Peinlich, schlecht, unglaublich

09.11.2015 • 20:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Vorwürfe von Valentino Rossi gegen Marc Márquez nach dem verlorenen WM-Titel.

Valencia. Valentino Rossi spuckte Gift und Galle. Der Superstar aus Italien ließ seinen ganzen Ärger über das unwürdige Ende der eigentlich großartigen MotoGP-Saison raus. Rossi fühlt sich von Marc Márquez, seinem neuen Lieblingsfeind, um den Weltmeistertitel betrogen. „Die Situation war schon schlimm, aber heute war es für alle einfach peinlich. Es war unglaublich“, entfuhr es dem 36-Jährigen. Die Frohnatur Rossi ließ eine wahre Schimpftirade los, Ziel waren seine spanischen Rivalen, in erster Linie der entthronte Weltmeister. „Der Verhalten von Márquez ist einfach schlecht, gerade für den Sport.“

Gute Arbeit von Honda?

Der Frust ist gut zu verstehen. Über dem Saisonfinale von Valencia liegt ein dunkler Schatten. Denn Márquez dachte nicht daran, seinen Landsmann Jorge Lorenzo anzugreifen. Dabei war deutlich zu sehen, dass die Honda schnell genug war, um den Führenden und seine Yamaha zu attackieren. Márquez wollte nicht, trotz Marken-Konkurrenz, am Ende hieß der Weltmeister Lorenzo.

„Unglaublich gute Arbeit von Honda, nicht wahr?“, sagte Yamaha-Fahrer Rossi mit beißender Ironie. Auch Alex Hoffmann, ehemaliger MotoGP-Pilot und als Eurosport-Fachmann an der Strecke, hatte kein Verständnis für das Schauspiel. „Die stehen an, wie an der Bushaltestelle“, sagte der 36-Jährige und kritisierte, dass Márquez und dessen Teamkollege Dani Pedrosa nicht vorbeizogen. Pedrosa – ebenfalls ein Spanier – wollte ja, aber Márquez hielt dagegen. Rossi bezeichnete ihn deshalb sogar als „Lorenzos Bodyguard. Es erwartet niemand, dass ein Honda-Fahrer einem Yamaha-Fahrer zum Sieg verhilft und dabei nur ans Maximum geht, wenn es darum geht, seinen eigenen Teamkollegen in Schach zu halten“, wunderte sich Rossi: „Das sind sehr, sehr schlimme Nachrichten.“

Lorenzo holte seinen fünften Weltmeistertitel und spielte irgendwie doch nur eine Nebenrolle. Thema waren wie in den Vorwochen Márquez und Rossi, dessen Traum von seiner zehnten Krone platzte. „Il Dottore“ war in Malaysia bestraft worden, weil er nach Provokationen von Márquez wohl gegen dessen Maschine getreten und ihn aus dem Rennen befördert hatte.

Konsequenz war der letzte Startplatz in Valencia. Rossi wurde noch Vierter, mehr ging nicht. „Meister ist nach dieser wahnsinnigen Aufholjagd Valentino Rossi“, kommentierte in dessen Heimat der Corriere della Sera. „Gegen das unkorrekte und unloyale Spiel der Spanier war er machtlos“, stand in Il Messaggero.

Ein Absprachegeschäft

Noch deutlicher wurde Repubblica: „Die schönste WM in der Geschichte des Motorsports, ausgewogen und umkämpft, ist zu einem spanischen Absprachegeschäft geworden.“ Die spanische Presse sah es naturgemäß anders. „Makelloser Sieg des Mallorquiners“ (As) oder „Lorenzo gewinnt in großem Stil“ (Marca) hieß es dort. Naja.

Bleibt die Frage nach Márquez’ Motivation. Der 22-Jährige ist Rossis designierter Nachfolger. Wenn der schillernde Italiener abtritt, könnte der Katalane das Gesicht der MotoGP werden. Vielleicht glaubt er, einmal größer als der berühmteste aller Motorradfahrer werden zu können und ihn einbremsen zu müssen. Ersetzen kann Rossi aber niemand.Der charismatische Nationalheld mit dem spitzbübischen Lächeln ist nach wie vor die wichtigste Figur in der WM. Der spanische Veranstalter Dorna kann froh sein, dass Rossi nicht einfach die Brocken hinwirft. Auch wenn er mit seiner überflüssigen Aktion von Sepang die Hauptschuld am Desaster trägt.

Rossi war ein Vergehen nachzuweisen, Márquez nicht – der Routinier ist dem Youngster auf den Leim gegangen. „Diese Meisterschaft wurde nicht auf der Strecke gewonnen“, sagte Rossi. In der Sportwelt geht es nicht immer gerecht zu.

Das Verhalten von Márquez ist schlecht, gerade für den Sport.

Valentino Rossi