Ein Weltmeister aus dem Bilderbuch

12.11.2015 • 20:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Hamilton provoziert, eckt an, wirkt selbstverliebt – aber für die Formel 1 ein Diamant.

Interlagos. Lewis Hamilton eckt gerne an. Ob im Fahrerlager oder im Privatleben, der Weltmeister hat es fast perfektioniert, immer wieder sorgt er für Aufregung, Belustigung und oft auch für Ärger – nur Blechschäden gibt es dabei eigentlich nie. In dieser Woche war das anders.

In den Straßenschluchten von Monaco baute der 30-Jährige einen Autounfall, erst einen Tag später konnte er deswegen zum Großen Preis von Brasilien am Sonntag (ab 17 Uhr) nach São Paulo anreisen. Auch eine Grippe soll an der Verspätung schuld sein. Und Hamilton, der beim Crash seinen Pagani Zonda 760 zerstört haben soll, zeigte danach einmal seine reife und erwachsene Seite. „Das Wichtigste ist, dass niemand verletzt wurde“, schrieb der Engländer bei Instagram: „Wir alle müssen Verantwortung für unsere Handlungen übernehmen. Fehler passieren, wichtig ist, dass wir daraus lernen.“

Nicht nur bei Bernie Ecclestone genießt Hamilton, der so oft eitel und großspurig wirkt, aber ohnehin größtes Ansehen. „Er ist der beste Weltmeister, den wir jemals hatten“, sagt der Chef der Formel 1, „er ist fantastisch“. Und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen seines ständigen Hangs zur Selbstdarstellung. Auch seine Vorliebe für Provokationen an der Rennstrecke macht ihm kaum jemand zum Vorwurf.

Geschenkter Sieg

Die bislang letzte Kostprobe gab Hamilton nach dem Sieg seines Mercedes-Teamrivalen Nico Rosberg in Mexiko: Der Jubel des Deutschen war kaum verklungen, da deutete der Brite in kleiner Runde an, dass die Teamführung aus Toto Wolff und Niki Lauda Rosberg den Sieg geschenkt habe. Nur deshalb habe Hamilton einen unplanmäßigen Boxenstopp einlegen müssen. „Ich weiß, dass das Team extra warmherzig sein wollte“, sagte Hamilton und fügte an: „Fragt Toto und Niki mal, was sie dazu sagen. Was sie hinter den Kulissen tun müssen, um Nico bei Laune zu halten.“ Aussagen wie diese, mit unschuldiger Miene vorgetragen, erlaubt sich Hamilton immer wieder. Das kann man mögen oder nicht, aber „Trash Talk“ gehört wohl dazu in der großen Show der Formel 1. Hamilton kämpft eben wie ein Löwe um seinen Erfolg, mit allen Mitteln, und er erreicht zweifelsohne sein Ziel.

Raufen mit Raubkatzen

Denn Rosberg muss immer wieder reagieren, ob er will oder nicht, man wird ihn auch in Brasilien auf die jüngste Spitze seines Rivalen ansprechen. Das ärgert den 30-Jährigen, es zehrt an den Nerven. Als Nebeneffekt produziert er zudem reihenweise Schlagzeilen über die Formel 1, das dürfte nicht nur Ecclestone gefallen. Kaum etwas verkauft sich so gut, wie Kontroversen, „bad news“ sind gerade in der Formel 1 „good news“.

Ecclestone kann seine kriselnde Serie mit keinem Piloten weltweit derart vermarkten, wie mit dem Mann aus Stevenage. „Er erreicht alle möglichen Menschen, er wird überall auf der Welt erkannt.“

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Fans, allein in den vergangenen Tagen bestückte er es mal wieder mit jeder Menge Details aus seinem ungewöhnlichen Leben. So besuchte er in Mexiko die „Black Jaguar – White Tiger Foundation“, dort raufte er mit Raubkatzen. Und Hamilton kam so gut an, dass man ein Neugeborenes nach ihm benannte: Lewis, der Löwe.

Lewis erreicht alle möglichen Menschen, er wird überall erkannt.

Bernie Ecclestone