Niersbach geht nach WM-Affäre

Sport / 09.11.2015 • 22:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rücktritt: Wolfgang Niersbach. Foto: GEpa
Rücktritt: Wolfgang Niersbach. Foto: GEpa

DFB-Präsident zog die Konsequenzen, neue Erkenntnisse zur WM-Vergabe folgen.

Frankfurt. Mit tiefen Augenringen und leiser Stimme, schwer gezeichnet vom Albtraum um das Sommermärchen trat Wolfgang Niersbach kurz nach 17 Uhr vor die Mikrofone und verkündete den alternativlosen Schritt, der in der Affäre um die WM 2006 noch Schlimmmes erahnen lässt. „Ich habe die Entscheidung getroffen, mit sofortiger Wirkung vom Amt des DFB-Präsidenten zurückzutreten“, sagte der 64-Jährige, der erkannte, „dass der Punkt gekommen ist, die politische Verantwortung zu übernehmen“.

Die schwerwiegenden Vorwürfe von schwarzen Kassen, die Steuerrazzia in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes und Niersbachs Privatanwesen und die „verschwundenen“ 6,7 Millionen Euro haben den DFB-Boss nach Wochen des Schweigens letztlich doch zu Fall gebracht. „Das Amt des DFB-Präsidenten darf damit nicht belastet werden“, sagte Niersbach: „Es geht auch um meine persönliche Reputation, aber das Amt steht über der Person.“ Die Geschäfte übernehmen die Vizepräsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch.

Aufklärung tut Not

Niersbach beharrte darauf, selbst nicht in den Skandal verwickelt zu sein. „Ich bleibe dabei und möchte noch einmal unmissverständlich klarstellen, dass ich von den Hintergründen der im Raum stehenden Zahlungsflüsse keinerlei Kenntnis hatte“, äußerte Niersbach, der in den Exekutivkomitees des Weltverbands FIFA und der Europäischen Fußball-Union bleiben wird, nach der Krisensitzung. „Ich werde dazu beitragen, alles restlos aufzuklären.“

Der Schritt des früheren Journalisten lässt massiv Raum für Spekulationen. Sowohl Rauball als auch Koch lobten im Anschluss die Arbeit der externen Skandal-Aufklärer, die offenbar etwas gefunden haben, was die WM 2006 neun Jahre danach erschüttern wird. Koch stellte klar, dass es „noch viel mehr aufzuklären gibt als den Verbleib und Zweck der 6,7 Millionen Euro“ und versprach detaillierte Erkenntnisse in wenigen Wochen.

Bei den internen Ermittlungen im DFB soll ein brisanter Vertragsentwurf ans Tageslicht gekommen sein, der im Jahr 2000 mit einem Mitglied der FIFA-Exekutive abgeschlossen werden sollte. Diesem Funktionär seien im Vorfeld der Vergabe der WM 2006 laut Bericht möglicherweise Vorteile versprochen worden. Von diesem Dokument soll Niersbach erst vor einer Woche erfahren haben.

Niersbachs Vorgänger und Ankläger Theo Zwanziger reagierte betont gelassen: „Das ist Sache des DFB und von Wolfgang Niersbach. Das müssen sie selbst entscheiden.“ Zwanziger brachte seinen Intimfeind aber sogar am Tag des Rücktritts noch einmal in Bedrängnis, indem er die Zusammenarbeit mit den externen Ermittlern von Freshfields aufkündigte. Diese seien alles andere als unabhängig, weil neben einer privaten Verbindung zu Niersbachs Büroleiter nun auch noch eine geschäftliche Beziehung zu dem gesperrten FIFA-Funktionär Mohamed bin Hammam und zum Staat Katar enthüllt worden sei.