Ein Typ, der niemals aufgibt

Sport / 15.11.2015 • 22:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Mann der Bälle! Ramazan Özcan blickt voller Selbstvertrauen seinem fünften Länderspiel entgegen. Foto: apa
Der Mann der Bälle! Ramazan Özcan blickt voller Selbstvertrauen seinem fünften Länderspiel entgegen. Foto: apa

Der Vorarlberger Ramazan Özcan rückt gegen die Schweiz zur Nummer eins im ÖFB-Team auf.

Orihuela-Wien. Er ist eigentlich die Nummer zwei, macht Druck, ohne aufzubegehren und ist da, wenn er gebraucht ist. „Ich bin ein Typ, der nie aufgibt“, sagt Ramazan Özcan über sich selbst. Durch die Knieverletzung von Robert Almer kommt der Torhüter des FC Ingolstadt am Dienstag (20.45 Uhr/live ORF eins) in Wien gegen die Schweiz aber zu seinem fünften Länderspiel für die österreichische Fußball-Nationalmannschaft.

Seit zweieinhalb Jahren ist Özcan ein Fixpunkt im ÖFB-Kader. Zum Einsatz kam der 31-Jährige unter Teamchef Marcel Koller aber gerade einmal in drei Testspielen. Almer ist beim Schweizer gesetzt. Durch dessen Teilabriss des hinteren Kreuzbandes kann Özcan seinen Wert beweisen. „Ich arbeite daran, dass ich dem Trainer zeige, dass da noch jemand ist.“

Rambo bewies Nehmerqualität

An Selbstvertrauen mangelt es dem Schlussmann nicht. Bei Aufsteiger Ingolstadt hat er zuletzt sehr gute Noten erhalten und sich auch im Duell mit Norwegens Teamtorhüter Örjan Nyland durchgesetzt. „Ich mache kein Geheimnis daraus, dass mein Weg ein sehr, sehr steiniger war“, sagte Özcan. „Aber ich habe versucht, aus jedem Stein etwas Positives mitzunehmen.“

2008 war Özcan mit Hoffenheim das erste Mal ins deutsche Oberhaus aufgestiegen. Die Heim-EM erlebte er als Nummer drei hinter Jürgen Macho und Alexander Manninger. Sein Teamdebüt im folgenden August war aber ein verpatztes: Özcan faustete sich in Nizza gegen den damaligen Weltmeister Italien eine Flanke zum 2:2-Endstand ins Tor.

„Ich habe schon viele Nehmerqualitäten bewiesen“, meinte „Rambo“. Auf die für diese Saison angedachte Torhüter-Rotation mit Nyland in Ingolstadt antwortete er mit starken Paraden. Erfahrung spiele in derartigen Situationen eine Rolle. Özcan: „Wenn du das erste Mal eine in die ‚Goschn‘ bekommst, tut es mehr weh als beim fünften Mal, weil du dann schon weißt, wie es ist.“

Den Job gut machen

Aus Rückschlägen hat er gelernt. „Die Lösung, wie man einen Stein umgehen kann, ist einfach mit Leistung. Jetzt ernte ich die Früchte meiner Arbeit vom Sommer“, erklärte der Vorarlberger, der in elf Ligaeinsätzen in dieser Saison erst fünf Gegentore kassiert hat. „Dass es in Deutschland nicht einfach ist, als Torhüter zu bestehen, brauche ich nicht zu sagen. Das Länderspiel ist das i-Tüpfelchen.“

Langfristig will sich Özcan damit nicht begnügen, auch wenn ihm der Ausfall von Almer leidtut. „Wenn einer ins Nationalteam kommt und sagt, er will nur die Sonne genießen, dann ist er fehl am Platz“, meinte der Mann aus Götzis, der seit vier Jahren für Ingolstadt spielt. „Ich möchte meinen Job machen, den Rest entscheidet der Teamchef.“

Ob Özcan im Frühjahr weitere Chancen erhält, ist vorerst offen. Für Ende März hat der ÖFB zwei EM-Testspiele geplant. Bis dahin will Almer längst wieder fit sein. Der Austria-Torhüter absolviert über den Winter seine Reha bei ÖFB-Therapeut Mike Steverding in Deutschland. Frühestmögliches Ziel für ein Comeback ist der Bundesliga-Frühjahrsstart im Februar.

Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass mein Weg ein sehr, sehr steiniger war.

Ramazan Özcan