Ein Cup-Clinch mit alten Bekannten

03.11.2015 • 19:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Altachs Cupreise nach Wien weckt in vielen auch Reminiszenzen an vergangene Tage.

Altach-Wien. Für Altach birgt das heutige Achtelfinal-Cupmatch bei der Austria (ATV, live ab 17.50 Uhr) besonders viel Brisanz. Ist es doch für sehr viele eine Rückkehr in die Bundeshauptstadt mit ein wenig schalem Beigeschmack. Gleich ein Dutzend Altacher haben Rapid- oder Austria-Vergangenheit. Bis auf Hannes Aigner und Boris Prokopic aber vermochte sich kein Spieler bei einem Wiener Großklub durchzusetzen. Neo-Teamspieler Andreas Lukse, Patrick Salomon, Daniel Luxbacher und Chefcoach Damir Canadi sind zudem gebürtige Wiener. Zum Vergleich: Die Violetten haben mit Richard Windbichler, Philipp Zulechner, Urgestein Alexander Gorgon und Kotrainer Andreas Ogris ebenfalls nur vier echte „Mundl“ in ihren Reihen.

Tajouri hofft auf Einbürgerung

Leihgabe Tajouri, die Austria hat ein Rückkaufrecht, ist in der Generali-Arena natürlich speziell motiviert. „Klar, ich kenne alles, die Leute, den Verein. Aber jetzt bin ich bei Altach, und wir wollen aufzusteigen. Nur darauf konzentriere ich mich“, sagt der 21-Jährige, der weiter auf seine Einbürgerung wartet. „Abwarten und Tee trinken“, meint der Flügelflitzer ein wenig süffisant und betont zugleich, gerne für Österreich spielen zu wollen. „Werner Gregoritsch würde ihn sich gerne einmal ansehen“, weiß auch Altach-Coach Canadi.

Bei der Austria durfte Tajouri zwar 50 Mal in der zweiten Mannschaft ran, für einen Einsatz in der Einsermannschaft hat es aber nie gereicht. Dabei hatten die „Veilchen“ ihn im Sommer zurückgeholt. Nach nur zwei Monaten und viel Verhandlungsgeschick wurde der Offensivspieler wieder nach Altach verschickt, wo er in der Bundesliga statt in der Regionalliga spielen darf. Davor hatte Canadi das Vorgehen der Austria in der Causa Tajouri ein wenig kritisiert. Dagegen aber wehrt sich FAK-Sportdirektor Franz Wohlfahrt (51): „Diese Vorwürfe habe ich nicht wirklich verstanden. Es ist einfach unsere Angelegenheit, was wir mit unseren Spielern machen. Da muss sich keiner einmischen.“

Auch Altach-Kapitän Philipp Netzer weiß, dass der Weg bei der Austria ein steiniger sein kann. „Ich war 19, als ich für vier Jahre unterschrieb. Die Konkurrenz auf meiner Position war mit Topleuten wie Jocelyn Blanchard, Mario Bazina oder Milenko Acimovic groß. Aber ich wollte diese Chance nicht auslassen – und ich habe es nicht bereut“, beurteilt der 30-jährige SCRA-Kapitän seine Zeit in Wien dennoch positiv.

Das Duell der Sportdirektoren

Sowohl bei Rapid als auch bei der Austria hat Altachs Sportchef Georg Zellhofer gearbeitet. Die Wien-Lastigkeit des Klubs aus Vorarlberg sieht er relativ gelassen. „Das ist bei anderen Vereinen nicht anders.“ Zudem sei einfach das Einzugsgebiet in Wien ein größeres und auch die Ausbildung bei den Klubs eine gute. Eine Erklärung dafür, dass sich viele Ex-Austria- bzw. Rapid-Spieler erst in Altach richtig entwickelten, hat er nicht wirklich. „Es ist ja nicht so, dass sie bei uns keinen Leistungsdruck haben. Wir haben einen guten Kader, da wird keinem Spieler etwas geschenkt. Vielleicht war es für einige einfach noch zu früh“, sagt der 55-Jährige. Zudem lobt er seinen Arbeitgeber, dessen familiäre Atmosphäre er als durchaus leistungsfördernd ansieht. „Es fällt uns ja auch kein Zacken aus der Krone, wenn wir zugeben, dass das Anforderungsprofil für junge Spieler in Wien oftmals ein anderes ist.“

Mit Wohlfahrt verbindet Zellhofer eine fußballerische Vergangenheit. So erinnert sich der Niederösterreicher an ein Spiel mit VÖEST Linz im Horrstadion, wo er als Elfmeterschütze im Dress der Oberösterricher den ehemaligen ÖFB-Teamtorhüter „locker“ (schmunzelt) bezwang.

Es ist ja nicht so, dass bei uns kein Leistungsdruck herrscht.

Georg Zellhofer
Altachs Sportdirektor Georg Zellhofer.
Altachs Sportdirektor Georg Zellhofer.