Christian Adam

Kommentar

Christian Adam

Tabula rasa als Ausweg

10.11.2015 • 19:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Eines darf man unseren deutschen Nachbarn nicht absprechen: wenn schon, dann gründlich. Die Staatsanwaltschaft scheut große Namen nicht. Das mussten schon Bundespräsident Christian Wulff (2012) oder Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß (2014) erkennen. Und das zeigt sich nun auch in der Aufarbeitung der WM-Affäre um das Sommermärchen 2006. Während beim Weltverband FIFA die Mühlen nur langsam mahlen, wurde in Deutschland innert 25 Tagen tabula rasa gemacht. Der Präsident (Wolfgang Niersbach) ist zurückgetreten – und nun auch noch Franz Beckenbauer.

Das Märchen verkommt schön langsam zur Schauergeschichte, auch für die Protagonisten. Auslöser dafür ist wohl der naive Glauben einer Nation, Großveranstaltungen wie eine Fußball-WM oder Olympische Spiele ohne Lobbyismus an Land ziehen zu können. Weil Deutschland ein, zugegeben, schönes Land ist, weil deren Wirtschaft boomt und weil es auf eine große Fußball-Geschichte zurückblicken kann. Nein! In einer Welt, in der Milliarden im und durch den Sport umgesetzt werden, sind Freundschaften gefragt. Nicht zuletzt dafür wurde der Berufstand eines Lobbyisten kreiert. Die Frage stellt sich: Ist allein die Pflege persönlicher Verbindungen in der Sache verwerflich? Oder: Beginnt ein Skandal erst bei persönlicher Bereicherung?

christian.adam@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-211