Miller kehrt als TV-Experte in den Skizirkus zurück

04.11.2015 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bode Millers bislang letzter Renneinsatz war bei der WM im Februar im Beaver Creek, wo er im Super-G schwer gestürzt ist. Foto: EPA
Bode Millers bislang letzter Renneinsatz war bei der WM im Februar im Beaver Creek, wo er im Super-G schwer gestürzt ist. Foto: EPA

US-Skistar lässt Rückkehr offen und versucht sich als TV-Analyst und Skihersteller.

Beaver Creek. Anfang Dezember gibt Bode Miller sein Comeback im Skirennsport. Allerdings nicht auf der Rennpiste, sondern als TV-Experte beim US-Sender NBC bei den Weltcuprennen in Beaver Creek in Colorado. Damit ist klar, dass der seit Oktober 38-jährige US-Amerikaner diesen Winter wie erwartet keine Rennen bestreiten wird. „Da ich diese Saison keine Rennen bestreite, stelle ich meine Ski zum Verleih in Bretton Woods zur Verfügung“, twitterte Miller kürzlich und machte damit klar, wohin die Reise geht. Vielmehr stellt sich nun die Frage, ob Miller in seinem Alter überhaupt noch jemals ernsthaft die, nach dem Weggang von Head sicherlich neuen, Rennski auspacken wird. Aber diese Entscheidung lässt der zweifache Weltcup-Gesamtsieger weiter offen, obwohl er sich über den Sommer gut erholt hat.

Miller hatte nach Renn-Comeback und Sturz samt böser Schnittverletzung beim WM-Super-G im Februar in Beaver Creek seine Karrierefortsetzung offen gelassen. „Mein Körper fühlt sich sogar exzellent an“, sagte Miller kürzlich, machte aber auch klar: „Meine Familie hat derzeit oberste Priorität. Die Frage wäre, ob sich neben der Familie Rennfahren auch noch ausgeht.“ Zumindest hinsichtlich eines Starts bei Olympia 2018 hat aber selbst der in Kalifornien lebende Miller Zweifel. Aktuell ist er mit Skifahren so fertig, dass er sogar seine Ski zum Verleih in seinem Heimatskigebiet Bretton Woods vergibt.

Bis auf Weiteres überlässt der vierfache Weltmeister und mit sechs Medaillen bei Olympia erfolgreichste US-Skirennfahrer Renneinsätze seinen Rennpferden. Denn die Vollblut-Galopper sind Millers neue Leidenschaft, sein Rennstall Double Black Diamond Racing liegt in Maryland. Zudem ist er seit Mai dreifacher Vater. Eine Aufgabe, die ihn voll fordere. „Ich habe seit viereinhalb Monaten nicht mehr durchgeschlafen“, klagte Miller kürzlich über die Beschäftigung mit seinem jüngsten Sohn Nash Skan. Miller hat aus früheren Beziehungen eine siebenjährige Tochter Neesyn Dacey sowie einen zweijährigen Sohn, den er im Gegensatz zur leiblichen Mutter (Sam) Nate nennt. Auch sein jüngster Spross trägt einen Namen von Millers vor zwei Jahren verstorbenem Bruder, dem Snowboarder Nathaniel Kinsman Ever Chelone Skan Miller.

An Nobelskimarke beteiligt

Auch abseits der Familie hat der Gewinner von 33 Weltcup-Rennen genug zu tun. Er hat sich an der Nobelskimarke Bomber beteiligt, wofür er seinen Vertrag mit Head beenden musste. Miller hat für die Marke ein Verfolgungs-Video im James-Bond-Stil gedreht und will die handgefertigten Bomber-Ski zur Weltcupreife entwickeln sowie auch junge US-Fahrer engagieren. „Alle Rennfabriken sind in Europa, deshalb haben die Europäer Vorteile. Ich denke, es ist höchste Zeit für eine amerikanische Marke“, sagte Miller gegenüber der „New York Daily News“.

Sein nächster Ski-Auftritt erfolgt nun aber als TV-Analyst. Damit engagiert sich Miller in jenem Metier, das er während seiner Karriere heftig kritisiert hatte. „Ich dachte, ich versuche es einmal. Wenn es mir Spaß macht, vielleicht mache ich das dann auch öfter“, erklärte er nun.

Wann und woran man seinen tatsächlichen Rücktritt erkennen könne, beantwortete Miller folgendermaßen: „So wie das im Skirennsport üblich ist. Du tauchst einfach nicht mehr auf.“

Ich habe seit viereinhalb Monaten nicht mehr durchgeschlafen.

Bode Miller