„Bin schockiert und habe Angst, was noch kommt“

16.11.2015 • 19:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Frankreich-Legionär Philip Schneider. Foto:Privat
Frankreich-Legionär Philip Schneider. Foto:Privat

Volleyball-Legionär Philip Schneider bangte kurzfristig um seine Schwiegermutter.

Montpellier. (VN-jd) Seit zehn Jahren lebt Philip Schneider (34) in Frankreich und steht die siebte Saison bei Montpellier Volley unter Vertrag. Obwohl Paris von der Metropole an der französischen Mittelmeerküste gleich weit entfernt ist wie seine Heimatgemeinde Röthis, ging der Terrorakt in der französischen Hauptstadt der Familie Schneider ordentlich an die Nieren. Schneider verfolgte mit seiner Frau Elodie und Sohn Nathan das Fußballspiel zwischen der Grande Nation und Deutschland im Fernsehen und wurde bei den Horrormeldungen am Ende der Übertragung aufgerüttelt. „Meine Frau Elodie hat nach den ersten Meldungen sofort zum Telefon gegriffen, da ihre Mutter mit einer Freundin auf Kurzurlaub in Paris weilte. Als wir sie telefonisch zunächst nicht erreichen konnten, und die Meldungen immer schrecklichere Ausmaße annahmen, haben wir uns große Sorgen gemacht. Zum Glück hat sich die Schwiegermutter dann nach einer halben Stunde zwischen Bangen und Hoffen gemeldet und mitgeteilt, dass sie sich im Hotel in Sicherheit befindet. Ich glaube, man hat den Stein, der uns im Augenblick ihres Telefonates vom Herzen gefallen ist, in Röthis gehört.“

Weit weg und doch ganz nahe

Vorarlbergs einziger Legionär in Sachen Volleyball war auf nicht unglücklich, dass das geplante Heimspiel gegen Tours am Tag nach dem Attentat abgesagt wurde. „In solchen Momenten sind die Gedanken bei den Leuten und Familien, die dieses Horrorszenario erleben mussten und der Sport rückt in den Hintergrund.“

Obwohl

Paris rund 650 Kilometer von Montpel-

lier entfernt ist, war der Terrorakt

natürlich

auch das Hauptgesprächs-

thema bei der ersten Trainingseinheit. Unisono die Meinung bei Schneiders Teamkollegen: „Es ist einfach schockierend, wie unbedeutend für manche Leute Menschenleben sind. Diese Leute haben wieder gezeigt, dass sie überall zuschlagen können. Diese Tatsache sorgt für Angst, wenn man praktisch Woche für Woche quer durch Frankreich unterwegs ist.“

Dabei erinnerte sich Schneider an die Erlebnisse am Rande des Anschlags auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Jänner: „Wir waren damals gerade auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel nach Nantes und sind mit dem Bus quer durch Paris gefahren. Ohne die Hintergründe zu kennen, sind wir uns vorgekommen, als ob wir durch ein Kriegsgebiet fahren würden. Überall standen scherbewaffnete Polizisten auf der Straße und wir waren nur froh, als wir die Stadt wieder verlassen haben.“

Gar nicht daran denken will der Frankreich-Legionär, sollte sich dieses Horrorszenario gar wiederholen. „Ich hoffe, dass die zuständigen Personen die richtigen Entscheidungen treffen und der Friede in den Alltag zurückkehrt. Der Gedanke, was noch alles passieren könnte, löst bei mir als Familienvater große Angst aus. Ohne den Teufel an die Wand zu malen, würde ich mich mit meiner Familie im Moment in Vorarlberg wohler und sicherer fühlen als aktuell in Frankreich. Auf jeden Fall fällt es schwer, zurück in den normalen Alltag zu finden“, betont Schneider abschließend.