Den Russen droht die Verbannung

09.11.2015 • 20:22 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Der neue Präsident Sebastian Coe (l.) muss den Scherbenhaufen aufräumen, den sein Vorgänger Lamine Diack hinterlassen hat. Foto: ap
Der neue Präsident Sebastian Coe (l.) muss den Scherbenhaufen aufräumen, den sein Vorgänger Lamine Diack hinterlassen hat. Foto: ap

WADA-Bericht erschüttert die Leichtathletik. Russischer Verband vor dem Ausschluss.

Genf. Olympia-Verbannung, Ausschluss aus der Leichtathletik-Familie, weltweite Ächtung: Die Doping- und Betrugsaffäre in der russischen Leichtathletik weitet sich zu einem der größten Skandale der Sportgeschichte aus. Die Forderung einer unabhängigen Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, den russischen Leichtathletik-Verband ARAF wegen Nicht-Einhaltung des Anti-Doping-Codes aus dem Weltverband IAAF auszuschließen, stellt den Sport auf seinen höchsten Ebenen vor eine Zerreißprobe.

„Es ist schlimmer, als wir dachten“, sagte der Kommissionsvorsitzende Richard Pound in Genf. Der ehemalige WADA-Präsident und IOC-Vize sprach von „staatlich gestütztem Doping“ und empfahl im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio ausdrücklich, dass der russische Verband suspendiert wird. Pound fügte hinzu: „Ich hoffe, sie haben verstanden, dass es Zeit zu handeln ist.“

Coe setzt Frist

Unabhängig vom Fortgang der Dinge setzt der Paukenschlag der Kommission die WADA, die IAAF und auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) enorm unter Druck. Denn die Untersuchungsergebnisse übertrafen die schlimmsten Befürchtungen und lassen den großen Organisationen wenig Spielraum für harmlose Sanktionen.

Systematische Dopingkultur im russischen Sport, ein Korruptionsgeflecht mit der IAAF-Spitze und sogar das Mitwirken des russischen Geheimdienstes FSB: Die WADA-Kommission sieht es als erwiesen an, dass in der russischen Leichtathletik eine „tief verwurzelte Betrugskultur“ geherrscht habe. Drahtzieher bei der IAAF soll der langjährige Präsident Lamine Diack (82) sein.

IAAF-Präsident Sebastian Coe setzte Russlands Verband eine Frist bis zum Wochenende, um auf die Vorwürfe zu reagieren. „Ich will eine Erklärung und dann wird der Vorstand entscheiden.“