Kein schnelles Ende der DFB-Krise

Sport / 11.11.2015 • 21:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Über die Nachfolge des zurückgetretenen DFB-Chefs Niersbach wird längst intensiv debattiert.

Frankfurt/Main. Nach den Enthüllungen im WM-Skandal wartet Fußball-Deutschland gespannt auf eine Reaktion von Franz Beckenbauer. Nach außen verfolgt der Kaiser weiter seine Strategie des eisernen Schweigens, kündigte aber zumindest weitere Aussagen vor den externen DFB-Ermittlern an. „Franz Beckenbauer steht den zuständigen Gremien weiterhin zur Verfügung und wird sich daher öffentlich nicht äußern“, teilte Beckenbauers Management in einem knappen Statement mit.

Rückendeckung erhielt der 70-Jährige vom FC Bayern: Karl-Heinz Rummenigge ergriff mit deutlichen Worten Partei für den Ehrenpräsidenten der Münchner. Der ebenfalls beschuldigte frühere FIFA-Vizepräsident Jack Warner meldete sich ebenfalls zu Wort und dementierte eine vertragliche Vereinbarung mit Beckenbauer oder dem WM-Organisationskomitee vor der Vergabe der WM 2006.

Das Nachfolge-Karussell

Auch zwei Tage nach dem Rücktritt von DFB-Chef Wolfgang Niersbach ist klar: Die Aufklärung der Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der Fußball-WM 2006 an Deutschland wird den Deutschen Fußball-Bund noch lange beschäftigen. Längst intensivieren sich im Hintergrund aber auch die Debatten über die Niersbach-Nachfolge. Nach Auskunft des früheren DFB-Vizepräsidenten Karl Rothmund wird Interimspräsident Rainer Koch nicht für den dauerhaften Chefposten beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) kandidieren. Stattdessen solle auch nach Kochs Willen der niedersächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel Nachfolger des zurückgetretenen Wolfgang Niersbach werden.

Warner will nicht aufklären

Bei der Aufklärung der Vergangenheit wird Warner vermutlich nicht helfen. „Ich hatte mit niemandem aus Deutschlands Organisationskomitee für die WM 2006 irgendeine Vereinbarung“, sagte er. Er habe schon „tausend Mal gesagt, dass er nicht mehr über seine Zeit bei der FIFA spreche. „Außerdem möchte ich mich nicht am internationalen Medienzirkus beteiligen, der mich erniedrigt und verleumdet“, wurde der 72-Jährige darüber hinaus zitiert. „Meine Geschichte ist meine Geschichte und ich weigere mich, ein Teil der Menge zu sein, die Schmerzen und Verletzungen über die Leute bringt, die ich einst Freunde genannt habe“, sagte Warner der „Bild“-Zeitung.

Beckenbauer deutete jetzt weitere Aussagen vor den externen DFB-Ermittlern an. Vor gut zwei Wochen hatte er erstmals mit den Ermittlern der Wirtschaftskanzlei Fresh­fields Bruckhaus Deringer gesprochen. Der DFB hatte den „Kaiser“ zuletzt aufgefordert, aktiver an der Aufklärung mitzuwirken. Für den Umgang mit dem Weltmeister-Spieler und -Trainer kritisierte Rummenigge den DFB.

„Wenn ein Freund in schwierigen Zeiten steht, muss man ihm zur Seite stehen. Ich verstehe, dass der DFB größtes Interesse haben muss, dass die ganze Angelegenheit aufgeklärt werden muss. Aber ich würde mir einen etwas sensibleren Umgang mit der Person Franz Beckenbauer wünschen, weil ich glaube, dass auch der DFB durchaus der Person viel zu verdanken hat“, sagte Rummenigge. Man müsse auch an die „diversen Weltmeisterschaften denken, die man wegen Beckenbauer gewonnen hat und die man wegen ihm austragen durfte“.

Einem Freund muss man in schwierigen Zeiten zur Seite stehen.

Karl-Heinz Rummenigge