffer zu Buche stehen.

Doch die Strapazen mit Bundesliga, Pokal, Europacup und Nationalteam haben Spuren hinterlassen. „Ich bin der einzige Linksaußen bei uns und spiele praktisch jede Partie durch. So langsam beginnt es da und dort zu zwicken. Aber noch halten sich die körperlichen Probleme in Grenzen.“ Und der Terminplan nimmt keine Rücksicht: Nach den Länderspielen wartet der Alltag in der Liga, dazu kommen der Europacup und DHB-Pokal. „In den letzten sieben Tagen hatten wir drei schwere Spiele. Zuerst in der Liga gegen Melsungen (28:28), dann im Pokal gegen Lübbecke (39:34) und am Sonntag in Flensburg (30:33). Da spürt man schon, dass man keine 20 Jahre mehr ist.“

Angebote von Topvereinen

Während sich Weber in Wien auf die WM-Qualifikationsspiele vorbereitet, stellt sein Manager die Weichen für die Zukunft. „Obwohl ich in Magdeburg bis Sommer 2017 noch einen Vertrag habe, gibt es Anfragen, darunter zwei absolute Topvereine. Nach meiner Rückkehr vom Team werde ich mit meiner Frau Lisa die Vorteile abwägen und eine Entscheidung treffen. Dabei werde ich sicher nicht wegen ein paar Euros mehr auf dem Konto meinen hart erarbeiten Status aufgeben. Im Moment schlägt mein Herz für Magdeburg, und sollte keine wahnsinniges Angebot kommen, werde ich den Vertrag beim SCM auch erfüllen.“

Parallel zu seinem sportlichen Werdegang treibt der diplomierte Sportmarketing-Manager seinen beruflichen Werdegang voran und hat im Oktober mit dem Masterlehrgang an der Uni Salzburg begonnen. „Im Profisport kann es schnell gehen und eine Verletzung wirft dich aus der Bahn. Ich bin Familienvater und mir meiner Pflicht bewusst. Deshalb ist es wichtig, dass man sich ein zweites Standbein neben dem Sport schafft.“

Bei den enormen Belastungen spürt man schon, dass man eben keine 20 Jahre mehr ist.

Robert Weber