Größte Befürchtungen um EM

Sport / 15.11.2015 • 20:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eine Nation ist tief erschüttert, doch Frankreich will sich durch die Terroranschläge nicht unterkriegen lassen. Foto: epa
Eine Nation ist tief erschüttert, doch Frankreich will sich durch die Terroranschläge nicht unterkriegen lassen. Foto: epa

Das Organisations-komitee der EM 2016 ist alarmiert, schließt aber eine Absage des Turniers aus.

Paris. Der Terror von Paris ändert auch für die Organisatoren der EM 2016 alles. Vier Wochen vor der Gruppenauslosung ist die Vorfreude auf das Fußballfest mit einem Schlag verflogen, die Sorgen sind groß. „Der Grad des Terrorrisikos ist gestiegen“, sagte Jacques Lambert, Präsident des Organisationskomitees, in einer bedrückenden Analyse: „Terror ist kein theoretisches Risiko mehr, sondern ein mögliches. Die Grenze zur Handlung ist überschritten worden.“

Eine Absage des Turniers schloss der Funktionär jedoch aus. „Wenn wir diese Frage stellen würden, würden wir den Terroristen einen Gefallen tun“, sagte Lambert dem französischen Sender RTL. Und doch: Einhundertprozentige Sicherheit kann es für ein Großereignis mit zehn Stadien in zehn Städten niemals geben, auch dies war eine Erkenntnis, als der erste Schock sich gelegt hatte. Noël Le Graët, Präsident des französischen Fußball-Verbandes FFF, ließ anderweitige Illusionen noch in den Katakomben des Stade de France platzen.

Persönliche Betroffenheit

„Wir haben sehr viele Vorsichtsmaßnahmen ergriffen“, sagte er nachdenklich, „aber man sieht jetzt, dass Terroristen jederzeit und überall zuschlagen können. Wir hatten vorher bereits eine gewisse Unruhe bezüglich unserer Europameisterschaft. Diese ist natürlich noch stärker geworden.“ Zwei der Sprengsätze waren offensichtlich direkt am Endspielstadion für 2016 explodiert. Ein Bericht, ein oder gar zwei Attentäter mit Sprengstoffwesten hätten ins Stadion einzudringen versucht, wurde in den gestrigen Abendstunden bestätigt.

Eigentlich hatte Frankreich sich für die EM gerüstet gefühlt. Seit Monaten arbeiten Innenministerium, FFF und OK an Details des Schutzes von Besuchern, Spielern und Touristen, in der Bewerbung stand die Sicherheit in der Liste von zwölf Risiken an oberster Stelle. Zudem hatte schon der Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo ein Umdenken ausgelöst. Doch dieser Freitag hatte eine andere Dimension.

Er schockierte auch die Équipe tricolore, zumal mehrere französische Nationalspieler persönlich betroffen waren. Während Lassana Diarra gegen Deutschland auf dem Platz stand, starb bei den Anschlägen seine Cousine. Die Schwester von Antoine Griezmann überstand das Attentat auf den Konzertsaal Bataclan mit viel Glück unbeschadet.

Sicherheit an oberster Stelle

Doch wie sind Menschen, Stadien, Hotels und Anlagen, öffentliche Verkehrsmittel und bevölkerte Plätze 2016 zu schützen? Die Antwort: in erster Linie durch den Staat. Der wird sich im Wesentlichen kümmern, wenn zum Turnier vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 Hunderttausende anreisen.

Am 2. September wurde die Aufgabenverteilung zwischen Staat und FFF in einem Protokoll geregelt. Die Stadien, Camps, Mannschafts- und UEFA-Unterkünfte werden von den Organisatoren abgesichert, außerhalb trägt der Staat die Verantwortung.

„Wir wussten von Anfang an, dass der Sicherheitsfrage eine Schlüsselrolle zukommt“, sagte Lambert. „Wir wussten von Anfang an um die Gefahr von terroristischen Anschlägen gegen Frankreich.“ Wichtig war ihm, hinzuzufügen: „Ich sage Frankreich, und nicht UEFA oder EM!“ Die Europäische Fußball-Union kondolierte, ließ aber Fragen in Bezug auf die EM unbeantwortet.

Für die Koordination wurde eine nationale Arbeitsgruppe unter Leitung des Innenministers Bernard Cazeneuve gegründet. In den Fanzonen der EM-Städte sind die Stadtverwaltungen zuständig, sie werden sich mit privaten Sicherheitsdiensten verstärken. Ziad Khoury, OK-Sicherheitsdirektor, sieht Frankreich gut aufgestellt. „Die Organisation einer Sportveranstaltung von Weltgeltung erfordert präzise und ausreichende Mittel“, sagte er und versicherte: „Unsere technische Ausrüstung wird ausreichend sein. Vor allem, was die Entdeckung von Sprengstoff angeht.“

Terror ist kein theoretisches Risiko mehr, sondern ein mögliches.

Jacques Lambert
Frankreichs Nationalstadion „Stade de France“ wird auch bei der Endrunde im Mittelpunkt stehen. Foto: gepa
Frankreichs Nationalstadion „Stade de France“ wird auch bei der Endrunde im Mittelpunkt stehen. Foto: gepa