Lichtgestalt mit dunkler Seite

10.11.2015 • 19:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Kaiser“ Franz Beckenbauer und der FIFA-Weltpokal. Foto: epa
„Kaiser“ Franz Beckenbauer und der FIFA-Weltpokal. Foto: epa

Probleme? Gibt es für Beckenbauer nicht. Im Zuge der WM-Vergabe aber erscheint der Kaiser in anderem Licht.

Schwarzach. Womöglich saß Franz Beckenbauer (70) in diesen Tagen in seinem Haus in Salzburg und dachte sich genervt: Geh, lasst’s mich doch in Ruh’ mit euerm Schmarrn. Vielleicht denkt er es immer noch. Für Beckenbauer gab es ja selten ein Problem, und wenn, dann hat er es weggefranzelt, wie damals, als er ein uneheliches Kind gezeugt hatte. Nun aber könnte der „Kaiser“ bald ohne Kleider dastehen und jeder sehen: Die „Lichtgestalt“ hat eine dunkle Seite.

Halb-so-wild-Mentalität

Der Wirbel um diese 6,7 Millionen Euro und jetzt um einen angeblichen Vertrag, derentwegen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nun in heller Aufregung ist und der Verdacht besteht, dass bei der WM-Vergabe nachgeholfen wurde, mag Beckenbauer befremden. Nonchalant könnte er sagen: Was wollt’s denn? So läuft das eben. Doch nonchalant rausreden geht nicht mehr: Beckenbauer steht im Verdacht, unlautere Mittel angewendet zu haben, um sein Ziel zu erreichen.

Beckenbauer hatte schon immer eine Halb-so-wild-Mentalität, nachzuvollziehen anhand vieler Äußerungen – etwa über die Arbeitssklaven im umstrittenen WM-Gastgeberland Katar, die er nie gesehen haben wollte und die es deshalb seiner Logik nach nicht gab. Er hat Urteile gefällt, die meist launig und lustig klangen, die aber auch verletzend oder einfach falsch waren und den Gedanken aufkommen ließen: Weiß denn der Franz eigentlich, was er da sagt?

„Erstens. Es wurden keine Stimmen gekauft, um den Zuschlag für die Fußballweltmeisterschaft 2006 zu bekommen“, hat Beckenbauer am 26. Oktober in einer Stellungnahme erklärt. Das mag sogar stimmen, aber es liegt doch der Verdacht nahe, dass im Juli 2000 zumindest darüber nachgedacht wurde, vor der Abstimmung über den Gastgeber der WM 2006 ein wenig nachzuhelfen. Und Beckenbauer könnte in der für ihn so typischen Art gesagt haben: Ja mei, wenn’s denn sein muss, dann mach mer’s halt.

Franz Beckenbauer – er ergibt kein vollständiges Bild ohne die Männer an seiner Seite. Früher war es Robert Schwan, nun ist es Marcus Höfl. Beim Kampf um die Vergabe der WM 2006 war es freilich auch Fedor Radmann (71), für den der Begriff Strippenzieher hätte erfunden sein können. Radmann wirkte an entscheidender Stelle bei der WM-Bewerbung mit, und er war bis 2003 Vizepräsident des Organisationskomitees, ehe er wegen dubioser Geschäfte zum „Berater“ degradiert wurde.

Aussagen hinterfragt

Dubios war die WM-Vergabe, dubios waren die Geschäfte von Radmann. Dubios ist auch der Vertrag, den Beckenbauer 2012, zwei Jahre nach der gleichzeitigen Vergabe der WM-Endrunde 2018 an Russland und 2022 an Katar abgeschlossen hat: Für seine Rolle als „Botschafter“ der russischen Gaswirtschaft sollen ihm 18 Millionen Euro zugesichert worden sein. Außerdem: Sogar die Ethik-Kommission der FIFA hat gegen das ehemalige Exko-Mitglied Beckenbauer ermittelt.

Darüber hinaus war Beckenbauer am Ende des Tages scheinbar egal, was mit langjährigen Wegbegleitern geschieht. Wolfgang Niersbach nannte den „Kaiser“ einen Freund, doch Beckenbauer hat das entweder ganz anders gesehen oder die Freundschaft ist nun, da Niersbach sie womöglich einforderte, zerbrochen. Niersbach „wurde alleine gelassen von Menschen und Freunden, von denen er glaubte, dass er sich auch in schwierigen Zeiten auf sie verlassen kann“, sagte DFB-Vizepräsident Peter Frymuth in aller Offenheit.